Mittwoch, 27. Juli 2016

Darf man auch das Undenkbare denken?


Man stelle sich vor, zwei deutsche Terroristen stürmten eine Moschee, zerrten den 86jährigen Imam von seiner Kanzel, und schnitten ihm vor der versammelten muslimischen Gemeinde die Kehle durch. Und um den blasphemischen Gedanken noch auf die Spitze treiben, filmten diese blutrünstigen Christen ihre Untat.


Ich will mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, welche Reaktionen ein solches Gemetzel unter den drei Millionen Muslimen in unserem Lande hervorrufen würde, das überlasse ich der Phantasie der Leser. Oder doch besser nicht?

Die Aufregung in unseren Medien jedoch kann ich mir durchaus ausmalen, besonders die Kommentare unserer Experten, Psychologen, Soziologen und politischen Meinungsbildnern. Ganz sicher würde die halbe Regierungsbank einen bußfertigen Kniefall vor der Welt hinlegen, der an triefender Betroffenheit kaum zu überbieten wäre. Sofort würde von beflissenen Moderatoren die kollektive Frage aufgeworfen, was der Deutsche wohl falsch gemacht habe, wenn eine solche Bluttat von aufgeklärten Christen begangen worden wäre.

Nicht Asche über das deutsche Haupt wäre die Botschaft an uns, nein, Asche über die Häupter eines ganzen Volkes. Die ganze, schwere der Schuld unserer Vergangenheit, Sippenhaft inclusive, würde auf den Deutschen niederprasseln.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden, denn es handelt sich um ein Gedankenspiel aus aktuellem Anlass. Ich bin weit davon entfernt, Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen, aber es muss erlaubt sein, den Unterschied der Kulturen in ein deutliches Licht zu rücken. Im Falle von Saint-Étienne-du-Rouvray hat sich meiner Kenntnis nach noch nicht ein Einziger, hochrangiger Muslime bedauernd über diesen außerordentlichen Tabubruch geäußert. Keiner der wichtigen Prediger oder muslimischen Vertreter hat sich von dem Verbrechen distanziert.

Während die betroffene Gemeinde in Frankreich in Schockstarre, in tiefe Depression und entsetzte Hilflosigkeit gefallen ist, weigern sich meine moralischen Überzeugungen und mein Verstand immer noch, zu glauben, was die Sender berichtet haben. Mir schnürt es einfach die Kehle zu. Es scheint, als ginge die muslimische Welt über diese schamlose Infamie hinweg, als handele es sich um den legitimen Anspruch ihres Glaubens, im gastgebenden Land schändliche Morde an verhassten Christen zu begehen.

Halten wir einmal fest: In der arabischen Welt, in Afrika und Indonesien sind in den vergangenen Jahren viele Hundert Priester, Pastoren und Ordensleute – darunter Europäer, die vor Ort besonders Muslimen viel Gutes getan hatten – ermordet und zu Märtyrern gemacht worden. Kaum anzunehmen, dass christliche Bürger aus Gelsenkirchen, Dortmund oder Recklinghausen auf die Idee kämen, aus Hass oder Wut, die Moscheen in ihrer Stadt zum Schauplatz eines Blutbades zu machen. In solch blutrünstigen Kategorien der Schändung denkt kein deutscher, kein Europäer und kein Christ. Keinesfalls. Oder bin ich etwa zu blauäugig?

Obwohl ich meinen inneren Zustand nur beschreiben und meine Gedanken zu Papier bringen kann, bleibt meine ohnmächtige Hilflosigkeit, weil mir bewusst ist, dass ich vermutlich mit meinen Worten kaum etwas bewirke, schon gar etwas verändere. Das lässt mich in Anbetracht dieser Entwicklungen nahezu verzweifeln. Soll die deutsche Bevölkerung unseren "muslimischen Freunden" weiterhin mit Kerzen, Blumen, Hashtags, Trauerzügen und Verständnis begegnen, nur weil es keine absolute Sicherheit gibt, werte Frau Merkel?