Donnerstag, 16. November 2017

Der bayerische Sprengsatz

Die CSU-Wähler liegen auf der Lauer. Und nicht nur die. Söder sammelt in seinem vorauseilenden Entmachtungsplan die Truppen. Dobrindt, der alte Schlawiner, bringt sich auch schon in Position. Andreas Scheuer, der empathische Plagiator mit ehemals falschem Doktortitel, der zieht klammheimlich die Strippen. An welchem Ende er jedoch zuppelt, kann man noch nicht eindeutig sagen. 




Dagegen scheint Joachim Herrmann, der alte Recke, wie einst Brutus, die günstige Gelegenheit abzuwarten, bis Seehofer ihm gramgebeugt den Rücken zuwendet. Schließlich muss er seinem soliden Ruf als wackerer Mittstreiter gerecht werden und ist deshalb gezwungen, heimlich von hinten und nicht von vorne anzugreifen. Vermutlich wird sich Seehofer am Kaviarhäppchen verschlucken, wenn ihm der Dolch im Rücken steckt, - wer immer ihn vorher unterm Gewande trug. Aber vielleicht meucheln sie auch zu dritt – wer weiß das schon? 

Eines ist klar, Seehofer hat sein Rückgrat an der Garderobe abgegeben und steht auf tönernen Füßen. Er hält sich emotional und physisch nur noch unter Aufbietung seiner ganzen Kraft aufrecht. Der Pyrrhussieg ist ihm gewiss. Wie sagte einstmals der König Pyrrhos von Epirus vor seinem Feldzug so knackig: „Noch so eine Schlacht gegen die Römer, und wir sind geschlagen!“ Das Gefecht mit Merkel in Sachen Flüchtlingsbegrenzung hat er mit erheblichen Verlusten an Reputation und Glaubwürdigkeit gerade noch überstanden. Jetzt steht er an der Sondierungsfront und ist zum Siegen verurteilt. Aber der Angstbeißer ziert sich noch ein wenig. Beißt er nicht, braucht er Bayern gar nicht mehr zu betreten.

Die Lunte am Sprengsatz brennt und die Zündschnur ist verdammt kurz. Spätestens am Freitag geht die bayerische Bombe hoch, es sei denn, der Feldherr aus München kneift im letzten Augenblick. Doch damit ist nicht zu rechnen. Vielleicht kommt ihm Napoleons letzte Schlacht in den Sinn. Waterloo. Sie endete mit der Verbannung auf Sankt Helena. In Seehofers Fall könnte das die Deportation nach Ingolstadt bedeuten. Und wer will da schon freiwillig hin.

Bei genauer Betrachtung des nun mehr als 4 Wochen andauernden Trauerspiels, könnten die bunten Balkonplauderer kaum Positives über ihre Sondierungen berichten, sofern sie bei der Wahrheit bleiben. Die Prognose, ob nun Einigung oder nicht, ist für zwei Parteien völlig ungewiss und überdies vom erdrückenden Zwang geprägt. Sie müssen Vorzeigbares der eigenen Basis zu präsentieren. Wenn allerdings die Kanapee-Scharmützel und Kaffeesatz-Debatten im allseitigem Profilierungswahn zur unverdaulichen Mahlzeit führen und mit Verstopfung enden, werden sich die begnadeten Metaphernklemptner endgültig disqualifizieren.


Doch Seehofer weiß es schon, es ist ihm auch anzusehen, er wird seinen Sessel aufgeben müssen, egal ob er sich mit dem CSU-Programm durchsetzt oder nicht. Der einzige Unterschied zwischen Sieg und Niederlage besteht darin, ob er mit erhobenem Haupt in den Ruhestand oder mit Schimpf und Schande gehen wird. Das Damoklesschwert schwebt längst über Koalition zwischen CDU und CSU. Sollte es wider Erwarten zu einer Jamaika-Regierung kommen, müssen die Anwärter auf den Thron des bayerischen Fürstentums davon ausgehen, dass ihnen die bayerischen Wähler bei den anstehenden Landtagswahlen Feuer unterm Arsch machen. Dann wird es ganz und gar ungemütlich. 

Es wird 2019 Neuwahlen geben, davon bin ich überzeugt. Präsident Steinmeier wird die ungeliebte Ex-Kanzlerin für das Amt der Kanzlerin vorschlagen. Der Wähler wird’s zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dringend anstehende Veränderungen auf Eis gelegt, es werden unendliche Personaldebatten geführt werden und Deutschland mit seinem Einfluss in Europa Federn lassen. Doch das alles wäre zu verkraften, wenn es nicht noch das Zünglein an der Waage gäbe. Die Parteien, insbesondere CDU und FDP werden sich warm anziehen müssen, sollte sich die AFD in dieser Zeit stabilisieren. dort sind die Messer schon gewetzt.


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