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Der mediale Panikreflex – Journalisten, Märchenerzähler und Kaffeesatzleser

Jetzt, nachdem das mediale Großereignis vorbei ist, die Kameras den furchterregenden Handshake der mächtigsten Männer eingefangen haben und deren beängstigende Einigkeit auf dem roten Teppich des US-Stützpunktes Elmendorf-Richardson das fernsehende Publikum nachhaltig erschütterte, stürzt die Welt deutscher Hofberichterstatter ins Bodenlose.

Wie, zur Hölle, soll man deutschen Gebührenzahlern die Bilder erklären, fragt sich die gesamte Haltungspresse, obwohl sie trotz jahrelanger digitaler Infiltration, propagandistischem Dauerfeuer und sorgsam vorangetriebener Gehirnwäsche die schlichtere Öffentlichkeit auf das einzige richtige und wahrhaftige Feindbild präpariert und kalibriert haben. Man wird jetzt in den Redaktionsstuben viel zu tun haben, den verunsicherten Bürgern klarzumachen, dass sie einer kollektiven Einbildung zum Opfer gefallen sind. Was wahr ist und was sich da tatsächlich vor unseren Augen abgespielt hat, muss uns jetzt mit alternativen Fakten erklärt und wieder ins richtige Licht gerückt werden. Der Deutsche hat zwar mittlerweile gelernt, seinen eigenen Augen nicht mehr zu trauen, dennoch müssen wir uns auf eine ausgeklügelte Dialektik unserer geschulten Meinungsbildner schon mal einstellen.

Das darf doch alles nicht wahr sein, das dürfte die Reaktion aller erfolgreich manipulierter Staatsbürger gewesen sein, als die ersten Nachrichtenclips der historischen Begegnung zweier Machthaber auf amerikanischem Boden über die Sender rauschten. Putin, der Aggressor, der per internationalem Haftbefehl gesuchte Kriegsverbrecher, die Bestie in Menschengestalt, wird mit liebenswürdigem Applaus und konzilianten Willkommenslächeln vom US-Präsidenten auf dem roten Teppich empfangen. Die nonverbale Botschaft an das irdische Jammertal in Deutschland: Gegenseitiger Respekt, Achtung, Augenhöhe und offenkundige Sympathie.

Nur der brüderliche Kuss vor den Kameras und eine herzliche Umarmung der beiden Männer bewahrte die deutschen Zuschauer an den TV-Geräten vor dem Gau ihres fremdgesteuerten Weltbildes. Sodann bestieg Wladimir, gemeinsam mit Donald „The Beast“, die gepanzerte Präsidentenlimousine. Medienwirksam schwebten sie an einer Hundertschaft knipsender und filmender Berichterstatter vorbei. Wladimir, der Russe, er lächelte triumphierend aus dem Fenster. Donald hob bauchgepinselt die Hand wie einst Queen Mom, wenn sie mit ihrer Prunkkutsche und 50 Pferden aus dem Buckingham-Palast rollte und dem jubelnden Volk am Straßenrand ihre gnadenvolle Referenz erwies.

Und während unserem Friedrich, überwältigt von der eigenen Bedeutungslosigkeit, angesichts des Geschehens in Anchorage an seinem Katzentisch im deutschen Nirwana schier der Atem stillstand und er nur noch mit letzter Kraft die Entgleisung seiner Gesichtszüge verhindern konnte, entschwand der präsidiale Konvoi in Richtung Konferenzort. Fassungslos und ihrer Wichtigkeit beraubt, mussten Fritz und die Mitglieder des „Inner Circle“ seiner Regierung zur Kenntnis nehmen, wie die beiden Machthaber in vertrauter Einigkeit die Gestaltung der Weltpolitik in Angriff nahmen. Fehlten nur noch 12 Salutschüsse und Tschingderassabum.

Für den durchschnittlichen journalistischen Schleimer war die Inszenierung nicht nur ein Affront, sie war der Schock schlechthin, den man weder mit Standard-Framings noch mit gewöhnlichem Lügenvokabular kommentieren konnte. Nein, da mussten sich unsere Schreiberlinge, Moderatoren, Tagesschausprecher und Reporter einer Staats-erfüllenden und kreativer Rhetorik bedienen, um die von Schlichtheit geschlagenen Fernsehkonsumenten auf den Sofas, Sesseln und an ihren Wohnzimmertischen wenigstens einigermaßen auf Spur zu halten.     

Die alternativen Interpretationen und märchenhaften Reportagen ließen nicht lange auf sich warten. Allen voran: Politikwissenschaftler und USA-Experte Thomas Jäger. „Putin braucht Trump nicht zu fürchten, er hat den US-Präsidenten in der Hand.“ oder auch: „Putin habe keine Anzeichen gemacht, von seinen Positionen im Ukraine-Krieg abzurücken.“ Schön auch die Überschrift einer besonders vertrauenswürdigen Zeitung aus dem Süden: „Trump-Gipfel ist eine Katastrophe. Er kann kein Ergebnis vorweisen.“ Der Höhepunkt einer weiteren Headline: „Trump kehrt wegen eines unvorbereiteten Teams an seiner Seite wie ein geprügelter Hund heim.“

Selbstredend meldeten sich auch Dutzende Polit-Experten, Professoren und andere staatsaffine Schwätzer zu Wort, die zwar allesamt nicht einmal in der Nähe des Konferenzortes waren, nichtsdestoweniger aus Mimik und Gestik der Protagonisten, sowie aus dem Inhalt buschtrommelnder Informanten und sogenannter Insider lückenlos ableiten konnten, welches vermutliche Horrorszenario dem deutschen Fernsehzuschauer bevorstehen wird. Immerhin: Putin bombt weiter. Nun ja, meine Prognose: Die Ukraine wird filetiert, während unsere feuereifrigen „Strack-Zimmermänner“ und „Kiesewetters“ weiter empört und kriegslustig ihre Messer wetzen. Unserem „Bundesfritz“ bleibt keine andere Wahl, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, genauer gesagt, mit der Attitüde der Entschlossenheit dem russischen Präsidenten die Stirn zu bieten. 

Dass sowohl Deutschland als auch unsere europäischen Verbündeten sozusagen als „non grata“ zu Hause bleiben mussten, zumal für den Amerikaner deren „unmaßgebliche Meinung“ über den „Chefschnorrer“ der Ukraine und dessen Zukunft nicht gefragt war, macht den interpretatorischen Aufwand für die heimischen Steuerzahler noch komplizierter. Denn wie will man die gerupften Bürger weiterhin motivieren, auf Pump generierten Milliardensummen an Wolodymyr zu überweisen und den Export von Waffensystemen kritiklos in ein Kriegsgebiet schicken und die Akzeptanz aufrechterhalten, wenn die Zukunft der Ukraine ohnehin besiegelt sein dürfte.

Am kommenden Montag muss Selenskyj im Oval Office des Weißen Hauses antreten und strammstehen. Ich fürchte, der Chefkokser der Ukraine Selenskyj wird dort vom großen Donald seinen Einlauf erhalten und mit zusammengeschlagenen Hacken dessen Orders entgegennehmen. Sorgen muss man sich also nicht machen, denn die Rollen sind klar. Trump wird seine Daumenschrauben nicht auspacken müssen. Wolodymyr wird parieren, ob er will oder nicht.

Zwar wäre Friedrich bei dieser Befehlsausgabe im Weißen Haus gerne dabei gewesen, - schon des eigenen ramponierten Images wegen -, aber wie sagt ein deutsches geflügeltes Wort so treffend. Da will einer mit den großen Hunden pissen gehen und kann das Bein nicht heben. Wie man hört, hat sich Fritz medial aus dem Fenster gelehnt und sich schon mal selbst zum Gespräch im Weißen Haus eingeladen. Mit im Schlepptau, Frau von der Leyen. Dort, so hat er angekündigt, wolle er dem Präsident Trump klarmachen, dass er und Europa unumstößlich an der Seite der Ukraine stehen. Aber der aufmerksame Fernsehkonsument weiß seine Worte inzwischen einzuordnen. Selbst Israel weiß ein Lied von Friedrichs Unumstößlichkeit zu singen.

Machen wir uns also besser keine Gedanken über die Worte und Ankündigungen unseres Kanzlers, zumal sie ja von unserer Qualitätspresse "angemessen" verbreitet werden. Das Merz'sche Vokabular: "Putin muss" oder "wir werden uns stark machen", hat weder bei Putin noch bei Trump die geringste Relevanz. Die Weltpolitik findet ohne Fritz und Europa statt und unser schönes Steuergeld ist futsch. So viel ist sicher.

                                      

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Kommentare

  1. Merz hat nach eigenem Bekunden keine Angst vor einem Atomkrieg, wähnt Frieden nur auf dem Friedhof und droht Russland mit Taurus-Raketen. Rational denkende Menschen wie Trump und Putin ignorieren diesen Psycho bestenfalls noch.

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