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Berlin - Mafia, Berufsschwätzer und Hobbydemagogen

Man wird das Gefühl nicht los, dass unsere politischen Eliten seit der Bildung der Regierungskoalition ihren eigentlichen Aufgaben nicht mehr nachkommen. Ihr Dasein scheint im Wesentlichen darin zu bestehen, tage- und wochenlang darüber nachzusinnen, wie man den politischen Gegner am effektivsten diskreditieren, diffamieren und gegen die Wand laufen lassen kann. 


Vermutlich haben die Herrschaften in den Parteizentralen ganze Beraterstäbe engagiert, deren vornehmstes Ziel es ist, die empfindlichsten Schwächen der Vertreter der Opposition zu extrapolieren, um dann gnadenlos zuzuschlagen. Da lobe ich mir das Forum Romanum vor 2000 Jahren, als man noch mit Schild, Schwert und Morgenstern aufeinander losging. Schwätzer hatten dort keine Chance.

Dennoch, ein perfektes Schulbeispiel moderner Gladiatorenkämpfe erleben wir gerade beim Thema Hans-Georg Maaßen. Die SPD und deren roten Genossen schwangen sich mit mustergültig vorgetragener Empörung in die höchsten ethischen Sphären und verlangten die sofortige Ablösung eines Behördenleiters. Das Sakrileg eines Kanzleraffronts lieferte die Munition, sich mit gefletschten Zähnen wieder in Szene zu setzen. Die politische Lupara auf die CSU gerichtet, versprach maximal durchschlagende Wirkung, würde man auf den Abzug betätigen.

Heerscharen von blutrünstigen Journalisten und schadenfrohen Medienmachern lagen mit sensationslüsternen Mienen auf der Lauer, um im Falle eines Blutbades die Opfer zu zählen. Doch auch Seehofer und Merkel, wohl wissend, dass sie im Fadenkreuz der Genossen und ihrer Anhänger anvisiert waren, trafen ihrerseits Vorkehrungen. Die Strategie trug den Namen „Rohrkrepierer“. Maaßen wurde zwar, wie gewünscht, als Chef des Verfassungsschutzes aus dem Verkehr gezogen, aber zum Entsetzen der Gegner auf der Karriereleiter nach oben befördert. Eine größere Demütigung kann man dem politischen Gegner kaum zufügen.

Kaum hatte man den Gegenschlag genüsslich zur Kenntnis gebracht, rotteten sich erklärte Feinde wie sich gegenseitig bekämpfende Parteifreunde - die ja bekanntermaßen die gefährlichsten Widersacher sind -, wieder zusammen und schmiedeten neue Eliminierungspläne. Merkel gegen Seehofer, der ihr den Mist mit Maaßen eingebrockt hat, Nahles, die sich von Seehofer gedemütigt fühlt, Söder, der den lästigen Übervater loswerden will und Robert Habek, der dem Bayern mit den anstehenden Wahlen den Todesstoß versetzen will. Die große Kunst der publikumswirksamen Hinrichtung eines Gegners liegt darin, ihn mit größtmöglicher Wertschätzung den Garaus zu machen.

Mittendrin in den strategischen Gefechten und Meuchelplänen die Mitglieder des Bundestages, die sich je nach parteipolitischen Farben in den Waffenkammern, angefüllt mit diskriminierenden Folterinstrumenten, mit todbringendem Arsenal ausrüsten, um für ihre eigenen Chancen gewappnet zu sein. Was kümmern die Damen und Herren Politiker die Bedürfnisse ihrer Wähler. Was interessieren anstehende Zukunftsaufgaben, wenn es darum geht, die Nachfolge der Opfer anzutreten. Neutral formuliert, könnte man das Verhalten der Parteimitglieder als negative Korrelation beschreiben. Zeigt der Nachbar auch nur die geringste Schwäche, wird er gnadenlos niedergemetzelt. Im Verborgenen, versteht sich, und das nach Möglichkeit mit einer Unschuldsmiene.

Nichts ist weniger wert als das Blut eines Politikers. Am schönsten sprudelt es bei einem hinterhältigen Diffamierungs-Volltreffer oder einer klammheimlich ausgeführten, moralischen Breitseite auf das Gewissen eines hartnäckigen Parteifreundes. Auch für die Hinterbänkler ist es geradezu beglückend, wenn wieder einmal ein Kopf durchs Plenum rollt, eröffnet er doch die Chance des Nachrückens.
Nein, politische Arbeit ist derzeit drittrangig.  Wie sagte einst Lindner (FDP) so griffig? Es ist besser, nicht zu regieren als falsch zu regieren. Er hat etwas übersehen, der Gute. Es ist besser, die Politik ganz aufzugeben, als ein Volk mit Nichtstun und Selbstbeweihräucherung ins Unglück zu stürzen.

Es geht um Ehre, Ansehen, Akzeptanz. Anders ausgedrückt, im Bundestag geht es derzeit zu wie bei der sizilianischen Mafia. Wehe, man erwies dem Paten nicht die ihm gebührende Ehrerweisung wie beispielsweise Maaßen, der unserer Kanzlerin widersprochen hat. In Sizilien überlebt man das nicht. Im schlimmsten Falle muss der ganze Clan dran glauben, wenn der Wahnsinnige einen Amico an der Seite hat, der ihm den Rücken stärkt. Nun ja, bei Merkel ist mit allem zu rechnen.trotzdem  Offen gestanden, die Mafia ist mir lieber. Da weiß man wenigstens, woran man ist.

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