Samstag, 13. Mai 2017

Neues aus dem Osmanenreich

Ein Sturm geht durchs Kanzleramt. In der Türkei will man Ehebruch unter schwere Strafe stellen! Doch längst hat man im Kanzleramt verinnerlicht, dass deutscher Protest den Osmanen nicht juckt. Dort wendet man sich dieser Tage wichtigeren Dingen zu, wie Wahlen beispielsweise. Ich bin allerdings der Meinung, wenn das Thema Flüchtlingsabkommen mit dem türkischen Kalifen seit mehr als einem Jahr hitzig diskutiert werden kann, dann darf uns das Thema Ehebruch allemal mehr, als ein paar Zeilen wert sein.



Nun mal ehrlich! Ehen werden gebrochen, seit geheiratet wird. Daran können auch zweitausend Jahre Christentum nicht rütteln, obwohl die biblischen Gebote keinen großen Unterschied zwischen Mord und Totschlag, gehörnten Ehemännern und betrogenen Frauen machen. Natürlich wissen wir alle, eine Heirat ist eine teuer bezahlte Reise ins Ungewisse. Der beste Beweis für diese These lieferte Casanova, der nach seiner Eheschließung zum Schnäppchenjäger wurde und seine Leidenschaften letztendlich teuer bezahlte. Heutzutage sind wir fortschrittlicher. Bei einer modernen Heirat ist Diskretion Ehrensache, Religion Privatsache, Geld die Hauptsache, alles andere Nebensache.

Historisch und geographisch betrachtet hatten Ehebrecher sowieso noch nie und nirgendwo eine gute Presse. Im antiken Athen bestand die Bestrafung für den männlichen Ehebrecher darin, dem Missetäter einen ausgewachsenen Rettich in den Darmausgang zu rammen. Im Volk der Ibo (Nigeria) wird das ehebrecherische Paar an Händen und Füßen gefesselt, an einer Stange aufgehängt und dann in einen See voller Krokodile geworfen. Über die Strafen in Saudi Arabien will ich erst gar nicht sprechen. Dagegen mutete die Strafe im alten Rom harmlos an, denn man zog den notorisch fremdgehenden Männern alle Zähne (daher das Sprichwort: „…dem ziehe ich den Zahn“).

Ganz anders in unseren westlichen Breiten, denn hierzulande haben sich die Meinungen in zwei Lager geteilt: Pessimisten befürchten, dass alle Frauen fremdgehen. Optimisten hoffen es. Aber da richtiger Sex heute leichter zu haben ist, als sechs Richtige, lohnt sich die Pirsch nach fremdem Fleisch nur in Ausnahmefällen. Vielmehr ist bei Vielen der Weg das Ziel…, besonders im Internet. Machen wir uns nichts vor, in manchen Beziehungen gleicht der Beischlaf eher einem Strafstoß, der so manches Mal auch verschossen wird, um es mal in der Fußballersprache auszudrücken. Und insofern haben auch an Abwechslung interessierte Damen das legitime Recht, sich zwischendurch eine kleine Freude zu gönnen.

Der Koran – und damit zurück zum Ausgangspunkt -, droht dem Ehebrecher hundert Peitschenhiebe an und mancherorts die Todesstrafe. Verglichen mit der Sharia sind ein oder zwei Jahre Knast, wie sie die Türkei vorgesehen hat, echte Schnäppchen. Das Sträfchen für Affärchen ist meines Erachtens geradezu als Aufforderung zum Ehebruch zu verstehen. Ich finde, bei den meisten Affären handelt es sich ohnehin um pure Abenteuerlust. Wozu also die Erregung im Kanzleramt? Und wenn man es genau nähme, müsste man die Seitensprünge in vier Kategorien einteilen, die man je nach Art und Konstellation strafrechtlich abstufen müsste.

Schlauer Mann + schlaue Frau = Romanze (Vorsatz – strenge Strafe) 

Schlauer Mann + dumme Frau = Affäre (Normalfall – minder schwerer Fall)

Dummer Mann + dumme Frau = Schwangerschaft (Höchststrafe) 

Dummer Mann + schlaue Frau = Shopping (Für den Mann -
mildernde Umstände)



Aber wie sieht es denn aus, in unserer freien Gesellschaft? Die kulturell erwünschte Zwangsmonogamie erodiert, sobald die Versuchung in Form eines grandiosen Knackarsches auftaucht, egal ob weiblich oder männlich. Psychoanalytisch gesehen gibt es kein Leben ohne Schuld, Reue und Vergebung. Niemand will nur nach einem vorgegebenen Muster leben. Der Ausbruch, beschert ungezügelte und ungeahnte Freiheitsgefühle. Sex verschafft Selbstbewusstsein, für Psychologen ein alter Hut. „Jede Frau wäre gern treu“, hat Marlene Dietrich einst behauptet. „Schwierig ist es bloß, den Mann zu finden, dem man treu sein kann.“ Aha, sag ich da nur.

Ehe ist Privatsache, blökt es aus der Ecke der Liberalen. Der Staat hat im Bett nichts zu suchen, tönt es dumpf aus dem Kleiderschrank. Ehebruch unter Strafe zu stellen, lautet das Verdikt der europäischen Union über den verhaftungsgeilen Türken, sei ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot und widerspreche einem modernen EU-angepassten Strafrecht. Aber ist es bei uns in der westlichen Welt wirklich besser? Liberaler? Menschlicher? Ein europäischer Mann hat längst verinnerlicht: Wenn eine Frau bei der Eheschließung verspricht, Freud' und Leid mit dem Gatten zu teilen, setzt sie stillschweigend voraus, dass der Mann das Leid übernimmt. Oft genug auch die Hypotheken des Hauses und die Ratenzahlung des Autos der Gattin.

Auch wenn 50 und mehr Jahre mitteleuropäisches und modernes Strafrecht das Denken und Fühlen der Menschen verändert hat, eine Tatsache ist uns erhalten geblieben. Mit Langeweile fängt es an, mit Ehebruch hört es auf. Wer heute im Internet unter dem Stichwort „Ehebruch“ sucht, erhält bei Google diese altmodisch anmutende Anzeige: »Ehebruch! Wir erbringen den Nachweis für Fehlverhalten in der Partnerschaft!« Nun ja, es steht fest: Fremdgehen hinterlässt bei der Ehefrau und der Geliebten gleichermaßen das Gefühl des schweren Betruges und des Vertrauensbruches. Männern stellt sich diese Frage nur sehr selten!

Obwohl es nach dem deutschen Scheidungsrecht völlig wurscht ist, wer wen, warum, wann und wie oft betrogen hat, treibt die Eifersucht weiterhin seltsame Blüten. Betrogene Ehemänner und Ehefrauen sind wirklich zu allem fähig! Manche schaffen sich einen Garten an, kaufen sich dann einen Spaten und einen Revolver. Dabei ist meistens nur ein Einziger schuld. Moses...! Immerhin erinnere ich mich noch genau, als er nach 40 Tagen und 40 Nächten wieder vom Berg herunterkam.

Die ganze Gemeinde erwartete ihn. »Liebe Brüder und Schwestern«, hob Moses an: Wie ihr alle wisst, habe ich viele Tage mit dem Chef verhandelt und nun habe ich zwei gute und eine schlechte Nachricht für euch! Die zwei guten Nachrichten: Ich habe den Chef von 100 auf 10 Gebote runtergehandelt! Und wir werden Milch und Honig bekommen! Die schlechte Nachricht: Der Scheiß mit dem Ehebruch ist immer noch dabei!« In diesem Sinne kann man nur sagen: Lasst euch nicht erwischen! Denn wie sagt der Volksmund so treffend? Fremdgehen ist ungefährlich – erst beim Fremdfliegen beginnt das Problem.