Dienstag, 2. Mai 2017

Die Sache mit dem Oberleutnant

Man will das alles gar nicht mehr glauben. Gegen einen Bundeswehroffizier mit dem wohlklingenden Vornamen Franco wird von der Staatsanwaltschaft wegen einer schweren, staatsgefährdenden Straftat seit dem 17 Februar ermittelt. Ein harter Knochen, wenn man den offiziellen Verlautbarungen Glauben schenken will, denn immerhin hat besagter Offizier in der Infanterieschule einen Lehrgang zum Einzelkämpfer absolviert.



Jetzt wird ihm unterstellt, dass er einen Anschlag in Deutschland plante, sogar eine Todesliste soll bei ihm gefunden worden sein. Seit Ende 2015 führte er als syrischer Flüchtling ein Doppelleben. Er ließ sich mit neuestem I-Phone, bunten Snikers und modischer Tom-Tailer-Jacke getarnt als Obsthändler aus Damaskus unter dem jüdisch klingenden Namen David Benjamin registrieren. Die Prüfungskommission hieß den vom Krieg gebeutelten mit dem Hinweis willkommen, dass er nun das Paradies betreten habe, sozusagen das "Mekka" des Wohlstandes, in dem ihm nahezu jeder Wunsch erfüllt würde. Durch diese vielversprechenden Ankündigungen ermutigt, beantragte Franco A. sofort das Asylverfahren. Gönnerhaft gewährte man dem vom Krieg verfolgten Attentäter in spe ein Zimmer in einer Sammelunterkunft und ein monatliches Taschengeld in Höhe von 400 Euro. Nun ja, übliche Praxis halt.

Der herkömmliche Bundesbürger jedoch greift sich spontan und fassungslos an den Kopf, ob eines solchen Vorgangs, die Intelligenteren lassen sich diesen spektakulären Hergang amüsiert auf der Zunge zergehen, zumal unsere halbblinde Regierungs-Elite seit Monaten nicht müde wird, alles Notwendige für die Sicherheit zu tun. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, so sinniere ich, dass uns unsere Minister Märchen über die lückenlose Erfassung und Sicherheits-Cheks erzählen. Seit Anis Amrin weht schließlich ein anderer Wind in den Amtsstuben der Regierung.

Dennoch, ich versuche mir seit Tagen vorzustellen, wie ein Bundeswehr-Einzelkämpfer, der kein Wort arabisch und nur bruchstückhaft französisch spricht, gleich bei mehreren, exzellent geschulten Sachbearbeitern mit einem solchen Schwachsinn durchkommt. Haben unsere politisch Verantwortlichen, gleich welcher Couleur, uns nicht erzählt, dass die Registrierungsbehörde die armen Flüchtlinge im Einzelgespräch buchstäblich auseinandernehmen. Wie sagte Herr de Misère im Originalton? Wir prüfen ganz genau, wer in unser Land kommt. Er hat halt nicht bedacht, dass Franco der Soldat schon seit Jahren die Bundesrepublik in Oberbayern verteidigte...

Wie hat der Kerl es nur geschafft, Deutschlands korrekte Sachbearbeiter so zu täuschen? Ich vermute ja, dass sich der in Tarnung geübte Oberleutnant in bayerischer Mundart der strengen Kommission vorstellte und auf ganz hinterfotzige Art und Weise auf christlichen Syrer machte. Der stets anwesende und in allen arabischen Dialekten perfekt ausgebildete Dolmetscher hat die fremdartigen Geräusche als alevitischen Dialekt aus dem syrischen Hinterland erkannt und sofort grünes Licht gegeben. Sodann verabschiedete sich der Alevit aus Damaskus, zog seine Uniform wieder an und übernahm seine Schicht in der Waffenkammer seiner Kaserne.

Bei Grün allerdings klingeln bei mir alle Alarmglocken, aber ich will ja nichts beschreien. Ich traue solchen Grünlicht-Dolmetschern zu, dass sie die Fingerabdrücke der Neuankömmlinge aus dem syrischen Lengries oder dem marokkanischen Reichenhall manipulieren, und im Anschluss, um verräterische Spuren zu verwischen, sich als AFD-Mitglieder ausgeben. Zu allem Unglück haben ausgerechnet die Österreicher bemerkt, dass mit unserem Einzelkämpfer etwas nicht stimmen konnte, was das positive Asylverfahren zugegebenermaßen ein wenig erschwerte. Aber Hürden dieser Art nehmen deutsche Beamten naturgemäß mit Leichtigkeit.

Wie allerdings der Oberleutnant Franco A. dann mehr als ein Jahr lang in seiner Kaserne den regelmäßigen Dienst versah, das wissen nur die Götter, die Sachbearbeiter des BAMF und unsere mit alles Wassern gewaschenen Flüchtlingsbetreuer. Die Bundeswehr jedenfalls weiß von nichts. Immerhin bedurfte es einigen organisatorischen Aufwandes, nach dem Waffendienst in Uniform wieder nach Bayern in die Flüchtlingsunterkunft zu fahren, um sich dort in oberbayerischem Dialekt mit seinen geflüchteten Landsleuten aus Homs, Aleppo und Damaskus über seine zerbombte Heimat auszutauschen. 

Würde ich einen solchen Roman bei meinem Verlag abgeliefert haben, man hätte mir entweder das Manuskript links und rechts um die Ohren gehauen oder mich mit einer Zwangsjacke abholen lassen. Da die deutsche Realität die Fiktion um Längen schlägt, muss man sich vorsehen, was man schreibt. Es stellt sich für mich dennoch die Frage, ob ich wenigstens damit rechnen darf, dass die Knallchargen im BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) in Zukunft auch hessische und schwäbische Syrer durchwinken, schon der Ausgewogenheit wegen... Ich allerdings warte auf die schonungslose Aufklärung.