Dienstag, 28. Februar 2017

Deutsch-türkischer Journalist in den Fängen der Justiz

Deniz Yücel macht wieder einmal Schlagzeilen, genauer gesagt, dessen Verhaftung.  Gestern hat der Haftrichter entschieden, den deutsch-türkischen Journalisten in Untersuchungshaft zu nehmen. Nun könnte man sich darüber empören, dass ein Korrespondent der WELT Erdogans Hexenjagd nach unliebsamen Journalisten zum Opfer gefallen ist, auch deshalb, weil er wider besseren Wissens in Istanbul seine Klappe zu weit aufgerissen hat.


Dem 43-Jährigen werde "Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung" vorgeworfen. Diesen Paragraphen kennt man im deutschen Gesetzbuch auch, - er nennt sich Volksverhetzung und wird mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. Überraschend ist Yücels Festsetzung in den türkischen Knast deshalb nicht, zumal der Deutsch-Türke für seine maßlose Arroganz und Überheblichkeit bekannt ist. Auch wenn Bundeskanzlerin Merkel und -Außenminister Gabriel den Vorgang scharf kritisieren, hat sich der WELT-Korrespondent die Untersuchungshaft selbst zuzuschreiben. Einer, der kein Problem hat, Menschen auf übelste Weise zu diffamieren, muss sich nicht wundern, wenn er glaubt, er könne den totalitären Erdogan und seine Anhänger ohne Folgen am Nasenring durch die Arena führen.

Die Berliner Tageszeitung "taz" musste 2013 dem umstrittenen Volkswirt und Buchautoren Thilo Sarrazin 20.000 Euro Entschädigung zahlen, weil Yüzel dem Politiker und Buchautor Sarazin in einer Kolumne eine lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur nannte, obwohl er wusste, dass dieser infolge eines Schlaganfalls verunstaltet wurde. „Dem kann man nur wünschen, dass der nächste Schlaganfall sein Werk gründlicher verrichten möge“, so das Originalzitat.

Man kann Sarazin mögen oder nicht, aber wenn ein Journalist in einer Zeitung einen Menschen lächerlich machen will und ihm den Tod wünscht, lässt das auf einen ziemlich verrotteten Charakter schließen. Yüzils extreme, öffentliche Entgleisungen sind wahrlich kein Einzelfall. Sein hetzendes Vokabular, das er gegen jeden Deutschen einsetzte, der in der Flüchtlingsthematik nicht seiner Meinung war, suchte seinesgleichen. Jetzt sitzt er ein, in einem türkischen Knast, der alles andere nur kein Zuckerschlecken sein dürfte. Nun darf er sich selbst bejammern, die Ungerechtigkeit der Welt beklagen und darüber nachdenken, ob er nicht doch besser sein militant-linkes Mundwerk gehalten hätte.

Jeder aufrechte Demokrat muss eine solche Verhaftung als unangemessen begreifen. Der schrille Aufschrei der „linken Presse“ rauscht wir ein Sturm durch den deutschen „Blätterwald“ und den ach so aufgeregten Medien. Die verlogene und heuchlerische Anteilnahme der linksgebürsteten Pressevertreter feiert fröhliche Urstand. Ich bin ziemlich sicher, dass sich bei einigen seiner Kollegen klammheimliche Häme breitmacht und so mancher wird Yüzels Inhaftierung als ausgleichende Gerechtigkeit empfinden. Mein Mitleid mit aggressiv-belehrenden Zeitgenossen, die glauben, sie könnten sich über jeden, der nicht seiner Meinung ist, ungestraft hinwegsetzen, hält sich in Grenzen.

Yüzel ist der klassische Opportunist, der schon immer seine doppelte Staatsangehörigkeit nach Belieben und zu seinem Vorteil einsetzte. In Deutschland mokierte er sich – meist unangemessen darüber, als Türke diskriminiert zu werden, und jetzt, da er die Ungerechtigkeit eines Systems am eigenen Leibe erfährt, besinnt er sich mit Macht an seinen deutschen Pass. Aber wer mit der Attitüde der Unantastbarkeit und latenter Besserwisserei, weil Korrespondent einer angesehen, deutschen Zeitung, Erdogan und seine harte Linie gegen die Pressfreiheit ausgerechnet in Istanbul anprangert, muss irgendwann begreifen, dass auch er nicht mehr als ein armes Würstchen ist.

Wie war das doch gleich? Erst sehnte Yüzel öffentlich das Aussterben der Deutschen herbei, weigerte sich jedoch, seinen deutschen Pass aufzugeben. Jetzt, da man ihn eingebuchtet hat, hofft er auf deutsche Hilfe. Nun ja, Dummheit, Anmaßung und Überheblichkeit haben in diesem Falle einen Namen. Mich interessiert nicht, ob der in Erdogans Kerkern Einsitzende ein Lehrer in der türkischen Provinz, ein kurdischer Schüler, ein ausgenutzter Wehrpflichtiger oder ein Korrespondent der „Welt“ ist. Mich interessiert, ob das System, das den einen wie den anderen inhaftiert, damit ein staatlich organisiertes Unrecht begeht. Denn auch Journalisten sind nicht gleicher als gleich – obgleich sie es vielleicht gern so hätten und immer wieder so tun als ob.