Ich möchte vorausschicken, ich habe einen gesegneten Schlaf. Jahrelange Gewöhnung an die rauschende Brandung unterhalb meiner Terrasse, das Gekreische der Möwen oder nächtliches Grillen der Zikaden, all das stört mich beim Einschlafen nicht im Geringsten. Doch kaum bin ich auf Reisen und muss in fremden Betten schlafen, scheinen meine Ohren ein Eigenleben zu führen und nehmen jedes fremde Geräusch wahr. In toskanischen Dörfern pflegen streunende Hunde stundenlang den bleichen Mond anzuheulen oder antworten sich gegenseitig über weit entfernte Gärten. Ist das erledigt, herrscht eine knappe Stunde Ruhe, dann werden die Vierbeiner von irgendwelchen Nachtfaltern geweckt und verjagen sie durch wütendes Bellen. In der Maremma stoßen nächtens balzende Pfauen, sich in Liebe verzehrend, herzzerreißende Laute aus. Schließt man entnervt das Hotelfenster, bringen schnarrende Klimaanlagen, brummende Kühlschränke oder singende und ausgelassen feiernde Landsleute den Fremden um den Schlaf. Und ...
Wer kennt sie nicht, die tragische Figur in der griechischen Mythologie. Sisyphos! Er war ein König, der wegen seiner hinterfotzigen List und durch die andauernde Täuschung und das Hintergehen seines Volkes bekannt wurde. Die Bestrafung durch Zeus war heftig. Sisyphos musste einen riesigen Felsbrocken einen Berg hinaufrollen, der kurz vor dem Gipfel immer wieder ins Tal zurückstürzte. Seit einem Jahr allerdings ist er nicht mehr allein. Fritz leistet Sisyphos, seinem Bruder im Geiste, angesichts der Hoffnungslosigkeit im Kampf um sein Überleben, adäquate Gesellschaft. Umgeben von Hochleistungs-Dilettanten ist er trotz des Dilemmas, in dem er bis zur Halskrause steckt, der festen Überzeugung, nicht er, sondern das Schicksal, Putin sowie renitente und arbeitsverweigernde Bürger würden ihn und seinen Erfolg behindern. Das Omen einer schwarz-roten Bundesdepression hat sich wie ein beängstigender Vorbote eines desaströsen Niederganges über unser Land und die Bevölkerung...