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Mehr Zeit für Martin

Es wird eng für Martin. Unser aller Bundespräsident hat dem Buchhändler aus Würselen im vertraulichen Gespräch endlich mal gezeigt, wo die Regale stehen. Wie verlautet es aus der SPD-Zentrale: „Die SPD ist aus Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten zu Gesprächen mit anderen Parteien bereit.“ Allerdings sagte er nicht, mit welchem Ziel diese Gespräche geführt worden seien. Interessant. Ziellosigkeit – das ist sozusagen auch das Synonym für „Orientierungslosigkeit“, was ja bei der SPD grundsätzlich nichts Überraschendes ist.  



Immerhin, nach dem präsidialen Rüffel, man möge sich zusammenreißen, weil Deutschland dringend eine Regierung bräuchte und sich die SPD nicht einfach verschließen könne, ging Martin für einige Minuten schmollend in sich. Was er dort vorfand, bleibt im Dunkeln, wie so Vieles, wenn er nachzudenken beginnt. Der bedrückten Miene nach zu urteilen, dämmert es ihm, dass er nichts weiter ist, als ein Verlierer, den man schnell und geräuschlos nach Würselen zurückschicken will. Er ist zur Belastung geworden.

Fest steht, die SPD-Spitze hat sich in der Nacht in ihre Parteizentrale zurückgezogen und bei Pizza darüber diskutiert, ob man sich doch für eine mögliche Große Koalition öffnen sollte. Möglich scheint das jetzt wieder zu sein, zumindest signalisieren das die Buschtrommeln. Denn hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Die SPD-Schwergewichte Nahles, Scholz und Konsorten bringen sich in Stellung. Das wird mit Sicherheit nicht lustig, zumal die Basis Morgenluft wittert.

Der kleine Heiko Mass durchbrach nach 6 Stunden die Mauer des Schweigens, preschte vor und ließ wissen, dass die Reihen geschlossen seien und wies Spekulationen über den Rücktritt von Martin Schulz vehement zurück. Man kennt ja solche Botschaften, besonders, wenn davon die Rede ist, man stehe voll und ganz hinter dem Parteikollegen. Im Falle Schulz heißt die politische Metapher: Martin wird in Zukunft mehr Zeit haben – zum Bücher sortieren beispielsweise, oder auch Regale abstauben und sich er kann sich in seiner Freizeit wieder dem einen oder anderen Buch widmen.

Klar erkennbar ist jetzt schon: Die SPD will nun doch mitregieren. Man darf vermuten, dass es bei den anstehenden Sitzungen nur noch darum geht, welche Ansprüche bei der Verteilung der Ministerposten bei der Kanzlerin angemeldet werden, und welche Nase ganz vorne sitzen darf. Wahl oder Nichtwahl, man fühlt sich unwillkürlich an Hamlet erinnert, der in der 1. Szene den Monolog beginnt, indem er darüber nachdenkt, dass er sich vor entschlossenem Handeln scheut, weil er trotz seiner Todessehnsucht und Weltschmerz auch Angst vor dem Tod hat. Ich finde, besser kann man den inneren Zustand der SPD nicht beschreiben. Shakespeare scheint einmal SPD-Mitglied gewesen zu sein, aber das ist jetzt nur eine Vermutung.

Schwamm drüber. Jetzt geht’s ins Eingemachte. Zwei Looser-Parteien werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder zusammenfinden. Das ist so ähnlich, wie ein Ehepaar, bei dem der eine Part sich in den Schmollwinkel zurückgezogen hat, weil er 4 Jahre lang mit dem Ring durch die Arena gezogen wurde. Jeder Eheberater weiß, dass sich die Mechanismen wiederholen. Oft wird dann der Rat erteilt, man solle seiner Ehe neuen Schwung verleihen.

Deshalb wohl auch das plötzliche Liebäugeln für einen Dreier. Kenia…! Ein Swingerclub ist nichts dagegen, hatte man es doch wochenlang, bis zur völligen Entkräftung, auf Jamaika richtig krachen lassen. Nun ja, auch ein Dreier kann ganz reizvoll sein, ist aber auf die Dauer mindestens genauso anstrengend. Aber richtig rund wird es erst gehen, wenn Söder bei der bunten Truppe mitmischt. Man darf gespannt sein, wem zuerst die Luft ausgeht.


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