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Wahlanalyse 2017 – eine Kakophonie in Dosen

Er kam nicht herein, dieser Schulz, er trat auf. Mit dem strahlenden Lächeln eines Wahlsiegers erklomm der Buchdeckel aus Würselen das Podium im Willy-Brandt-Haus und verkündete dem immer noch gelähmten Publikum den neuen Standort seiner Partei. Oppositionsführer. Und diese geradezu revolutionäre Rolle verkauft der hoffnungslos unterbelichtete Schulz sowohl seinen Wählern, als auch seinen Helfern wie einen Wahlsieg und als eine große Chance für Veränderung. "Unser Wählerauftrag ist die Opposition". Aha, denke ich mir, wenn der Kerl nur den Schuss nicht gehört hätte, wäre es ja noch verzeihlich, nein er überhört gleich ganze Kanonensalven. Gleich im Anschluss attackiert er in der Presse-Elefantenrunde – immer noch im Wahlkampfmodus – auf Merkel ein, als gelte es, ganz Deutschland zu verkaufen, dass die Kanzlerin schuld an seiner Niederlage sei. Hier wird offensichtlich, in Schulzens Kopf herrscht nicht nur Halbdunkel, dort ist tiefste Nacht.



Jeder, der einigermaßen richtig im Kopf ist, würde angesichts eines solch desaströsen Wahlergebnisses sein Bündel schnüren und in Sack und Asche gehen. Nein, nicht Schulz. Seine Großmannssucht, sein anmaßendes Geschwätz, seine nichtssagenden Ankündigungen, sie sind phänomenal. Ich habe mich ernsthaft gefragt: Wieso lacht er noch, obwohl es für ihn nichts zu lachen gibt? Erklärung? Angesichts seiner unsäglichen Attitüde muss sich jeder seiner Wähler auf den Arm genommen fühlen. Schwamm drüber! Er repräsentiert exakt das Bild eines rückratlosen Parvenüs, der mit Klauen und Zähnen – und auf Kosten seiner restlichen Wähler - eigene Pfründe retten und seine Einnahmequelle sichern will. Doch das kennen wir ja schon von ihm aus Brüssel.

Bei der CDU ein ähnlich düsteres Ergebnis, nur mit dem Unterschied, dass Merkel die Schlappe nach 12-jähriger Kanzlerschaft ihr Ergebnis als „normal“ bezeichnet. „Man habe sich „ein wenig besseres Ergebnis gewünscht"., so die Kanzlerin. Ein wenig besser? Genauso gut hätte jemand in Mexiko-City sagen können. „Es hätte beim Erdbeben ein bisschen weniger beben können“, oder im schweizerischen Dorf Bondo ein Bewohner die Geröll-Lawine mit den Worten kommentiert: „Der Murenabgang war nicht das, was wir uns gewünscht haben.“ Man fragt sich angesichts solch bagatellisierenden Formulierungen, ob unsere Polit-Elite immer noch nicht begriffen hat, was die Uhr geschlagen hat.

Ähnlich reflexartig gebärden sich die TV-Anstalten, Moderatoren und Printmedien. Bestes Beispiel Anne Will in der Talk-Runde. Ausgerechnet die AFD, die man bis aufs Messer bekämpft, diffamiert, diskreditiert und ansonsten mit übelsten Methoden aus dem Rennen werfen wollte, wird drittstärkste Partei. Auch hier gibt es eine soziologische Gesetzmäßigkeit. Kein Mensch handelt oder sagt etwas ohne persönliches Motiv. Bei der TV-Moderatorin muss man nicht lange danach suchen. Sie ist eine bekennende Lesbe und verabscheut schon deshalb zutiefst eine Partei, die ausdrücklich gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften eintritt. Der Hass war ihr nicht nur anzusehen, sie ließ Gauland spüren, was sie von ihm hielt und grenzte ihn aktiv aus der Diskussionsrunde aus. Aber auch sie muss zur Kenntnis nehmen. Die AFD wird im Bundestag vertreten sein und nun den Beweis erbringen müssen, den schmerzlich vermissten, politischen Diskurs wieder zum Leben zu erwecken.

Ich will nach der Wahl keine „hätte-wäre-könnte-Floskeln“ durchspielen, dennoch – eines ist klar, Seehofer hat durch seine Umarmungspolitik mit Merkel die AFD an der eigenen Brust genährt. Die Unfähigkeit des einen ist stets der Gewinn des Anderen, da beißt die Maus keinen Faden nicht ab. Und wer da glaubt, dass die AFD aus Versehen wie Phönix aus der Asche entstanden ist, wird auch einfache soziologische Unabänderlichkeiten nicht begreifen, ganz gleich, mit welchen Beschimpfungen, Hass oder Diffamierungen neue Kräfte belegt werden. Dass Lindner nun mit Mutti kuschelt, kann ich ihm nicht verübeln. Er kann nur hoffen, dass ihm auf die Dauer nicht schlecht wird und er wegen Brechreiz das Handtuch werfen muss.

Kaum ist die Wahl gelaufen, kann der Wähler beobachten, dass die Kakophonie genauso weiter läuft wie bisher. Nein, schlimmer. Die undenkbarste aller Koalitions-Varianten liegt auf dem Tisch. Jamaika! Und diese drei Parteien werden nun hinter den Kulissen auskummeln, wer auf seinem Kontoauszug sein Ministergehalt verbuchen wird. Ohne Frau Merkel geht es nicht, das ist klar. Aber politische Überzeugungen bei diesen jämmerlichen Planspielen haben keine Relevanz. Nur ganz Naive werden den Beteuerungen für eine bessere Politik Glauben schenken. Gibst du mir, gebe ich dir, das ist das ausgewiesen Credo der Einkommenssicherung und nicht etwa die politische Problemlösung oder gar der Wählerwille. Gut, gut, ein paar Ministerköpfe werden rollen, das ist zu bei der CDU zu verschmerzen.

Zwar will die SPD die Opposition nicht der AFD überlassen – so zumindest die Verlautbarung von Frau Schwesig, aber wer will das schon diesem Nachplappermäulchen ernsthaft abnehmen? Wenn Frau Petry von der AFD mit einem Paukenschlag die Bundespressekonferenz verlässt, ist das verdammt schlechter Stil und wird einige ihrer Wähler verunsichern. Aber ihr Abgang ist auch ein starkes Indiz dafür, dass in dieser Partei wenigstens vorher keine Pöstchen ausgehandelt wurden, sondern dass es der Führung um die Sache geht. Anderenfalls wäre sie geblieben. Außerdem konnte keiner in der AFD voraussehen, wie stark das Wahlergebnis für sie werden würde. Hier spielte die Hoffnung die Musik. Und wie sagt man so schön? Die Revolution frisst ihre Kinder.

Ganz anders bei der SPD, in der dicke Luft herrscht, weil das Ergebnis dünn ist. Jene, die zuerst auf den Überflieger Schulz gebaut haben und jetzt um ihren gut bezahlten Job bangen, drängen hinter den Kulissen den Top-Schleimer der Nation dazu, doch noch mit der CDU Gespräche zu führen. Viele der Hinterbänkler halten es für falsch, sofort und kategorisch die Oppositionsrolle zu übernehmen. Die Sache ist noch nicht ausgestanden. Im Gegenteil. Frau Nahles, die mit besonderer Unfähigkeit und ausgewiesener Inkompetenz bei der Rentendebatte geglänzt hat, wird nun auf den Stuhl des Fraktionsvorsitzes gehievt, ganz im bewährten Stile der roten Brut.

Was will man von diesen Nasen auch anderes erwarten, als dass sie weiterhin auf einem bequemen Sessel im Plenarsaal sitzen dürfen, um dort heiße Luft zu verbreiten. Das sind sie gewöhnt, und sie leiten daraus einen Besitzstand ab. Die Alternative? Sehr ungemütlich - sie müssen ab morgen arbeiten gehen.


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