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Politische Schwurbelfachkräfte, Fake-News-Meister und ideologische Leistungsträger

Alter Falter – in diesen Tagen kommt man bei der Berichterstattung politischer Paukenschläge kaum hinterher. Wenn der unschuldige Bürger bei seinem morgendlichen Informationsanliegen versehentlich auf den Kanälen unserer Qualitätsmedien landet, erhält er gegen eine bescheidene Monatsgebühr weit mehr, als er mental jemals verkraften kann.

So ging es mir heute Morgen. Kaum hatte ich die Fernbedienung meines TV-Gerätes betätigt, erreichten mich die neuesten Verbal-Pläne unseres Kanzlers. Ja, man kann sagen, Friedrich Merz hatte wieder einmal als intimer Kenner seiner eigenen Gedanken vor einem großen Publikum den großen Auftritt beim „politischen Aschermittwoch“ in Trier. Erlauben Sie mir, liebe Leser, dass ich zu diesem Anlass kurz in die Antike abschweife. Alle kennen ja das berühmte geflügelte Wort der alten Römer, - so um die Zeit von Kaiser Nero -, das sich bei Fritz als verlässliche Verhaltensnorm tief verankert hat und uns regelmäßig zum Staunen bringt.

𝐐𝐮𝐢𝐝𝐪𝐮𝐢𝐝 𝐚𝐠𝐢𝐬, 𝐩𝐫𝐮𝐝𝐞𝐧𝐭𝐞𝐫 𝐚𝐠𝐚𝐬 𝐞𝐭 𝐫𝐞𝐬𝐩𝐢𝐜𝐞 𝐫𝐞𝐬𝐩𝐢𝐜𝐞 𝐟𝐢𝐧𝐞𝐦, so sagten die römischen Philosophen einst, - was im übertragenen Sinne so viel heißt, wie: Bei allem, was man sagt, ist man hinterher immer klüger, weil man später genau weiß, wie man es eigentlich formulieren wollte, damit es so geklungen hätte, wie man es ursprünglich gemeint hat. Würde man aber all das, was man am Anfang versprochen hat, gar nicht erst einhalten, wäre es am Ende trotzdem nicht so, wie es hinterher die Leute verstanden haben. 

Natürlich wäre es für Fritz möglich gewesen, gleich zu Beginn alles rückgängig zu machen, damit sich alles so anhört, wie er es zwar vorher nicht sagen wollte, jetzt aber leider nicht mehr zu ändern ist. Fritz - wie er leibt und lebt!  Es kommt nicht von ungefähr, weshalb die Bürger die klaren Ansprachen unseres Kanzlers so sehr lieben und auf seine knallharte Verlässlichkeit bauen. Wir dürfen also gespannt sein, was wir bei den geplanten Steuerreformplänen erwarten können.

Wir erinnern uns alle noch lebhaft an seine Wahlversprechen, die uns Bürgern stets sehr viel Freude gemacht haben. Jetzt heißt es: Friss oder stirb - man kann natürlich auch die AfD wählen. Doch zurück zum Aschermittwoch. Fritz warnte seine begeisterten Zuhörer und Parteigenossen – nicht zuletzt auch aus aktuellem Anlass -, vor Fake-News. Er will, so seine Worte, die Nutzung von sozialen Medien für die Jugendlichen einschränken, weil sie beim Konsum von KI-Videoclips zu Feinden seiner Demokratie und damit auch seinen Gegnern werden. 

Natürlich sind diese respektlosen „Hosenscheißer“ eine ernst zu nehmende Gefahr für unser Land und seine Kanzlerschaft, zumal sie sich lieber in sozialen Netzwerken kundig machen, als an ihn und die öffentlich-rechtlichen und unabhängigen Schwurbelfachkräfte zu glauben. Aber dem will Fritz auch einen Riegel vorschieben. Klarnamen und Einloggen soll Pflicht werden, damit die Polizei schneller durchgreifen kann, sollte jemand AfD-affin sein oder einen Witz über unsere baumlange Worthülse reißen. Klarnamen bei illegalen Grenzüberschreitungen haben allerdings weniger Relevanz. Nun ja, so manche Prioritäten unseres Herrn Fritz bleiben uns verborgen. 

Erschwerend kommt hinzu, wie unsere lebende Wortgirlande betonte, dass er von einer zweiten Amtszeit ausgeht und schon deshalb Kritik so gar nicht gebrauchen kann. Das ist in der Tat ein Problem, wenn ich das so sagen darf, da ich immer wieder an mir selbst zweifle, wenn ich diesem Fritz zuhöre. Halten wir hier einmal fest: Meine Stimme kriegt er nicht, ich verteidige sie bis zum letzten Blutstropfen.  

Gut, gut, es lachte der ganze Saal über den frommen Kanzlerwunsch, dennoch war ich von dessen Worten nicht restlos überzeugt. Sprechen wir es doch offen aus: Man kann sich nie sicher sein, ob der Friedrich gerade auf einem Parodie- oder Satire- Account eines windigen Senders zum Volk spricht oder ob Fritz tatsächlich meint, was er im ZDF oder in der ARD gesagt hat.

Immerhin habe ich während der Rede des Kanzlers erfahren, dass der Ukrainekrieg jetzt schon 4 Jahre und damit länger tobt als der zweite Weltkrieg, der, wie wir alle wissen 6 Jahre andauerte. Ob diese Tatsachenbehauptung unseres Kanzlers nun als Fake-News einzuordnen ist oder nicht, übersteigt meine Kompetenz. Zum Glück wechselte er das Thema, bevor ich "googeln" konnte und leitete inhaltlich über zu unserer schönen Energiewende. Ja, sicher – auch ein wichtiges Thema, an das sich viele Leser bereits gewöhnt haben. Aber musste es wirklich sein, dass unser Fritz wie aus heiterem Himmel plötzlich erklärte, dass nicht alles mit Windkraft und Sonne zu regeln sei und uns der verfügte energetische Öko-Wahn umbringen wird? Was soll jetzt nur mit unserer habeck‘schen Heißluft werden? Dürfen wir die Luftöfen behalten?

Wie man sieht, kann der Zuhörer nie einschätzen, ob Fritz vorher denkt, wenn er etwas sagt, weil wir nicht wissen können, ob es auch Sinn ergibt, wenn er sich etwas überlegt hat. Und selbst wenn, kommen bei uns leise Zweifel auf, ob er auch daran glaubt, was er sagt. Ich will jetzt nicht päpstlicher sein, als der Papst, aber ich war bei seiner Rede bereits nach fünf Minuten dermaßen verwirrt, dass ich seine nächste Botschaft nur noch im traumatischen Zustand wahrnehmen konnte.

Mit energischem Timbre in der Stimme orderte unser Kanzler einen Mentalitätswechsel zu mehr Leistungsbereitschaft, um das Land wieder nach vorn zu bringen. „Lifestyle und Vier-Tage-Woche. Alles schön, kann man alles machen. Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, dann müssen wir jetzt alle mal zusammen 'ins Rad packen'.“ Nun ja, schön und gut, aber wir Deutsche fahren eigentlich lieber Auto. Aber was will‘ste machen, lieber Fritz, wenn die meisten großen Arbeitgeber die 'Koffer packen' und das Weite suchen? Dann, lieber Fritz, gibt’s in Deutschland nur noch Lifestyle, allerdings eher bei unseren Sozialgästen als bei den deutschen Arbeitslosen. 

Wieder aufgerichtet hat mich allerdings die Tatsache, dass wir bei Olympia im Bobfahren und den Rodlern jede Menge Medaillen erzielt haben, was mich hoffen lässt. Wenn es abwärts geht, sind wir einsame Spitze. 

                                           

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