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Friedrich Merz und die Philosophie des Lochs.

Ich möchte vorausschicken: Die rhetorische Sprachwucht unseres Kanzlers ist geprägt von einer mitreißenden Energie, die bei Weitem die „Scholz’chen Doppelwümmse“ in den Schatten stellt. Wenn er die politische Bühne betritt, dann muss sich die Zuversicht warm anziehen. Was immer Friedrich ankündigt, verspricht, zusagt oder prognostiziert, die Wirkung seiner Worte ist nur noch vergleichbar mit dem Einschlag eines gewaltigen Meteoriten. Denn nichts bleibt so, wie es vorher einmal war.

Seine von kosmischer Gewalt geprägten Sprach-Treffer lösen mittlerweile in der Bevölkerung Angst und Schrecken aus, auch wenn die angekündigten Ereignisse entweder ausbleiben oder sich gänzlich anders entwickeln als vorhergesagt. Was bleibt sind Ratlosigkeit, Zweifel, Depression bis hin zur Agonie. Manch einer steht gar vor dem mentalen Nichts oder vor einem gähnenden Loch der Ungewissheit. 

Und hier begebe ich mich auf die Ebene philosophischer Metaphern. Ich wills mal so sagen: Wenn der Mensch den Begriff Loch hört, assoziiert er sofort. Manche denken an ein Sommerloch oder an ein schwarzes Loch, manche an ein Knopfloch und wieder andere an Lars Klingbeil, Felix Banaszak oder, wenn es ganz hart kommt, sogar an Heidi Reichinnek.

Nein, man darf Löcher keineswegs unterschätzen. Sie sind die Grundpfeiler unserer Gesellschaftsordnung, und, das möchte ich hinzufügen, besonders solche nicht, die unser visionärer Friedrich in die politische Glaubwürdigkeit unserer Regierung reißt. Ich möchte die Denklöcher unseres verbalen Kraftmeiers anhand einiger Beispiele verdeutlichen. Vor wenigen Tagen rüttelte der Kanzler sein arbeitsscheues Volk mit markigen Appellen auf und überzog es mit provozierenden Vorwürfen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse seien nicht zufriedenstellend, die Arbeitsmoral der Deutschen sei miserabel und die ökonomische Perspektive sei beunruhigend. Zwar sorgt unsere Regierung proaktiv für andauernden Nachschub fleißiger und hoch motivierter Fachkräfte, auch, weil unsereiner prinzipiell auf der faulen Haut liegt. Und was passiert. Jene hoch qualifizierten Helfer reißen exorbitante Löcher in unsere Sozialkassen. 

Kein Wunder, wenn sich Stimmen aus dem irdischen Jammertal erheben und sich mit Recht fragen: Woher kommen die höchsten jemals eingenommen Steuern von mehr als einer Billion Euro, wenn nicht durch die schuftenden Heloten eines unersättlichen Staates. Und da selbst das noch nicht ausreicht, ist die Regierung dazu übergegangen, die Atemluft mit knapp 20 Milliarden Euro zu besteuern. Hier wiederum darf ich den Bogen schlagen und das von unseren Regierungsmitgliedern selbst geschaufelte, bodenlose Loch hervorheben, wo sie nun in der Falle sitzen. 

Gleich nach der eindrücklichen Bürger-Zurechtweisung eilte der Kanzler zum Bäckerinnungsverband West in Dortmund, die ihn mit dem „Großen Stutenkerl“, einer Backware mit Rosinen, dekorierte. Mit der Verleihung des höchsten Ordens, dem "Stutenkerl", eine aus weicher Knetmasse geformten Süßspeise, darf sich der Kanzler rühmen, nunmehr auch den Ehrenvorsitz vereinigter Rosinenmännchen zu übernehmen und damit nur haarscharf am Nobelpreis vorbeigeschrammt zu sein.  

Kaum hatte die 1,92 Meter große Worthülse die besondere Bäcker-Auszeichnung entgegengenommen, hagelte es Myriaden von Meteoriten, die weitere furchterregende Finanzlöcher in den Bundeshaushalt rissen. Die gefährlichste galaktische Bedrohung nennt sich übrigens Donald, ein amerikanischer Koloss, der mit Schmackes das ökonomische Herz unserer Wirtschaftsunternehmen zu vernichten droht. Zehn bis zwanzig Prozent Strafzölle, und das alles nur, weil unsere 15-köpfige Armee in weniger als 12 Stunden die 2,7 Millionen Quadratkilometer Grönlands ausgespäht hat.

Gleich nach der niederschmetternden Nachricht aus Übersee lief Friedrich zur Hochform auf und ließ uns wissen, dass „der erste Donald“ plötzlich ein ganz anderer sei als der „zweite Donald“. Der nämlich würde tatsächlich tun, was er ankündigt. Wie kann er nur! Und in der Tat: Der amerikanische Präsident ließ seinen Worten Taten folgen und reagiert auf die deutsche Provokation in Grönland. Verschwindet augenblicklich aus meinem Eisschrank, rüffelte er das Kanzleramt. Ein echter Affront. Nun ja, unsere Kampfeinheit wurde daraufhin sofort wieder nach Hause befohlen, da nach Worten des Verteidigungsministers Pistorius der Verteidigungsauftrag, die Grenzen vor einem amerikanischen Überfall zu schützten, ohnehin erfolgreich abgeschlossen worden war.

Halten wir fest! Da gibt es einen Präsidenten, der tut, was er sagt, und da gibt es einen Kanzler, der vergisst, was er angekündigt. Ich erinnere an die Migrationswende, an die Einhaltung der Schuldenbremse, an den Abbau der Bürokratie, an die Neuordnung der Renten, an die Sanierung des Gesundheitssystems oder auch die Abschaffung des Bürgergeldes. Konstatieren wir also: Der Begriff Alzheimersyndrom, bei dem die kognitiven Fähigkeiten verloren gehen und erhebliche Orientierungsprobleme auftreten, hat einen Bruder bekommen und wird neuerdings flankiert vom „Kanzlerheimer-Syndrom“. Für den Leidtragenden selbst und in seiner Mutation für die betroffene Bevölkerung, endet diese Malaise in aller Regel dramatisch.

Schwamm drüber. Immerhin wurde Kanzler Merz mit dem höchsten und wichtigsten Bäckerei-Orden ausgezeichnet, obwohl angesichts der Energiekrise und der höchsten Strompreise weltweit, wodurch die Backöfen unserer Zuckerbäcker demnächst auszugehen drohen. Wobei wir wieder beim Loch angekommen wären. Und genau hier liegt der Hund begraben, denn auch bei einem herkömmlichen Loch gibt es allerlei Merkwürdigkeiten. Denn wenn ein Loch zugestopft wird, zum Beispiel ein Finanzloch, wo bleibt es dann? Drückt es sich seitwärts in die Materie, vielleicht bis zur Ukraine? Oder läuft es schnell zu einem anderen Loch und klagt dort sein Leid? In Peru, Afghanistan oder auch Syrien?

Wo also bleibt das zugestopfte Loch? Ist es etwa verschwunden? Niemand weiß es – nicht einmal unsere Politiker. Ich aber sage: Wo schon ein Loch ist, kann auch noch ein anderes, viel tieferes sein. Das wird einem erst so richtig bewusst, wenn man sich als halbwegs intelligenter Mensch ins Parlament begibt und dort die vielen „Armleuchter“ erleben kann. Löcher, so weit das Auge reicht. Dann, lieber Leser, dann sollten Sie bei der nächsten Wahl auf der Hut sein und darauf achten, welche verführerisch rote, bunte oder grüne Abgründe sich auftun.

Da heißt es: Prüfen, differenzieren, selektieren! Denn manche Dinge werden durch ein einziges Löchlein vollkommen entwertet. Weil an einer Stelle von ihnen etwas nicht ist, gilt nun auch das ganze übrige nichts mehr. Beispiel: Ein Fahrschein, ein Luftballon, eine Jungfrau und bei einer Wahl das gähnende Loch im Oberstübchen so mancher ambitionierter Parteigrößen. Wenn wir also sicher gehen wollen, nicht irgendwo oder irgendwann hereinzufallen, empfehle ich maximale Achtsamkeit an der Wahlurne.

Wie man es auch dreht und wendet, die Merkwürdigkeiten mit Löchern nehmen kein Ende. Selbst wenn man sich vergegenwärtigt, dass beispielsweise ein politisches A…loch nicht immer öffentlich zu bewundern ist, wir es also nicht sehen, dennoch, der hinterlassene Geruch weist deutlich darauf hin, dass es ein solches geben muss oder irgendwann unter uns weilte. Irgendwo! Vermutlich in irgendeinem Amt.

                                               

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