Mittwoch, 22. Februar 2017

Was ist an Donald Trump so schlimm?

Für manche mag das eine provokative Frage sein. Andere wiederum werden im Brustton der Überzeugung „ALLES“ ausrufen. Und dann gibt vielleicht auch Menschen, die geneigt sind, mein Postulat differenzierter zu bewerten und möglicherweise sogar das angebliche Chaos in USA mit den Verhältnissen in Deutschland oder Frankreich zu vergleichen. Deutschland, der Weltmeister in Sachen gesetzlicher Akkuratesse, der peniblen Ordnung, dem Land der Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Präzision, der Sauberkeit und geregelten Kehrwoche, ausgerechnet wir maßen uns ein Urteil über den Trump‘schen-Arbeitsstil und die neuesten Entwicklungen in den USA an.


Ich wills mal so sagen: Aus Sicht vieler europäischer Politiker hat man einen hemdsärmeligen "Proleten" aus dem amerikanischen Geldadel zum Präsidenten der mächtigsten Nation unseres Globus gewählt, der ganz nach dem Gusto seiner Wählerschaft sagt was er denkt und tut was er sagt. Hierzulande ist die Meinung unserer Politexperten und Medien eine nicht weniger provokative: Trump verbreite Unsicherheit. Was, so frage ich, verbreiten dann unsere Regierenden? Ich wage zu behaupten: Tragfähige Lösungen hinsichtlich Migration, Einwanderung und Flüchtlinge finden die Konsorten in unserem Bundestag auch nicht. Im Gegenteil. An unseren Außengrenzen werden es Italiener, Türken oder Griechen schon richten. Nur wie, das ist bis heute nicht klar. Bei vielen unserer Amtsträger kommt eher das Gefühl auf, dass sie nicht wissen, was sie tun.

Politiker, Intellektuelle und Großkapitalisten in ganz Europa jaulen auf wie geprügelte Hunde, rotten sich in Talkshows, Kongresse und Konferenzen zusammen, und hauen phrasendreschender Weise - wie zu Zeiten des Turmbaus zu Babel -, auf diesen Parvenü ein. Gewiss, man könnte kritisieren, dass Trump nicht die Sprache der Diplomaten spricht, der Presse den Marsch bläst, und in der Öffentlichkeit seine Finger wie der ungläubige Thomas von Caravaggio in die blutende Wunde offensichtlicher Missstände legt. Nun ja, es ist eben nicht der Ton der Etablierten, so what...! Jedoch trifft er den Nerv vieler seiner Bürger, übrigens auch jenen der Europäer.

Ja, er redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, ganz anders unsere Polit-Elite, die mit verklausulierten Formulierungen und erhobenem, pseudo-intellektuellen Zeigefinger unseren Bürgern erzählt, was zu tun ist. Trump hält sich nicht mir Märchenstunden auf, wenn er in jedes Mikrofon aufzählt, was das Gebot der Stunde ist. Aber nur, weil Donald - der Rustikale - mit unverwechselbarem Arbeitseifer eine Rhetorik benutzt, die seine Wähler beglücken, und Politiker irritieren, sind seine Ziele aus Sicht der USA weit weniger dumm, als man uns das vormachen will.

Muslime, illegale Migranten, Staatsgefährder und Terroristen raus aus den USA. Es wird eine Mauer gebaut. Die Nato ist obsolet. Nun ja…, wenn man solche Aussagen auf Deutschland überträgt, entspräche das weitgehend dem Denken unserer Bürger und inzwischen auch den weitgehend hilflosen Bemühungen unserer Politiker, wenngleich sie andere Vokabeln für die Anforderung an die Sicherheit verwenden. Während Trump sich gerade den Nimbus des knallharten Erneuerers hart erarbeitet, schwingen sich deutsche Politiker mit geradezu überragender Geisteshaltung und exklusiver Ethik zu Welt-Lehrern auf. Deutscher Politiker zu sein heißt auch differenzierter zu argumentieren. Na sowas! In Wahrheit verpackt man die eigene Bigotterie in humanitäres Geschwafel.

Wer heute Morgen die Europäischen Polizeikongress im Phoenix mitverfolgt und genau zugehört hat, fühlt sich an die fetzigen Slogans von Trump erinnert. Gefährder und Straffällige, Illegale und Kriminelle müssen abgeschoben werden. Außengrenzen müssen geschützt werden. Die Balkanrute ist dank Frau Merkel dicht! Was allerdings Frau Merkel mit der Grenzschließung von Ungarn, Polen, Österreich oder den anderen Balkanstaaten zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Spielt ja aus der Sicht unserer Politiker bei der Argumentation unter Wahrung des wirklichen Sachverhaltes keine besonders große Rolle.

Lange Rede, kurzer Sinn, in einer Gesellschaft von politischen Warmduschern, Duckmäusern, Heuchlern und Speichelleckern ist man es eben nicht mehr gewöhnt, offene, klare und ehrliche Worte zu formulieren. Man könnte ja diskriminiert, angegriffen, zurechtgewiesen oder gar diffamiert werden. Was ist das für eine Regierung, die Angst davor hat, Fehler zu machen und deshalb nicht das vorantreibt, was notwendig wäre und dem Bürger Sicherheit und Wohlstand vermittelt?

Aber wie sagte unser zukünftiger Heilsbringer Martin Schulz vorgestern auf der Arbeitnehmerkonferenz so schön? Es ist nicht ehrenrührig, Fehler zu machen. Ja, so ist das. Auch Trump macht den einen oder anderen Fehler, vielleicht auch deshalb, weil er seine Klappe manchmal zu weit aufreißt. Aber hat er nicht irgendwie recht?