Samstag, 20. Oktober 2018

Khashoggi pfundweise aus dem Konsulat geschmuggelt?

Wieder einmal ein Journalistenmord, der weltweite Aufmerksamkeit erzielt. Nicht nur, weil sich ein arabischer Despot von einem Kritiker nachhaltig getrennt hat, macht der Fall in allen Medien Furore, es sind auch die fragwürdigen Beteiligten, denen man samt und sonders die blutrünstigsten Gräueltaten unterstellen darf. Kritishe Journalisten stehen ganz ober auf der Liste totalitärer Staaten.



Wollte man die türkischen Nachrichten verkürzt wiedergeben, scheint Jamal Khashoggi in die diplomatischen Vertretung Saudi-Arabiens erst in den Keller geschleift worden. Dort erwarteten ihn ein paar humorlose Landsleute, die ihrem Gast einige Fragen stellen wollten. Was die arabischen Verhörspezialisten nicht ahnten, war wohl der Umstand, dass die Türken bereits vor der Eröffnung des Konsulates den ganzen Laden verwanzt und mit Minikameras ausgestattet hatten, um immer auf dem neuesten Stand interner Ereignisse zu bleiben. Eigentlich hätten die Araber das wissen müssen, immerhin ist es ja ein schöner Brauch, dass Nationen sich gegenseitig ausspionieren und belauschen.

Aber Schwamm drüber. Jedenfalls wurden die Türken so Zeuge, wie Jamal Khashoggi aufgrund eines lebhaften Wortwechsels und eines dummen Missverständnisses bei lebendigem Leibe zerteilt und portioniert wurde. Nun ja, das kann in der Hitze einer arabischen Debatte schon mal passieren. Wir kennen das ja auch hierzulande auf deutschen Straßen. Dennoch, jetzt war im Keller der Botschaft guter Rat teuer. Wohin mit den Einzelteilen? Man habe dann die Leiche als handliche Päckchen zerteilt und pfundweise ins Diplomatenauto verladen. Anschließend wurden die Häppchen in einem Waldstück zwanzig Kilometer außerhalb Istanbuls vergraben. Nichts Genaues weiß man nicht, aber man forscht noch.

Überhaupt sind die Informationen und Einlassungen türkischer und arabischer Behörden so widersprüchlich, dass man daraus bequem mehrere Agententhriller stricken könnte. Allerdings behaupteten türkische Kriminalisten, man sei im Besitz von Filmsequenzen und Tonaufnahmen über das bedauerliche Ableben des Delinquenten. Es wird doch nicht etwa ein türkisches Filmteam dabei gewesen sein? Ich bin mir da nicht sicher. Einzusehen ist natürlich, dass die Türken ihre Mitschnitte zurückhalten, denn wer will schon den Beweis antreten, dass man auf fremden Hoheitsgebiet Konsul und Diplomaten belauscht, sollte es sich doch um heimliche Aufnahmen handeln.

Ausgerechnet Erdogans Türkei wird zum Ankläger einer blutigen Sauerei, die er am liebsten selber mit kritischen Journalisten im eigenen Lande in ähnlicher Weise erledigen würde. Nur die Tatsache, dass er jede Menge Geld für sein Land braucht, hindert ihn daran, seinen Schergen ähnliche Aufträge zu erteilen. Der Sultan enigt daher eher zum Tauschhandel. Geisel gegen Bares. Denn er hat kein Öl. Vielleicht hat er aber auch nur Angst vor Frau Merkel.

Trotz des öffentlichen Hinweises der Türken, dass man stichhaltige Belege für die Metzelei im arabischen Diplomatenkeller habe, behauptete das Regime in Riad 18 Tage lang, man hätte keine Ahnung, wo dieser Khashoggi, der permanent gegen sein Land gestänkert hatte, abgeblieben sei. Aufgrund des internationalen Drucks lenkten die Saudis ein und nach einer Schamfrist von knapp drei Wochen erklärten sie: Khashoggi habe eine Schlägerei angezettelt, in dessen Verlauf der 59-jährige Journalist getötet wurde. Ich gebe zu, es klingt weniger martialisch, lässt sich aber unter Diplomaten und Regenten neutraler vermitteln und man versaut sich von dem vielen Blut nicht die weißen Manschetten.

Immerhin hat sich auch der amerikanische Präsident eingeschaltet, der zwischenzeitlich die türkischen Filmchen begutachtete, nichtsdestoweniger aber geneigt ist, sich den arabischen Ausführungen anzuschließen. Nun ja, ein zuvor abgeschlossener Waffendeal zwischen den USA und dem saudischen Kronprinzen in Höhe von 110 Milliarden Dollar machen die königlichen Argumente, dass sich Khashoggi möglicherweise selbst zerstückelt haben könnte, nur um die Araber schlecht dastehen zu lassen, weitaus glaubwürdiger.  

Was soll man dazu noch sagen? Vielleicht eines: Um alle Verbrecher, die derzeit national und international in der Politik sind, auf den Mond zu schießen, bedürfte es vermutlich hunderte von Raketen.  

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