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Spiegels Prototyp der Lügenpresse

Es war ein Paukenschlag, mit dem das Nachrichtenmagazin SPIEGEL vor einer Woche in die Offensive ging und den Gang zu Canossa antrat. Die Vorstände des angesehenen Verlages konnten zwischen Pest und Cholera wählen, nachdem klar war, dass der Starschreiber Claas Relotius nichts weiter als ein Hochstapler ist, der selbst Felix Krull noch in den Schatten stellt.


Mit maximaler Zerknirschung trat Ullrich Fichtner, Chefredakteur des „Spiegels“ und früher Relotius’ Förderer und Vorgesetzter vor die Öffentlichkeit und gestand ein, dass der hoch dekorierte Journalist reihenweise Geschichten erfunden hat, die eigentlich einen besseren Platz bei Grimms Märchen hätten einnehmen können. Jetzt heißt es im Verlag „Schadensbegrenzung“, bei der man sich beeilt, das hohe Lied auf die eigenen Grundwerte und die Ethik zu singen. Der Versuch ist an bitterer Lächerlichkeit kaum zu überbieten, das ist das Fazit, was ich ziehe, denn der Spiegel hat mithilfe des Fälschers und Hochstaplers und dessen politisch kolportierter Meinung einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung bewiesen, dass selbst das bislang angesehene Nachrichtenblatt den Begriff Lügenpresse verdient hat. Auch deshalb, weil er intern noch unterstütz wurde, als längst klar war, dass an den Beiträgen des feinen Herrn etwas nicht stimmen konnte

Ein beträchtlicher Teil der Reportagen war schlicht gefälscht. So weit. So schlecht. Doch die eigentliche Katastrophe, die dieser SPIEGEL-Lügner ausgelöst hat, ist die Tatsache, dass Printmedien wie WELT, SÜDDEUTSCHE, FAZ, STERN und auch die ZEIT - also nicht zu unterschätzende Meinungsbildner -, diesen Schmierfinken ständig zitiert haben und damit kampagnenhaft ein Idealbild des Humanismus lancierten und Meinung zu machten. Insbesondere die TV-Medienmacher griffen dankbar die scheinbar gut recherchierten Artikel dieses schreibenden Schmierfinken auf, und verhacktstückten humanistisches Gutmenschentum mit zu Tränen rührenden Ereignissen - und das mit dem stets erhobenen, pädagogischen Zeigefinger.

Der entlarvte Journalist beherrschte es perfekt, die Wahrheit in seinen Reportagen im Sinne des linken Mainstreams zu verbiegen. So brachte er 2015 die rührende Flüchtlingsgeschichte heraus, wonach Syrer 1.000 Euro auf der Straße gefunden habe und das Geld umgehend der deutschen Polizei übergab. Gerade diese Geschichte rief viele Nachahmer auf den Plan. So viele Geldbörsen, wie in der Folge auf Deutschlands Straßen gefunden und abgegeben wurden, hatte es in der Vergangenheit nicht gegeben. Doch die Botschaft war klar: Diese Geschichte sollte die Kritiker an der Flüchtlingsinvasion hintanhalten und ihnen moralisch den Wind aus den Segeln nehmen.

Sie schlossen sich alle an, diese Klevers, Hallalis, Slomkas oder Plasbergs, diese luftgeblasenen Flöten beispielhafter Moral, trugen ihre Samariterbotschaften wie Monstranzen vor sich her und stilisierten mit Betroffenheitsmienen eine TV-Ethik, die bei vielen Brechreize hervorriefen. Österreichische Zeitschriften- und Fachmedien verliehen dem Dreckskerl einen Preis. 2012 erhielt er den Förderpreis des Österreichischen Zeitschriftenpreises für seine Profil-Geschichte „Die größten Verbrecher sind oft die kultiviertesten Persönlichkeiten“. Ja, ja, denke ich mir, da hat er wohl sich selbst beschrieben.

Besonders bezeichnend ist die Tatsache, dass Relotius sein politisch-journalistisches Engagement künftigen Journalisten-Generationen in Form von Seminaren weitergab. So war er Gastvortragender am Uni-Lehrgang für Journalismus zusammen mit der Botschaft gab: „Wer das Weltbild der Mächtigen bestätigt, steht bald auf der Bühne, wird ausgezeichnet und hofiert.“ Eine Binsenweisheit, und er hatte damit ja auch recht. Der Gutmensch als Vorbild einer Generation, nur mit der bedauernswerten Erkenntnis, dass jene Hintergangenen mit Verve und gutem Gefühl der Legende eines Einzeltäters folgen, als sich selbst zum Idioten zu machen. Menschlich...!

Denn jetzt will der Spiegel den "Fall Relotius" auch noch als „Einzelfall“ verkaufen. Welch eine Farce, wissen doch viele Bürger nur allzu gut, dass die Dunkelziffer solch schreibender Schmeißfliegen kaum abschätzbar hoch ist. Es dürften wahre Heerscharen sein, die sich bei SZ, FAZ, WELT, STERN oder auch in vielen Provinzblättern herumtreiben, um sich mit sozial erwünschten „Unwahrheiten“ einen Namen zu machen. Nicht Moral, nicht Ethik, schon gar nicht Ehrlichkeit sind die Leitmotive der schreibenden Presse, es ist das Geld, die Reputation und der Applaus. Alles nach dem Motto und je nach eigener politischer Ausrichtung: Was der Kanzlerin, der SPD, den GRÜNEN dient, dient auch mir und meinem Erfolg und ganz nach dem Bonmot Friedrich Schillers: Oh, mächtig ist der Trieb des Vaterlandes.

Die Weisheiten, die Rilotius an Unis oder in Seminaren von sich gab, dass man den Mächtigen nach dem Mund schreiben muss, um Lorbeeren zu ernten, bedurften zuvorderst eines Lehrmeisters. Von irgendjemandem muss er die Grundkenntnisse des erfolgreichen Schreibens ja einmal gelernt haben. Dass der SPIEGEL-Autor auch noch ganz nebenbei seine kriminelle Energie genutzt hat, um Spendengelder in die eigene Tasche wandern zu lassen, ist nur die logische Fortsetzung seiner Betrügereien.

Wir erinnern uns noch alle an die Hitlertagebücher von Konrad Kujau, der den STERN um Hunderttausende D-Mark beschissen hatte. Auch ein Fall, mit dem ein Magazin Furore machen und viel Geld verdienen wollte. Doch das war in meinen Augen ein Klacks gegen das, was Rilotius angerichtet hat. Denn sein Betrug hat politische und gesellschaftliche Dimensionen. 

So schrieb dieser journalistische Freibeuter freiberuflich unter anderem für den Cicero die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Financel Times Deutschland, die taz, DIE WELT, das SZ-Magazin, Zeit-online sowie für die Schweizer Publikationen Weltwoche, NZZ  und Reportagen für diverse andere Blätter. Man braucht nicht viel Fantasie, um swich auszumalen, welche gesellschaftspolitische und auch wahlpolitische Auswirkungen seine Manipulationen gehabt haben müssen. Möglicherweise haben sie auch signifikant die letzten Wahlen beeinflusst. Ganz nebenbei kosteten sie auch den Kopf des Chefs des Verfassungschutzes Hans-Georg Maaßen. Doch danach kräht kein Hahn mehr.

Relotius' Spendenaufruf bildete dann das Highlight seiner miesen Karriere. Dessen Reportage „Königskinder“ stand in Zusammenhang mit der Ausgabe 28/2016. Sie handelte von syrischen Geschwistern, die als Waisenkinder auf der Straße in der Türkei unter bejammernswerten Bedingungen lebten und seine leser um Spenden bat. Die flossen jedoch direkt auf sein Privatkonto. In dem Sammelband „Wellenschlagen“ berichtete Relotius über den Ausgang seiner Spendenaktion. Demnach habe er „in mühevoller, monatelanger Arbeit die Kinder zu einer Ärztefamilie nach Niedersachsen habe bringen können, die die beiden adoptiert habe.“ Den  Wahrheitsgehalt beider Geschichten kann man bestenfalls mit den Märchen aus „Tausend und eine Nacht“ vergleichen. Unklar ist, wie viele Leser gespendet haben, wie viel Geld zusammengekommen.

Doch viel schlimmer ist die Tatsache, dass er mit seinen Reportagen eine ganze Gesellschaft verändert hat, zumal Heerscharen von medialen Meinungsbildnern diesem infamen Betrüger gefolgt sind. Relotius ist das verhätschelte Produkt des verlogenen Establishments, aalglatt, moralinsauer und politisch-korrekt. Er ist kein Einzelfall, sondern nur einer, der erwischt wurde. Und die Politiker schweigen so, laut, dass man es bis in den letzten Winkeln der Republik noch hören kann.

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