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Die besten "Bundes-Framings" für die Deutsche Bahn – oder neue Besen kehren gut.

„Wir danken Herrn Lutz für seinen unermüdlichen Einsatz an der Spitze der Bahn. Wir sind sicher, dass Herr Lutz für die verbleibenden Wochen alles für die Schiene geben wird.“ Verkehrsminister Patrik Schnieder teilte dem Land mit, man habe sich einvernehmlich auf eine Vertragsbeendigung mit dem Bahnchef geeinigt.

Ich wills mal so sagen: Einvernehmlich klingt verdammt nach einer Millionenabfindung für einen unserer Bundes-Loser, wie sie seit den letzten Jahren in nahezu allen Ministerien zuhauf hervorgebracht und mit gut bezahlten Jobs beglückt wurden. Da ist es ja auch nur passend, dass sich der Verkehrsminister bei seinem Bahnchef für die erfolgreiche Fortsetzung der weiteren, zügigen Verwahrlosung auf der Schiene herzlich bedankt.

Währenddessen nimmt der ICE-Fahrgast auf dem Weg nach Frankfurt zur Kenntnis, dass sein Zug „mit einer Toleranz von 20 Minuten“ am Hauptbahnhof ankommen wird. Immerhin, wenigstens hat man bei der Bahn den Terminus „Verspätung“ aus dem Sprachgebrauch entfernt und darf nun den versemmelten Anschluss nach Buxtehude als tolerabel einordnen. Das klingt nicht nur schöner, sondern auch versöhnlicher.  

Ob Pendler, Geschäftsmann oder Urlauber, die Deutsche Bahn, ehemals ein Hort schweizerischer Pünktlichkeit, hat sich gewandelt. Das bemerkt jeder spätestens dann, wenn er einen Bahnhof betritt. Nicht nur, weil er dann von der Vielfalt des vorherrschenden fremdsprachlichen Publikums und des verwahrlosten Ambientes förmlich erschlagen wird, sondern sich auf dem Weg zum vorgesehenen Bahnsteig permanent auf dem Laufenden halten muss, ob nicht eine unvorhergesehene aber wahrscheinliche Änderung ansteht.

Der Fokus liegt längst nicht mehr auf den gigantischen Anzeigetafeln mit Dutzenden Zugausfällen und betriebsbedingten Verzögerungen, er liegt auf dem neuen Erscheinungsbild unserer Bahnhöfe. Gewaltige Regenbogenfahnen flattern in den Haupthallen, die uns als Zeichen der Vielfalt den Sanierungsfall Bahn ein wenig bunter erscheinen lassen. Daher hat die Deutsche Bahn den ICE mit Regenbogenfarben beklebt, um Solidarität mit der LGBTQI+-Gemeinschaft zu zeigen und damit auch das Engagement ihres Mitarbeitenden-Netzwerks "railbow" zu ehren, das sich für die Belange von LGBTQI+-Beschäftigten einsetzt. 

Offen gestanden, was interessiert mich die LGBTQI-Gemeinschaft in einem Beförderungsmittel, in dem Klimaanlagen ausfallen, Toiletten außer Betrieb sind, Restaurants geschlossen, Bärte und Kopftücher mit Kind, Kegel und Kinderwagen waggonweise zu spät kommende Züge belagern, ich überdies während der gesamten Fahrt im Luxuszug olfaktorische Qualen erleiden und unsereiner für 250 Euro 5 Stunden im Gang stehen oder auf dem Koffer sitzen muss. Ich gestehe, in einem solchen Fall würde ich mich aufs Äußerste behelligt fühlen, wenn sich auch noch Kerle in rosafarbenen Röckchen an mir vorbeiquetschen.

Aber das ist längst nicht alles! Auf unserem „Train-Flagship ICE“, genauer gesagt unserem woken Schienenerzeugnis, dürfen wir anhand der überdimensionalen Aufschrift an Wagons und Loks entnehmen, dass wir auch noch klimaneutral zu spät den Zielort erreichen. Wir kennen das alle. Da muss man schon mal "Fünf" gerade sein lassen. Derweil tuckert der Fahrgast im Hochgeschwindigkeitszug über die Umleitungsstrecke seinem Ankunftsort entgegen, weil entweder Reparaturarbeiten auf der Hauptstrecke die freie Fahrt behindern, ein technischer Defekt einen Schienenersatzverkehr nötig macht, oder wahlweise ein Güterzug an einem Knotenpunkt gestrandet ist.

Die raffiniert ausgeklügelte Bahnstrategie lautet also: Bezahle doppelt so viel, komme doppelt so spät an und erkämpfe dir dort ein leeres Taxi. Und da man es aufgrund der Bahn-Toleranz nunmehr doppelt so eilig hat, um wenigstens einigermaßen rechtzeitig zu seiner Verabredung zu kommen, fehlt somit die Zeit, um zu reklamieren oder nach einer Entschädigung zu fragen. Und selbst, wenn man sich die Zeit nähme, sein schönes Geld wieder zurückzuverlangen, stünde man mindestens drei Stunden Schlange an irgendeinem Abfertigungsschalter, an dem man buchstäblich "abgefertigt" wird.  

Was soll ich sagen? Stattdessen darf ich am Frankfurter Hauptbahnhof die neueste Errungenschaft des Bahnmanagements bewundern. Pflanzwände mit Sprühnebel. Sie sollen den Wartenden am Bahnsteig ein gesünderes Öko-Klima bescheren. Das ist insofern erwähnenswert, als ja Fahrgäste oft Stunden an Bahnsteigen verbringen, oder gegebenenfalls durch die klima-optimierte Luft vom Gleis 3 zum Gleis 17 spurten müssen, wenn sie den Ersatzzug erreichen wollen. Jener angebotene Ersatzzug wird selbstredend ein Regionalzug sein, der an jeder Hundehütte einen Zwischenstopp einlegt und zum zweimaligen Umsteigen zwingt.   

Sollte der Bahnkunde den Anschluss verpassen, ist ihm möglicherweise doch noch das kleine Glück hold. Seit geraumer Zeit finden sich regelmäßig engagierte Belegschaftsmitglieder in den Bahnhofshallen zusammen und führen dort auf einer eigens aufgebauten Bühne ein „motivatorisches Tänzchen“ auf. Um von vornherein ein Missverständnis auszuräumen, möchte ich betonen, dass dieses Spektakulum nicht etwa zur Unterhaltung der Fahrgäste stattfindet, sondern den Teamgeist der Mitarbeiter stärken soll, die es vermutlich rund um die Uhr mit unzufriedenen, verärgerten und wütenden Bahnkunden zu tun bekommen.

Wie wir also feststellen, setzt die Bahn Prioritäten, die mit dem Ansinnen eines Fahrgastes, nämlich pünktlich irgendwohin zu kommen, nur wenig zu tun hat, sei das Engagement noch so woke, noch so bunt und noch so klimafreundlich. Da drängt sich zwangsläufig der Verdacht auf, dass der Bahn die Vorstellungen und Wünsche zahlender Kunden mindestens ebenso egal sein muss, wie unserer Regierung die Wahlen oder Anliegen ihrer Bürger. Nun ja, jetzt wird ein neuer Bahnchef gesucht, dann soll alles wieder besser werden. Seine Hauptaufgaben: Er soll die Ankunftstoleranzen und Zuverlässigkeit des Zugverkehrs auf ein neues Niveau stellen. 

Wenn bis vor einem Jahr eine 5-minütige Verspätung der Bahn noch als pünktlich eingeordnet wurde, hat man die Toleranz auf 15 Minuten erhöht. Fortan gelten Züge, die 15 Minuten zu spät kommen als pünktlich, um die interne Pünktlichkeitsstatistik zu optimieren. Ich finde, das ist ein großartiger Schritt, an dem man die ersten strategischen Erfolge bereits ablesen kann. Wir dürfen auf die neuen "Verschleierungs-Framings" und "Wordings" des Nachfolgers von Bahnchef Lutz gespannt sein. Wenn nicht, dann wird auch er es nicht lange machen.  

                                     

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Kommentare

  1. Abschiedsgrüße an Bahnchef Lutz ,von Fahrgästen die das Leben gerade in vollen Zügen genießen :Fahr zur Hölle Lutz ,aber ohne Verspätung.

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