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Es führen viele Wege nach Rom, aber noch mehr nach Deutschland

Wieder einmal – dieses Mal berichtet die Hessenrundschau – macht eine deutsche Gemeinde mit einer beispielhaften Aktion humanitären Einsatzes von sich reden. Nach teils traumatischer Flucht aus dem Ukraine-Krieg sind afrikanische Studierende in einer Frankfurter Kirchengemeinde untergekommen. Viele von ihnen haben keinen Pass mehr und ihre Zukunft ist ungewiss.

 


Früher strömten Studenten, Ingenieure und gesuchte Fachkräfte über den Landweg zu uns ins Land. Dann kamen sie mit Booten und Schiffen übers Mittelmeer. Selbstredend mithilfe engagierter Profi-Samariter. Es waren Millionen, die unser Land aufsuchten, dorthin, wo Milch und Honig fließen. Seitdem aber die Gestaden des Mittelmeers aufgrund misstrauisch gewordener Franzosen, Spanier oder Italiener weniger attraktiv geworden sind, eröffnen sich wegen des Ukraine-Krieges neue Perspektiven für die Neuorientierung reisefreudiger Afrikaner. Der ist Zustrom hoch kompetenter Auswanderer ist ungebrochen.

Doch es gibt auch die andere Seite. Deutschlands unermüdliche Hilfsbereitschaft, dessen Ursprung in Parteizentralen und auf Abgeordnetenbänken zu finden ist. Es ist geradezu erstaunlich, wie kreativ Politiker sein können, wenn es um die Erfindung von Begrifflichkeiten geht, insbesondere bei sensiblen oder heiklen Themen. Man wird das Gefühl nicht los, dass sich Partei-Bosse wie Regierungsmitglieder mehr um die Evaluation selbstloser Wortschöpfungen kümmern, als um ihre eigentliche Arbeit. 

Kaum fällt das Stichwort Flüchtling, warten gewerbsmäßig organisierte Helfer mit einem Strauß bunter Vokabeln auf, die den Eindruck erwecken, dass der jeweils zu verwendende Terminus bestimmten Anforderungen standhalten muss. Die Bezeichnung Flüchtling erinnert allzu leicht an Schädling, schon deshalb und insbesondere wegen der mittlerweile prekären deutschen Wirtschaftslage sind zwingend positive Synonyme vonnöten.

Nie darf der Eindruck beim Bürger entstehen, dass der durchschnittliche Politiker in seiner Sprache, bei seinen Vorhaben, bei spektakulären Ideen oder Beschlüssen etwa Gefahr läuft, hinterher als evolutionärer Unfall oder als intellektueller Trauerfall in die Geschichte einzugehen. Es gilt: Je kreativer die Floskel, desto unmöglicher die Umsetzung. Je harmloser der Begriff, desto schöner die Welt. Die Motivation des Bürgers, sein Geld für nützliche Rettungsaktionen soll aufrecht erhalten werden.

Je nach Parteizugehörigkeit und programmatischer Ausrichtung finden deshalb Bezeichnungen wie Migranten, Asylanten, Refugees, Immigranten, Einwanderer, Vertriebene oder Kriegsopfer Eingang in das agitatorische Sprachinventar einer Partei. Mit phantasievollen Worthülsen werden die eigenen Bürger solange gequält, bis sie in entkräftet die Knie gehen oder bis ins Mark infiltriert ihre Zustimmung für Steuererhöhungen abgeben, um großen, gefährdeten Volksgruppen aus der Fremde zu helfen. 

Ob nun ukrainische Studenten aus dem nigerianischen Hochland, senegalesische Syrer, ob libysche Freiheitskämpfer aus dem Jemen oder minderjährige Bombenleger aus arabischen Hoheitsgebieten, sie alle dürfen ihre Ansprüche in der neuen Heimat geltend machen, zumal unsere Politiker eigens für günstige Voraussetzungen einer Vollversorgung für die Gäste geschaffen haben. Man will sich in der Welt schließlich nichts nachsagen lassen. 

Keinesfalls dürfen Metaphern abwertend oder aggressiv klingen, eher bagatellisierend oder beschönigend und bei manch bildhaften Wortkreationen könnte man meinen, dass Politiker über Annehmlichkeiten oder gar Wohltaten reden. Schließlich soll auch dem Bürger mit vertrauenerweckenden Synonymen vermittelt werden, dass er mit großem Herzen und offener Brieftasche die Mittelmeer-Reisenden willkommen heißen kann. Daran ändert sich auch nichts, nur weil wir wegen Putins Krieg und den Sanktionen gegen den Aggressor unsere Wohnungen nicht mehr heizen, unsere Autos nicht mehr betanken, und die Lebensmittelregale in Supermärkten weitgehend geplündert sind, weil Spediteure den Diesel für die LKW's nicht mehr bezahlen können.

Doch zurück zu der eigentlichen Problematik. Asyltourismus ist für mich das zynische Highlight deutscher Wortschöpfungskunst, assoziiert man doch damit gerne Urlaub, Sonne, Strand und Palmen. Selbst der Begriff Sozialtourismus beinhaltet noch eine tröstende Komponente, weil der Refugee hier zumeist nur kleine Brötchen backen, aber sich dennoch während seiner Reise durch Deutschland und anlässlich seiner Besuche in zahlreichen Sozialämtern an schönen Landschaften erfreuen kann. 

Seit einiger Zeit findet bei den GRÜNEN und den Genossen der SPD das Wort "Schutzsuchende" lebhafte Verwendung, was nicht heißt, dass alte Wehrmachtsbunker reaktiviert werden müssen. Nein, es soll implizieren, dass ein Wirtschaftsflüchtling - sagen wir aus dem Kongo oder Eritrea - des rettenden Schutzes unserer Sozialsysteme bedarf. Natürlich gibt es im Sprachgebrauch mancher Kritiker auch abwertende Entgleisungen wie beispielsweise Sozialschmarotzer oder Wirtschaftsparasiten. Verwender solch diskriminierender Begriffe werden selbstredend mit Substantiven wie Rassist, Hetzer, linke/rechte Sau, oder auch schlicht mit Nazi bedacht. Da weiß man sofort, wo man steht.

Je nach Geschmack, Gefühlslage oder persönlicher Befindlichkeit verfügt die deutsche Sprache über ein breites Repertoire an disqualifizierenden und verletzenden Artikulationsmöglichkeiten, die man dem jeweiligen Meinungsgegner wie einen Eichenknüppel übers Hirn ziehen kann, wenns Not tut. Wir Deutsche dürfen uns über die semantische und terminologische Reichhaltigkeit unserer Sprache glücklich schätzen, können wir doch eine ausgemachte Sauerei durch Verwendung einer Vorsilbe und das Anhängen einer Endsilbe sie blitzartig in eine glückliche Fügung umwidmen.

Deutsche Politiker widmen sich seit der Flüchtlingskrise verstärkt des Instrumentes der Wortbildung mithilfe passender Morpheme. Denn hinsichtlich der Wortschöpfungen bedarf es bei diesem Thema nicht nur einer gewissen Sensibilität, sondern auch einer amtlichen Kreativität, wenngleich sie bei der Wortwahl aufgrund unserer Geschichte einer gewissen Grenze unterliegt. Der Spagat zwischen „braunem“ Vokabular und "wohlwollender" Terminologie fällt nicht immer leicht, zumal die meisten Partei-Koryphäen jedwede, geschichtlichen Kenntnisse vermissen lassen. Da plappern viele, bunte Regierungsvertreter munter drauf los, ohne zu wissen, was sie eigentlich sagen. Der Leser begreift schnell, was ich damit meine.

Konzentrationslager ist zum Beispiel so ein Begriff. Er erinnert uns an schreckliche Zeiten und wurde eigens deshalb durch den Terminus „Aufnahmezentrum“ ersetzt, der beim Ankömmling schon wegen der begeisterten Empfangskomitees und euphorischen Jubelstürme ein Gefühl von Geborgenheit impliziert. Inzwischen kennt der deutsche Fernsehkonsument sogar Begrifflichkeiten wie, Flüchtlingscamp und Asylantenheim, die nach Pfadfinderleben, Abenteuer und Heimat klingen, während Transit- oder Ankerzentren eher das Gefühl von Zwischenstopp am Flughafen, Durchreise oder Hochseeschifffahrt mit sicherem Hafen im Nowhere suggerieren. Mittlerweile wurden sogar schon Anlandungszentren in fernen Ländern geschaffen, um unseren Refugees das künftige Reiseziel schmackhafter zu machen.  

Auch die Begriffe Migrations- oder Flüchtlingsindustrie sind wundervolle Sprachvarianten einiger Sprachkoryphäen, vermitteln doch die Termini Produktivität, Fleiß und Schaffenskraft. Fast möchte man glauben, dass unsere Besucher aus Afrika alleine mit ihrer Anwesenheit zu unserm bemerkenswerten Bruttosozialprodukt beitragen. Die Auslastung unserer Sozialämter mag hier als Beispiel prosperierender Zukunftsaussichten dienen.

Ganz schräg wird es, wenn sich Beamte und Ministerien besondere Mühe geben, um statistisch gesicherter Erhebungen kompetent zu vermitteln. So spricht man im Zusammenhang mit der anwachsenden Kriminalität gerne von „Zukunftsperspektiven“, was meine These untermauert, dass auch hohe Beamte einen übertriebenen Hang zum Euphemismus haben. Sei es, wie es ist, auf dem Gebiet der Wortakrobatik sind wir führend in der Welt. Ebenso häufig verwendet der Politiker im Falle eines Anschlages durch Islamisten auch Begriffe wie „Einzeltäter“, bei mehreren kriminellen Subjekten spricht er von einem „Personenkreis“, unter „Mitwirkung“ tunesischer "Mehrfachgefährder." 

Nun ja… Solche Kerle landen dann eben in einer Gefängniszelle. Hoffentlich… Nur den Politikern, denen passiert nichts, die dürfen unbeschadet weitere Einladungen aussprechen, neuerdings verstärkt in Richtung Ukraine. Kapazitäten haben wir ja genug, zumal wir seit Neuestem sogar für die Freiheit der Ukrainer frieren.

 

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