Montag, 24. Juli 2017

Martin Schulz oder "Es tanz der Bi-Ba-Butzemann"

„Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann
in unserm Haus herum, fidebum…“,

…ein altes Kinderlied aus des „Knaben Wunderhorn“, das derzeit genau auf unseren allseits unbeliebten Martin Schulz und seine politischen Veitstänze zutrifft. Besonders  die letzte Strophe:

…er wirft sein Säcklein hin und her,
am Morgen ist es wieder leer…



Was denkt sich dieser Buchhändler eigentlich, wenn er bis vor knapp einem Jahr Warnungen vor einem neuen Flüchtlingsstrom heftig kritisierte, Abschiebungen, Grenzkontrollen und Transitzonen blockierte und realistische Gefahren durch den massiven Zustrom von Flüchtlingen mit höchst zweifelhaften Motiven als inhuman und verwerflich bezeichnete. Ganz plötzlich stellt Martin fest, dass der politische Inhalt in seinem Säcklein bis auf einen kleinen, undefinierbaren Rest jämmerlicher Plattitüden leer ist und er dringend wieder etwas hineinpacken müsste. Seine „Goldstückchen“ aus Afrika waren aufgebraucht.

Hastig besorgte er sich ein Schäufelchen und bestückte den Geschenkesack, bediente sich aber beim Auffüllen versehentlich am völlig falschen Haufen. Warnungen vor einer neuen Flüchtlingskrise. Jetzt ist er wieder voll mit „Hochbrisantem“. Mit diesen "artfremden" Inhalten müsste er eigentlich aus seiner Partei austreten und für die AFD auf die Pirsch gehen. Tut er aber nicht. Wahrscheinlich weiß er gar nicht mehr, wo er zuhause ist. Ja, ja, man kann sich als Spitzenpolitiker schon mal vertun, wenn die Synapsen jäh ausfallen und er über den hohen Gartenzaun schielt, um zu sehen, was dort an Verwertbarem zu finden ist.

Der überwiegenden Mehrheit der Bürger ist schon seit Jahren klar, dass die Situation am Mittelmeer, in der Ägäis und in der Türkei einer Zeitbombe mit kurzer Lunte gleicht. Und man muss nicht unbedingt ein geistiger Überflieger sein, um zu begreifen, was sich heute auf unseren Straßen abspielt. Aber dass unser aller Kanzlerkandidat erst vorgestern entdeckt hat, was auf uns zukommt, das nenne ich eine intellektuelle Spontan-Erleuchtung mit ungeahnter Strahlkraft. Allerdings bin ich mir immer noch nicht im Klaren, an welcher Stelle seines Körpers die Initialzündung stattgefunden hat und ich den Begriff „intellektuell“ möglicherweise zurücknehmen muss.

Der bedauernswerte Biedermann aus Würselen will jetzt auf die Hilferufe der italienischen Politik reagieren und das Land bei der Abwehr von Flüchtlingen beistehen. Wie aus heiterem Himmel, fordert er eine fairere Lastenverteilung zwischen den EU-Mitgliedsstaaten ein. „Es muss dringend etwas geschehen“, trompetete er in alle nur möglichen Mikrophone. Aber was, wie und wann, das behält er für sich. Faire Lastenverteilung, also! Unsere europäischen Nachbarn werden dem Butzemann etwas husten, von wegen Lasten und Flüchtlinge. Die lassen keinen mehr rein.

Nur ganz elitäre Denker unserer Gesellschaft allerdings werden Schulzens unvergleichliche Raffinesse durchschaut haben: Die Rochade ist eine ganz hinterfotzige Breitseite gegen unsere ebenso eingeschränkte wie widerspenstige Kanzlerin. Mit dem AFD-Programm auf Merkels Magengrube zu zielen, das hat was! Wahrscheinlich glaubt er, Merkel merkt nichts. Nun ja, wenn ich es richtig bedenke, er könnte damit vielleicht sogar recht haben, zumal „merkeln“ ja Namensbestandteil unserer Kanzlerin ist ... Wehe, es kommt jemand auf die Idee, in Schulzens Aktenköfferchen nachzuschauen. Wer weiß, vielleicht fände sich dort eine blau-rote Broschüre…, nein, ich sag jetzt lieber nix mehr. 

Auf der politischen Bühne tanzt derzeit ein ungleiches Wahl-Paar, das nicht begriffen hat, dass aufmerksame Bürger mit Verwunderung und maximaler Verunsicherung dem dilettantischen Tango zuschaut. Ich frage mich allen Ernstes, wie es in einem Kopf aussehen muss, der von jetzt auf nachher eine argumentative und inhaltliche 180-Grad-Kehrtwendung vollzieht. Hat ihm versehentlich ein Parteigenosse von hinten eins übergebraten? Von der AFD kann‘s keiner gewesen sein, die sind zu intellektuell. Die CDU auch aber nicht, die sind zu naiv, obwohl …, nichts Genaues weiß man nicht ... Sicher aber ist: Wir haben es bei genauer Betrachtung mit einem Kindergarten zu tun, in dem unsere Politknirpse und Parteigören auf der Blumenwiese lustig Ringelrein tanzen und uns das Lied vom Bi-Ba-Butzemann vorsingen.