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Macerata und die mörderische Jagd auf Migranten

Ein dunkelblauer Alfa Romeo raste scheinbar planlos durch die Innenstadt von Marcerata. Schüsse peitschten auf. Aus dem offenen Seitenfenster feuerte der Fahrer auf jeden Dunkelhäutigen, der bei seiner Fahrt ins Blickfeld geriet. Insgesamt fünf Männer und eine Frau gerieten in sein Visier. Die sechs Opfer stammten aus Mali, Ghana, Nigeria und Gambia. Vier von ihnen sind Asylbewerber, die anderen beiden lebten schon seit einigen Jahren in Italien.


In den Kommentaren deutscher Nachrichten gingen die wahren Motive des wutentbrannten Amokläufers unter. Stattdessen hoben die Medien dessen rechtsradikale Gesinnung hervor, denn immerhin war der Täter Anhänger der Lega Nord, einer Partei, die man mit der AFD in Deutschland vergleichen kann. Doch was in Deutschland mittels politischer Einflussnahme glattgebügelt, bagatellisiert oder statistisch optimiert wird, gelingt in Italien nur in Rom. Dennoch, ein Blick über Motiv und Anlass dieser schrecklichen Tat zeigt, dass in Italien die Uhren ein wenig anders gehen. Natürlich kann man die Frage stellen: Was hat das alles mit uns zu tun? Die Politiker hierzulande müssten sich nur genauer informieren.

Auslöser des Blutbades war die Ermordung einer drogenabhängigen Italienerin, die von einem Nigerianer in der Altstadt überfallen, vergewaltigt, dann getötet und im Anschluss zerstückelt wurde. Der Leichnam der jungen Frau wurde in zwei Rollkoffer aufgefunden. Als die Leiche gefunden und die Nachricht über die Radio- und Fernsehsender tickerte, drehte der 28jährige Luca Traini durch und begann seine Hetzjagd auf jene, die er für die Bluttat an der jungen Pamela Sorza stellvertretend verantwortlich machte.

Macerata, etwa 50 Kilometer von Ancona entfernt, ächzt unter der Last Tausender von Flüchtlingen und der bekannten Begleiterscheinungen, wie das Gefühl der Einheimischen, nicht mehr Herr der eigenen Stadt zu sein. Wie zerrissen das Land inzwischen ist, zeigt die Reaktion einer rechtsnationalen Zeitung nach der Verhaftung von Luca Traini, der sich nach der Tat vor seinem Alfa Romeo in die Nationalflagge einhüllte und sich mit Mussolinis Faschistengruß widerstandslos verhaften ließ. „Wir werden im Namen eines von Einwandern und Migranten gequälten Landes, die unter einer staatlich gelenkten ethnischen Substitution leiden, alle Verteidigungs- und Rechtskosten für Luca übernehmen.“

Dennoch, der Aufschrei in der Stadt Macerata ist groß. Nicht etwa über die Tat eines Einzelnen. Auch nicht über die Tatsache, dass der Amokläufer Anhänger der Lega Nord ist. Und absolut gar nicht über den Tod und die Verletzungen der betroffenen Schwarzen. Die Menschen in ganz Italien sind empört darüber, dass der Staat, der sich ohnehin kaum um die Belange der Bürger kümmert, auch noch eine Schießerei eines Mannes mit einem ellenlangen Vorstrafenregister mitten in der Stadt zulässt. Das Mitleid für die Opfer dagegen hielt sich in Grenzen. Es ist die Ohnmacht, sich gegen die Veränderungen in ihrer Stadt nicht wehren zu können. Über anwachsende Kriminalität, über das sich verändernde Straßenbild und über die dramatisch angestiegenen Verwüstungen in ihrer Umgebung.

Während Italiens Innenminister Marco Minetti den ausgewiesenen Fremdenhass anprangerte und öffentlich verurteilte, sich gegen Fremdenhass stemmte und für Verständnis warb, war zu spüren, dass diese verurteilenswerte Tat eines Einzelnen die Gemüter in Italien weiter in Aufruhr versetzte. Gewiss, die Provinz Marken ist nicht in dem Maße krimineller Migranten getroffen, wie beispielsweise Süditalien oder Sizilien. Dort scheren sich weder Bewohner noch Politiker kaum darum, wenn die Mafia in Palermo wieder einmal ein Dutzend Migranten hinrichtet, weil sie ihnen in die Suppe gespuckt haben.

So berichtet heute die „TicinoNews“ – ein kritisches Blatt in Norditalien folgenden Wortlaut:
..........„i tratterebbe di un 28enne italiano incensurato, l'uomo che questo pomeriggio ha seminato il panico per le strade di Macerata nelle Marche (vedi correlati), sparando diversi colpi d'arma da fuoco contro degli extracomunitari. Prima di essere arrestato l'uomo ha indossato una bandiera tricolore sulle spalle, salendo sui gradini del Monumento, da dove si è voltato verso la piazza facendo il saluto fascista.“

Kein Wort des Bedauerns, keine Silbe über die Opfer. Vielmehr schreibt der Korrespondent implizit, dass der Täter wegen seiner Vorstrafen gefährlich sei und schon deshalb in den Knast gehöre. „Der stadtbekannte Rechtsradikale sei gefasst worden, als er einen faschistischen Gruß vor einem Denkmal für gefallene Soldaten in Macerata, der Provinzhauptstadt in den Marken, gezeigt habe.“ So berichtet auch die Zeitung "La Repubblica" und die Nachrichtenagentur Ansa. „Zuvor habe er sich in eine italienische Flagge gehüllt.“

Bei der Bevölkerung ist ger Grat zwischen dem Gefühl der Ungerechtigkeit, dem Eindruck der Überfremdung, zwischen Wut und Ohnmacht über die Untätigkeit der Politiker ein verdammt schmaler geworden. Und wenn man dann in Italiens Straßen die bittere Ironie zu hören bekommt, man sei froh, noch keine „deutschen Verhältnisse“ zu haben, wird dem Besucher klar, dass wir in Europa auf einem sozialpolitischen Pulverfass sitzen. Die Geduld der Bürger geht mit großen Schritten dem Ende entgegen. Nicht nur in Italien.

Besucht man als Deutscher die Stadt Marcerata, Ancona, Senigalia oder andere Mittelstädte, dauert es nicht lange, bis die deutsche Kanzlerin Frau Merkel zum Mittelpunkt aufgebrachter Diskussionen wird. In jenen Städten wird sie als die Hauptverursacherin allen Flüchtlingsübel gesehen und man hat große Mühe, mit Argumenten die Wellen wieder zu glätten. Es wird noch heiß werden, in Italien. Die Wahlen stehen vor der Tür und ähnlich wie in Deutschland, werden auch Italiens Politiker bald die Rechnung präsentiert werden.




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