Dienstag, 29. November 2016

Martin, der SPD-Dorfschulze von Hehlrath

Im 17. bis zum 19. Jahrhundert nannte man den Bürgermeister einer Gemeinde Dorfschulze. Seit dem 21. Jahrhundert ist es sogar möglich, dass er als solcher ein Präsidentenamt im Europaparlament einnimmt. Nicht mehr lange, wie man hört. Martin Schulz, der gelernte Buchhändler hat sich Berlin zurückgemeldet und beinahe jeder Parteigenosse hat sich gefragt, was er dort will?


 Kaum anzunehmen, dass Martin der schönen Stadt Brüssel den Rücken kehren will, weil sein Gehalt zu niedrig ist. Nun ja, seit bekannt wurde, dass Franz Walter Steinmeier unser zukünftiger Bundespräsident werden soll, wird ein warmes Plätzchen auf einem Ministersessel frei. In der SPD macht man trotzdem ein großes Geheimnis draus, was man mit diesem Schulz anstellen und wie der Schlachtplan gegen Merkel und die Verteilung der Pöstchen aussehen soll. Beide Choleriker scheuen bekanntlich keine Konflikte. Daher dürfte das Messerwetzen um Pfründe, Posten und Titel hinter den Kulissen in vollem Gange zu sein.

Denn eines ist klar, wenn ein Europaparlamentarier scharf auf einen weniger gut dotierten Posten ist, macht das misstrauisch. Wieso also sollte Schulz plötzlich kleinere Brötchen backen wollen, wenn er in einer gigantischen Geld-Selbstbedienungsmaschine den Vorsitz hat? Dann also Kanzlerkandidat? Sehr riskant. Riskant schon deshalb, weil der füllige Gabriel bekannt dafür ist, ziemlich sperrig zu sein. Außerdem ist kaum damit zu rechnen, dass Mutti Merkel nicht wiedergewählt wird. Was dann? Etwa Kampfabstimmung zwischen zwei Alphatieren, wenn es soweit ist? Immerhin bestünde für den Dorfschulzen die Gefahr, weder Kanzler noch Außenminister zu werden, wenn‘s schiefgeht.

Man muss die Sache vielleicht aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Schauen wir in diesem Zusammenhang nach Frankreich und Italien. In beiden Ländern besteht die latente Gefahr, dass sich die dortigen Hardliner durchsetzen, die den Europa-Austritt präferieren. Hat unser Martin etwa Insider-Informationen? Fürchtet er, dass Italien und Frankreich dem britischen Modell Brexit folgt, und lässt Schulz die europäischen Bürger darüber im Unklaren? Ahnt man in Brüssel etwa schon, dass die Europa-Missbildung in sich zusammenfallen wird, wie ein Kartenhaus, weil man vor nicht mehr zu bewältigenden Problemen steht? Ich fürchte, es wird in den heiligen Hallen Europas schon lange Wein gepredigt und Leitungswasser getrunken, weil nicht sein kann was nicht sein darf.

Wäre es so, würde das Heimweh von Martin Schulz Sinn auch machen, ganz nach dem Motto: Die Ratten verlassen rechtzeitig das sinkende Schiff. Auch umgekehrt stimmt's manchmal: Wer das sinkende Schiff verlässt, ist eine Ratte, aber soweit wollte ich dann doch nicht gehen. Aber ein warmes Nest im Parteienschoß hat ja auch was, bevor man unversehens gehen muss und schnell einen neuen Job braucht.