Freitag, 21. Oktober 2016

Gabriel der Politkreisel

Sein Markenzeichen:  "changement of opinion"
Als ob der Abgas-Skandal um VW nicht schon schlimm genug wäre. Fassungslos mussten brave VW-Fahrer zur Kenntnis nehmen, dass ihre Rußschleuder in flotter Gangart nicht nur den Grünen die Tränen in die Augen trieben. Auch der umweltbewusste VW-Diesler, bislang mit öko-geschwellter Brust auf der Landstraße unterwegs, konnte kaum glauben, was die Wolfsburger ihm unter den Hintern geschoben hatten. Als die Wogen sich zumindest in Deutschland allmählich wieder glätteten, war der treue VW-Kunde beinahe so weit anzunehmen, dass der Betrug des Autokonzerns nicht steigerungsfähig sei. Nun wird er eines Besseren belehrt. Monitors Redakteure haben unserem heimischem Maulwurf alle Ehre gemacht.



Wir schreiben das Jahr 2005, als der in Sachen Umwelt völlig kompetenzbefreite Siggi den Umweltminister gab und sich damals im Amt aufführte, als habe er die grüne Farbe fürs Chlorophyll erfunden. Irgendjemand hätte diesem gelernten Lehrer einmal erklären sollen, dass ein pädagogisch erhobener Zeigefinger in einer fremden Nase seine Bedeutung verliert. Mit der Miene des fleischgewordenen Biedermanns wartete er mit kecken Sprüchen auf, wenn es um die Umweltverschmutzung der Autos ging. Na sowas, musste er doch schon damals wissen, dass mit den Abgaswerten der Dieselfahrzeuge von VW etwas nicht stimmen konnte. Davon hatte sogar schon 1998 der niedersächsische SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner, der das Umweltamt vorher leitete. Honi soit qui mal y pense, möchte man da nur sagen, zumal die gesamte Hannoveranische Mischpoke – einschließlich Schröder und Wulff, mit dem VW-Konzern mauschelte.

Sowohl das Kraftfahrbundesamt, als auch der damalige Verkehrsminister ahnten, dass   was nicht sein darf, das nicht sein kann, so verfuhren schon im Jahre 2000 die SPD-Politiker – und ließen VW gewähren. Und nicht nur das. Ganze Vorschriften-Passagen in der Zulassungsverordnung wurden zugunsten VW gestrichen -eine Steilvorlage für die Cheftechniker des Konzerns. 

Der Abgas-Beschiss war längst bekannt, wenngleich noch nicht bewiesen. Was tun sprach Zeus? Sigi wusste Rat, denn er wollte auf der sicheren Seite sein. Ein unabhängiger Gutachter, von der niedersächsischen Regierung benannt und von VW bezahlt, bescheinigte den Dieselmotoren Unbedenklichkeit und man war allseits erleichtert. Besonders in der SPD, obwohl die gemessenen Diesel-Giftstoffe vielerorts um das 10fache der zugelassenen Emissionen übertroffen wurden. Gabriel tauchte ab, das Kraftfahrtbundesamt mauerte, sogar die Grünen hielten die Klappe. Kein Wunder, schließlich ist das Land Niedersachsen mit 20% zweitgrößter Aktionär.

Der Stern von Gabriel hätte schon damals dringend eine Generalpolitur benötigt. Denn nicht nur in seiner Partei, in der er mit wenig schmeichelhaften Attributen bedacht wurde, sondern auch von Seiten der christlichen Ministerkollegen hielt man ihn für disziplin- und konzeptlos, illoyal und ungeduldig. Viele Parteifreunde hätten ihn am liebsten "auf die Vogelschutzinzsel Mellum im Wattenmeer verbannt", räumte Gabriel einmal selbst ein, als er seine Genossen mit Alleingängen und einsamen Entscheidungen verärgerte.


Ob er heute diese Attribute abgelegt hat? Das darf bezweifelt werden. Ich fürchte, da sind noch einige Unangenehme dazu gekommen. Denn jetzt prügelt er auf VW ein, echauffiert sich öffentlich über Winterkorn und Konsorten, mit denen er damals die "Kuh vom Eis holte" und bis vor wenigen Monaten gemeinsam mit ihnen den Cappuccino in der Bundestagskantine geschlürft hat. Oh, Siggi..., mir graust vor dir.