Sonntag, 30. April 2017

Außenminister auf Holzwegen

Wieder einmal hat sich Sigmar Gabriel im Ausland wahnsinnig beliebt gemacht. Sein Besuch in Israel glich dem eines Elefanten im berühmten Porzellanladen. Der Vergleich mit Dickhäutern ist aufgrund seiner Leibesfülle ja nicht so weit hergeholt, obwohl jene grauen Schwergewichte sich in der Natur untereinander erheblich sozialer verhalten. Nun ist ja Gabriels politische Vita gekennzeichnet von beidfüßig ausgetretenen Fettnäpfen, mit denen man, wenn man wollte, halb Deutschland zupflastern könnte.


Mit Israel hat er mal wieder einen grandiosen Coup gelandet. SPD-Mann Sigmar Gabriel nahm gewaltigen Anlauf und stieß mit seinem ganzen Gewicht dem israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu vor den Kopf. Man stelle sich vor, Benjamin Netanjahu würde bei seinem Besuch in Deutschland eine Abordnung der Reichsbürger mit dem Argument treffen wollen, weil er mit „regierungskritischen Gruppen“ reden möchte, bevor er unserer Bundeskanzlerin seine Aufwartung macht. Ich müsste mir glatt an den Kopf greifen vor lauter Fassungslosigkeit. Ob Angela ebenso wütend gewesen wäre? Würde sie den israelischen Regierungschef ausgeladen haben? Man weiß es nicht. Sicher ist, die Presse hätte verbal die gesamte israelische Entourage niedergeknüppelt, der halbe Bundestag wäre Kopf gestanden und die Opposition hätte Zeter und Mordio gerufen haben.

Nun ja, Netanjahu baute dem Sigi sogar noch eine Brücke und bat um ein klärendes Telefonat, machte ihm aber gleichzeitig klar: "Mein Grundsatz ist ganz einfach: Ich empfange keine Diplomaten anderer Länder, die Israel besuchen und sich dabei mit Organisationen treffen, die unsere Soldaten Kriegsverbrecher nennen." Kann ich offen gestanden gut verstehen, auch wenn ich die Siedlungspolitik als nicht besonders friedensbildend empfinde. Schwamm drüber. Siggi dagegen zeigte sich ob der klaren Botschaft aus der israelischen Regierung aufmüpfig wie ein ungezogener Rotzlümmel. Nun ja, da, wo er herkommt, da benimmt man sich halt so.

Gründe für eigene Selbstüberschätzung unseres ach so begnadeten Außenministers finden sich schnell: Ihm fehlen Verhaltensmaßstäbe, Taktgefühl, diplomatisches Geschick und das Fingerspitzengefühl für Befindlichkeiten eines Staates. Er hält sich vermutlich selbst für den Größten. Es fehlte nur noch, dass er mit dem Fuß wutentbrannt eine leere Blechdose in die Ecke gekickt haben würde. Netanjahu allerdings fackelte nicht lange und ließ den dicken Siggi wie einen Rotzbuben auf dem Schulhof stehen und ließ ihm durch den diplomatischen Dienst zeigen, wo der Ausgang ist.

Inzwischen haben sich zwar die Gemüter wieder beruhigt, die unschlagbare Einfalt unseres Außenministers bleibt jedoch in aller Erinnerung. Dass Angela ihm trotzdem zur Seite gestanden hat, wundert mich nicht. Siggi baut Scheiße und Angela steht mit klammheimlicher Schadenfreude voll hinter ihm. Ich habe den Verdacht, dass unsere Kanzlerin den Sigmar mit einem Lob ermutigt, noch mehr Mist zu bauen, schließlich sind ja bald Wahlen.

Tja, und danach ging es gemeinsam nach Malta, denn dort erwartete unsere Delegation die nächste Fettschüssel. Siggi traf Österreichs Außenminister Kurz. Man merkte es sofort, Siggi hatte dazu gelernt. Dieses Mal war er noch schneller, denn er verlor keine Zeit, seinen Kollegen aus Österreich noch dümmlich zu brüskieren, wie kurz zuvor die Israelis. Nur dieses Mal ging es um die Türken und ihren EU-Beitritt.
Wenn man einmal davon absieht, dass Minister Kurz den Siggi intellektuell und mit leichter, linker Hand in seiner Hosentasche verschwinden lassen könnte, ist er ihm überdies rhetorisch so himmelweit überlegen, dass Fremdschämen bei weitem nicht ausreichen würde. Aber das macht dem roten Sigmar nichts aus. Weshalb? Nun ja, dort, wo andere funktionsfähige Synapsen haben, befindet sich bei ihm ein großes, schwarzes Nichts.

Beim Treffen auf Malta forderte Sebastian Kurz ein Ende der Beitrittsverhandlungen mit Ankara. Recht hat er! In der Analyse, dass sich die Türkei mit dem Ergebnis des Verfassungsreferendums noch weiter von den demokratischen Prinzipien der EU entfernt, sind sich die 28 Außenminister einig. Nur Berlins Chefdiplomat Gabriel lehnte die Beendigung der Verhandlungen mit der Türkei kategorisch ab. Weshalb, das liegt klar auf der Hand. Die SPD rechnet in Deutschland mit türkischen Wählerstimmen. Pharisäer sind harmlose Bübchen im Vergleich zu den weich gespülten Parteigenossen...

Und unser aller Sigmar...? Der mag sie halt, die Türken, solange sie ihm nutzen. Ich sehe kommen, dass unsere gesamte Polit-Mischpoke wieder einmal sämtliche verfügbaren Schwänze einzieht, wenn es ernst wird. Vielleicht steht als nächstes die vorsorgliche Verleihung des Friedensnobelpreises für Erdogan auf dem Programm. Schließlich kann man ja nicht wissen, ob Siggi unbeschadet nach Ankara reisen darf, ohne dass man ihn wegen freundschaftlichen Verhaltens mit Israelis auf den Weg dorthin verhaftet.