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Die einfachen Botschaften unserer Politiker

Es beißt die Maus keinen Faden ab, wer da glaubt, unsere Polit-Elite müsse in ihren Reden ans Volk intellektuelle, plausible und staatstragende Botschaften übermitteln, der irrt. Wer meint, er könne von unseren Politikern – gleich welcher Partei – visionäre Ideen, überzeugende Führungskompetenz und tragfähige Konzepte erwarten, scheint die Mechanismen von Machterwerb und Machterhalt in der Politik nicht begriffen zu haben.



Die Parteistrategen haben eine einfache wie entlarvende Logik. Sie halten das Volk für dämlich und träge. Schlimmer noch, sie halten sie für manipulierbar. Und sie haben recht. Machen wir uns nichts vor, etwa 12% gehören zur Bildungsschicht. Da sie davon ausgehen, dass sich 95% der Menschen überschätzen und glauben, sie verfügten über ein kluges Köpfchen, basieren politische Strategien, ob nun für Wahlen oder Verbleib in Ämtern, auf mathematisch-statistischer Grundlage. Für das Fußvolk reichen Schlagworte, mehr oder weniger witzige Sprüche und substanzlose aber gut klingende Floskeln. Es beißt die Maus keinen Faden ab, aber sie verfehlen nicht die Wirkung. – und darauf kommt es den Mächtigen an.

Die Minderheit von 15% hochgebildeten Menschen haben bei wichtigen politischen Entscheidungen schon wegen der Verteilung auf 5 bis 6 Parteien keine entscheidende Ergebnisrelevanz. Denn bei 60 Millionen Wahlberechtigten fällt deren theoretischer Anteil von ca. 1,2 Millionen möglicher Wähler je Partei kaum ins Gewicht. An dieser Wahrheit kommt niemand vorbei. Und entsprechend dieser soziologischen Binsenweisheit verhält sich auch die Politik, nämlich zutiefst amoralisch, arrogant und überheblich. Doch alles hat seine zwei Seiten: Die stumpfsinnige Dummheit des Wahlvolkes korreliert hoch mit der anmaßenden Ignoranz der politischen Führung – nicht nur in unserem Lande.

Einfache Botschaften braucht die blöde Masse, - so die Wahlkampfstrategen und Werbeagenturen -, damit auch das bei ihr ankommt, was ankommen soll und was in den Parteizentralen und auf der Regierungsbühne für geboten gehalten wird. Freilich, in TV-Interviews oder Talkshows gilt es, mit auswendig gelernten Worthülsen Brain und Sachkunde, Seriosität und Kompetenz vorzuspiegeln – „Bella Figura“ nennen wir Italiener diesen medialen Affentanz, der selbstgefälliger kaum sein kann. 

Hört oder sieht man sich die öffentlichen Auftritte der politischen Schwergewichte an, dreht sich jedem halbwegs gebildeten Menschen angesichts der hohlen und dummdreisten Inhalte der Magen um. Nicht bei der Masse, denn Stammtisch-Rhetorik gehört zum wichtigsten Inventar eines Politikers, denn genau sie ist die Zielgruppe, weil ergebnisrelevant. Nun ja, mehr haben die meisten ohnehin nicht zu bieten. Da kann man bei öffentlichen Auftritten schon mal maximalen Stuss verbreiten, wie die letzten Reden von Merkel, Gabriel, Altmeier oder Steinmeier beweisen. Von Claudia Roth oder dem intellektuellen Überflieger Toni Hofreiter will ich erst gar nicht reden.


Öffentliche Auftritte und Reden der Polit-Verantwortlichen lassen auch Rückschlüsse deren Ethik, Niveau und intellektuellen Ressourcen innerhalb der Karriere-Pyramiden in Parteien zu. Spitzenpolitiker treten auf, als hätten sie den Anspruch auf Allwissenheit mit ihrem Amt gleich mit erworben, was bestenfalls den einfachen Wähler beeindrucken kann. Doch der hat längst begriffen, wie man ihn behandelt. Er hat nämlich ein feineres Gespür, als den Regierenden lieb sein kann.

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