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Gipfel der Unbeleckten – von Demut keine Spur.

Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Selbstgeißelung unserer Kanzlerin geriet gestern zum medialen Ereignis. Angela Merkel hat sich öffentlich für einen Fehler entschuldigt. Für die Entscheidung des österlichen Lockdowns sei einzig und alleine sie selbst schuld und sie trage dafür die alleinige Verantwortung.

 


Was von diesem Schuldbekenntnis zu halten ist, durften die geneigten Fernsehbürger gestern Abend wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Die Ministerpräsidenten der CDU-geführten Länder zogen sofort kollektiv mit fein abgestimmten Phrasen nach. Die Entscheidung, die sie bei der Ministerkonferenz getroffen hätten, sei ein Fehler gewesen. Der solidarische Kotau vor dem Volk, was unter den Ministern ein „gruppendynamisches Arschkriechen“ auslöste, kann man getrost in die Kategorie "geordneter Rückzug" einordnen, dem ich nur bedingt meinen Respekt zolle kann.

Man muss sich diese Tatsache auf der Zunge zergehen lassen, offenbart der "österliche Ruhetag" die Quintessenz, auf welcher Basis Entscheidungen in Ministerkonferenzen getroffen werden. Nämlich auf der Basis von Mutmaßungen, Schätzungen, Annahmen und der karriereschützenden Darmflora unserer Kanzlerin. Ohne einen einzigen plausiblen Lösungsansatz entscheidet Mutti: So machen wir es oder ich breche die Sitzung ab! Die Minister gehorchen - das Volk oder gar eine Volksmeinung spielt dabei keine Rolle.

Was viel ernüchternder ist und was weder die TV-Sender noch Moderatoren oder gar die Presse aufgreifen, war die Tatsache, dass 16 Ministerpräsidenten, also das höchste Gremium unserer Politik, eine Art konfusen Debattierklub bilden, der sich anmaßt, über das Wohl und Wehe von 80 Millionen Bürgern zu bestimmen. Hörte man gestern bei den politischen Statements genauer hin, eröffneten sich Abgründe. Der politische Dilettantismus unserer Führungsriege ist kaum noch zu überbieten, zumal der Verfügung, dass Bürger sich zu Hause ausruhen mögen, weder ein Plan noch eine Strategie zugrunde lag. Ganz zu schweigen, ob die Verfügung überhaupt juristischen Bestand haben würden.

Ein Dutzend hoch dotierter, besser gesagt mit Steuern alimentierter Politiker mit Herrscherallüren ordnen sich in einer 16 Stunden andauernden Marathonsitzung dem gewaltigen Sitzfleisch unserer Kanzlerin unter. Merkels Fähigkeit, mit ihrem Gesäß 16 Stunden lang ihre Minister auf ihren Ledersesseln zu malträtieren, bis sie wegen Schlafentzugs entkräftet jeden Widerstand aufgeben, dürfte in Europa einmalig sein. Man braucht nicht viel Fantasie, um nicht zu wissen, wie Verhandlungen mit Frau Merkel hinter den Kulissen laufen.

Wie sagte sie einst bei einer Pressekonferenz, bei der es um Flüchtlingsfragen ging? „Ich wüsste nicht, was ich hätte anders machen sollen.“ Nun ja, das weiß sie in Sachen Covid heute ebenso wenig, auch wenn sie gestern öffentlich einen Fehler einräumte. Wie schon gesagt, der Not gehorchend und nicht die eigenen Triebe. Die Not allerdings konnten die Beteiligten am Impfchaos, am Maskenskandal, am Unmut der Bevölkerung, am Wutgebrüll der Selbstständigen und als Quittung an den fallenden Zustimmungswerten ablesen. Letztere hatte wohl so viel Gewicht, da die Umfragen für die anstehenden Wahlen ein Desaster ankündigen.

Doch Merkel wird an ihrer Politik nichts ändern. Sie ist beratungsresistent, sie ist stur, dickfellig, selbstgerecht und führt mit der Attitüde der Allmacht ihre Regierungsgeschäfte. Egal ob nun Lindner, Scholz, Altmaier oder der schwule Jens, deren Meinungen interessieren sie nicht wirklich. Weshalb auch, wenn sie mit ihren Überzeugungen richtig liegt. Allerdings nur unter der Bedingung, wenn ihre Minister ihre Meinungen eins zu eins übernehmen.

Wie sich die vielgerühmte Geschlossenheit auswirkt, können wir am Beispiel unserer politischen Sängerknaben anschließend hören. Sie singen alle das gleiche Lied, auch wenn man sich überwinden muss: Wir haben einen Fehler gemacht, das war unsere Kanzlerin nicht alleine -, ganz nach dem Motto: Das Gruppenversagen eröffnet die Option, der Welt zu erklären, dass die Pandemie selbst mit geballter Intelligenz kaum beherrschbar ist. So werden Fehler zur Tugend. Ob das Virus das auch so sieht?

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