Freitag, 8. September 2017

Marionetta Slomka und ihr Feindbild

Der Puppe eines Bauchredners macht man keinen Vorwurf für das, was sie sagt, wie sie sich verhält und welche Grimasse sie zieht, schließlich hat sie die Hand ihres Schöpfers bis zum Anschlag im Arsch und hat das zu erzählen, was die Stimme aus dem Off sich so alles ausdenkt. Der Sinn einer solch künstlerischen, zumeist kabarettistischen Veranstaltung ist, das Publikum mit frechem Witz und oft genug auch mit plattem Humor zu unterhalten. Das johlende Publikum klatscht sich vor Vergnügen auf die Schenkel und applaudiert dem Vortragenden.



Insofern kann man der ZDF-Moderatorin keinen Vorwurf machen, wenn sie in einer politischen Sendung die Linie einhält, die der Arbeitgeber -, mit geschickter Führung in ihrem wohl proportionierten Gesäß vorgibt und sie genau so agiert, wie es die Stimme aus dem Off vorschreibt. Man braucht nicht viel Phantasie, wie die Bauchredner in den Sendern ticken, zumal bekannt ist, dass die Chefbauchredner in den Sendern entweder mit roten oder schwarzen Parteibüchern für Ordnung an der Front sorgen. Daher habe ich mich nachträglich entschlossen, die Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ mit Marietta Slomka als Polit-Kabarett einzustufen. "Marietta Slomka hat die Runde mit sieben Politikern und sechs Bürgern fair und gelassen moderiert", erklärte ZDF-Chefredakteur Peter Frey in einem Statement, hat aber leider vergessen zu erwähnen, wo er während der Moderation seine Hand hatte.

Die Talkrunde hatte wieder einmal das Zeug zur Farce. Denn erneut versammelten sich – ganz im klassischen Format einer Hau-Drauf-Talk-Show -, 6 Gäste und eine Prügelknäbin. Teilnehmer der Runde waren Andreas Scheuer (CSU), Heiko Maas (SPD), Jürgen Trittin (GRÜNE), Katja Kipping (LINKE) und Katja Suding (FD) und unsere allseits geliebte Frau von der Leyen (CDU). Während Marionetta mit moralisch-belehrendem Vokabular die glasklaren Fakten der AFD-Vertreterin Alice Weidel mit geradezu herablassender Attitüde zu widerlegen suchte, erntete die AFD-Vorsitzende sowohl verbal und mimisch als auch gestisch die übliche Klassendresche.

Ob nun Frau Weidel den Eklat geplant hat, wie manche behaupten, hat insofern kaum Relevanz, zumal die Unvoreingenommenheit von Frau Slomka von vorne herein nicht gegeben war und Frau Weidel hinsichtlich des Sendeverlaufs mit hellseherischen Fähigkeiten hätte ausgestattet sein müssen. Ich jedenfalls zolle Frau Weidel Respekt, weil sie gesundes Selbstbewusstsein und Rückgrat bewies. Es war meinem Empfinden nach richtig, das Ränzlein zu schnüren. Die gehässige Schadenfreude, die Süffisanz und die Häme in den Gesichtern der politischen Kontrahenten wie auch in der Mine der Moderatorin bestätigt genau das Niveau, dem man sich keinesfalls aussetzt, wenn man Charakter und Format hat.

Man muss kein AFD-Anhänger sein, allein es gebietet der Anstand, auch politischen Gegnern mit Respekt zu begegnen. Aber was will man von Menschen erwarten, die nur um der Selbstprofilierung willen sogar bereit sind, sich im mentalen Schweinekoben zu suhlen. Niemand muss sich "coram publicum" Herabwürdigung, Geringschätzung oder Diskreditierung gefallen lassen - schon gar nicht von einem CSU-Politiker wie Scheuer, der wegen unrechtmäßigen Führens eines akademischen Titels vor Gericht gezerrt wurde. Immerhin, er hat den Doktortitel von seinem Visitenkärtchen gestrichen. Aber das kennt man ja. Wer so gar nichts zu bieten hat, schmückt sich eben mit einem Titel, das macht bei den handverlesenen Claqueuren etwas her. Man könnte in Tränen ausbrechen, wenn man sieht, dass mehrheitlich Blindgänger und Verbalprotze die Verantwortung für die Geschicke eines Landes übernehmen wollen.

Es hat an dieser Stelle wenig Sinn, sich inhaltlich noch einmal mit den politischen Themen und Zielsetzungen intellektuell höchst mittelmäßiger Kandidaten auseinanderzusetzen, zumal ihre standardisierten Floskeln und Worthülsen mittlerweile jeden Zuhörer minutenschnell ins Schlafkoma befördern. Wenn sich allerdings eine Moderatorin die Animositäten und Feindbilder der restlichen Anwesenden zu eigen macht und vorsätzlich eine missliebige Politikerin qua tendenziöser Moderation zur lächerlichen Figur machen will, dann kann man eine öffentlichen Wahl-Diskurs nicht mehr ernst nehmen. Offen gestanden, wenn ich Clowns, Kapriolen und Slapsticks sehen will, gehe ich in einen Zirkus, dann kann ich wenigstens lachen, wenn Hanswürste, Komiker und Possenreißer "ehrlich" auf die Schnauze fallen.

Ich weiß nicht, wen man mehr bedauern soll -, die armseligen Geister, die mit professioneller Perfektion an jeder Kinderstube vorbeischlittern, es überdies an jeder Fairness mangeln lassen und sich gebärden wie hämische Kleinkinder oder das noch erbärmlichere Publikum, das diesen selbstverliebten Affen applaudiert. Nun ja, betrachten wir das Theater als schöne Aufführung eines Senders, der vorzugsweise Marionetten als Moderatoren beschäftigt.





Alice Weidel versus ZDF-Darstellung



Alle Aussagen beziehen sich auf einen Anstieg an Tatverdächtigen Asylbewerbern 2016 zu 2015.

Aussage 1: Anstieg in Kategorie Mord „auf das Doppelte“
2015: 78
2016: 156
Weidels Aussage 1 ist korrekt

Aussage 2: Anstieg in Kategorie Gewaltdelikte „fast eine Verdoppelung“
2015: 13.210
2016: 25.447
Weidels Aussage 2 ist korrekt

Aussage 3: Kategorie Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung „Anstieg um 120%“
2015: 1.420
2016: 3.136
Weidels Aussage 3 ist korrekt, es sind 120,84507%.

Aussage 4: Kategorie Gruppenvergewaltigung „Anstieg um 130%“
2015: 62
2016: 141
Weidels Aussage 4 ist korrekt, es sind 127,419%.

Slomkas Darstellung gegen Alice Weidel ging also 0:4 aus. Und zwar für Alice Weidel. Alice Weidel hat die richtigen Zahlen zitiert und ihre Aussagen sind nachweisbar. Und durch das Bundeskriminalamts bestätigt.

Die „richtigen Zahlen“ des ZDF
Marietta Slomka lässt über den Sender ihre „Zahlen“ einspielen. Gut vorbereitet, denkt man sich.
„Nur“ 8,6% der Tatverdächtigen 2016 seien Zuwanderer, behauptet das ZDF in einer Grafik, deren tatsächliche Erhebungsbasis unkommentiert bleibt. Die korrekte Grundgesamtheit beinhaltet Asylbewerber, geduldete Flüchtlinge, Kontingent-Flüchtlinge/ Bürgerkriegsflüchtlinge und Illegale Migranten.

Das ZDF verzerrt mittels eines statistischen Kabinett-Stückchens bagatellisierende und beschönigende Zahlenwerke, um dem politischen Auftrag des Senders gerecht zu werden.

Tatverdächtige insgesamt: 2.360.806,
davon Zuwanderer (lt. Definition ZDF): 506.641
Anteil: 21,5 % und eben nicht 8,6 % wie vom ZDF eingespielt.



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