Dienstag, 28. März 2017

Deutschland - einem Volk wird endlich geholfen

Geht in Unternehmen etwas schief, geben Deutschlands Wirtschaftsbosse und Politiker folgende Begründungen:

A. Zockende Banken.
B. Wettbewerbsverzerrende Rahmenbedingungen.
C. Unternehmerfeindliche Wirtschaftspolitik.
D. Ruinöse Konkurrenz
F. Die Griechen und Japaner
G. Ausländer

Mal ehrlich! Sind wir nicht alle ein wenig selbst daran schuld, wenn uns längere Arbeitszeiten bevorstehen? Wachen wir doch endlich auf! Es muss ein Ruck durch Land gehen, damit der so ersehnte Aufschwung kommt! Seit der Wende hat sich so gut wie nichts getan. In der DDR suchte man jemanden, der das hatte, was man brauchte, heute, da wir vereint sind, suchen wir jemanden, der das braucht, was wir haben.



Was soll der Unfug mit der 40-Stunden-Woche? Und wer bitte will sechs Wochen Jahresurlaub, den sich ohnehin kein Mensch mehr leisten kann? Manchmal muss man die Menschen eben zu ihrem Glück zwingen. Denn wie spricht der Vorstandvorsitzende von Daimler, der Schnauzbärtige: »Die Leute gehen gerne zur Arbeit! Bei uns findet kein Frondienst statt!« Recht hat er! In Zukunft sollte an den Eingangspforten der Unternehmen Eintritt verlangt werden.

Es wird Zeit zu handeln! Weg mit dem Feiertags-Brimborium! Weg mit dem Urlaub! Vergeudete Tage, die den Arbeitsrhythmus unterbrechen und dem landesweiten Müßiggang Vorschub leisten. In Vorstandsetagen der Konzerne hat man kürzlich in „Mind-Review-Seminaren“ den Begriff Freizeit neu definiert. Demnach ist Urlaub, den man den Arbeitnehmern in Zukunft gewährt, nichts weiter als ein Hinweis darauf, dass ein Unternehmen auch ohne sie auskommt. Müssen wir unbedingt Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern? Und was ist mit den Kartoffelferien, Allerheiligen, Fronleichnam und Heilige Drei Könige? Letztendlich bedeuten solch überflüssigen Arbeitsunterbrechungen nichts weiter als Geldausgaben für Urlaube, Restaurants und Erlebnisparks oder ähnlichem.

Nehmen wir als Beispiel die Sommerferien. Eine geradezu gemeingefährliche Veranstaltung! Anstatt wir uns der erholsamen Arbeit widmen und uns an Montagebändern die Zeit vertreiben, quälen wir uns im Sommer in kilometerlangen Staus über den Brenner, manche sogar über den St. Gotthard. Überall lauern Unfallgefahren oder Autopannen. Nörgelnde Kinder auf dem Rücksitz, dazwischen die inkontinente Oma, infernalische Hitze, der Hund sabbert Mutti auf die frisch gewaschenen Jeans, und dann noch die Autobahngebühren! Links und rechts der Autoschlangen, genervte Miturlauber und Wohnmobile aus Recklinghausen, Bottrop, Castrop-Rauxel und Holland.

Ich kann die Deutschen nicht verstehen. Sie fahren 1.500 Kilometer in den Süden und träumen davon, am Strand zu liegen, was früher das Schicksal von Schiffbrüchigen war. Teutonen fliehen aus ihrem relativ kühlen Land in die Sonne und suchen dann den Schatten. Doch kaum sind sie an südlichen Gestaden angekommen, entdecken sie, dass die Sonnenschirme an Österreicher, Engländer und Schweden vermietet sind. Den Verleiher freut es, kann er doch zu Wucherpreisen den höchst bietenden teuren Schatten spenden. Dann legen sie sich in die Sonne und braten vor sich hin, um hinterher so auszusehen, wie der dunkelhäutige Besucher aus Afrika, den sie auf keinen Fall als Nachbar haben wollten. Mit stoischer Ruhe ertragen sie gestresstes Hotelpersonal, hellhörige Appartements, überschwemmte Campingplätze, unfreundliche Kellner, gesalzene Preise und mit Bakterien verseuchte Pools.   

Weihnachten ist auch nicht besser! Die pure Hektik. Schon Wochen vorher die Lauferei der Geschenke wegen. Verwandtenbesuche, Völlerei und Familienstreit unterm Lichterbaum. Weshalb tun wir uns das überhaupt an? Wo es doch so erholsam hinterm Schreibtisch oder an der Karosseriepresse ist! Zu Hause steht die Villa leer und im Urlaub bezahlen wir Wucherpreise für ein Zimmer auf Sozialwohnungsbau-Niveau! Ein Glück, weitsichtige Unternehmer haben ein Einsehen mit dem frustrierten Bürger. Zum Wohle des Landes ringen sie Gewerkschaften nieder und geben ab sofort weniger Menschen noch mehr Arbeit und ihnen damit die einmalige Chance, das Bruttosozialprodukt signifikant zu erhöhen.

Die 48-Stunden-Woche ist en vogue, angestrebt ist bis Ende 2017 die 60-Stunden-Woche, wobei in drei Schritten das Rentenalter auf 82 herauf gesetzt werden soll. Die innovativen Neuerungen bringen nicht nur eine deutliche Kostenreduktion, sondern auch eine deutliche Entspannung in der Rentenkasse. Pflegeversicherungen entfallen, Rentenzahlungen werden nur noch einmal im Quartal fällig, entfallene Feiertage erhöhen den Familienfrieden und damit die Arbeitsmotivation. Überdies haben wir keine Zeit mehr, unser Geld für Unnützliches auszugeben. Ich persönlich würde den Reformschritt noch konsequenter beschreiten, als Merkel dies tut! Was soll der Unsinn mit den Mindestlöhnen? Gewerkschaften und Betriebsverfassungsgesetze könnten umgehend außer Kraft gesetzt, Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte als Volksschädlinge in Arbeitslager verbannt werden.

Ich plädiere für die 140 Stunden-Woche für Bürger im Alter zwischen 18 und 39 Jahren. Wollen wir mit Amerikanern oder Japanern hinsichtlich Wachstumsraten gleichziehen, wären noch schärfere Maßnahmen nötig. Merkel – sofern noch im Amt, könnte in der Agenda 2020 die Leibeigenschaft von Arbeitnehmern ab dem 16.ten Lebensjahr vorsehen. Würde sich die Wirtschaft dieser Idee nicht verschließen – woran meines Erachtens kein Zweifel besteht, könnte man jedem Werktätigen und Angestellten ab dem vollendeten 40.ten Lebensjahr verbindliche Kündigungszusicherungen und gesellschaftliche Ausgliederungsgarantien geben. Zum Glück haben sich seit 2014 etwa 75% der arbeitenden Bevölkerung als Leiharbeiter verdingt, womit sich das Problem überflüssiger Rentenzahlungen in den nächsten Jahren erledigt haben wird.

Aus der CDU-Zentrale verlautete, dass eine 100%ige Zeitarbeitsquote als zukunftsweisendes Projekt der Bevölkerung zwar schwer vermittelbar, wenn jedoch plausibel kommuniziert, durchsetzbar sei. Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger werden, nachdem sie Schmuck, Restvermögen und Wertgegenstände abgegeben haben, nach Südafrika deportiert. Dort hat man bereits zugesichert, ausreichende Areale für zu errichtende Rentner-Townships zu Verfügung zu stellen. Eingezogene Sparguthaben sogenannter Spätaussiedler werden als Sonderprämien für verarmte Regierungsmitglieder verwendet. Die CSU ist sogar bereit, noch einen Schritt weiter zu gehen und diskutierte Suizid-Prämien für Arbeitnehmer über fünfzig! Ein immenses Rationalisierungspotential, das nicht nur VW, Siemens und den Großbanken wieder auf die Beine helfen würde!

Für Sozialschmarotzer und ewige Studenten wäre auch die Umsiedlung nach Nepal denkbar. Hierfür wären lediglich Verpflichtungserklärungen unter der Prämisse: „They never come back“ abzugeben oder in hartnäckigen Fällen Ausbürgerungsurkunden auszustellen. Im Gegenzug finanziert die Agentur für Arbeit und Unsoziales die Umschulung der Leistungsverweigerer zu Lastenträgern für Extremtouristen. So manchem Pensionär mit Geld könnten angenehme Ferientage in luftiger Höhe beschert werden. Alternative Urlaubsziele für den geschmälerten Urlaub besonders engagierter Arbeitnehmer könnten Somalia und der Sudan sein. Erlebnistourismus pur - urlaube Dich schlank!

Lasst uns den Rest der Welt mit deutschen Qualitäts-Produkten überschwemmen! Keine Frage, ein solches Aufbäumen bedarf einiger Anstrengungen, hätte aber zweifellos auch eine soziale Komponente. Wenn wir dem Überangebot an Waren mit völligem Konsumverzicht begegneten, könnten mit einem Schlage alle unwirtschaftlich arbeitenden Müllverbrennungsanlagen ausgelastet und wenigstens kostenneutral betrieben werden. Arbeitsplätze auf Verwertungsanlagen wären gesichert und die Kommunen hätten ein stichhaltiges Argument, Müllgebühren zu erhöhen. Motto: Produktivitätserhöhung für Waren sorgt für Produktivitätsgewinn in der Müllverbrennung. Entsorgt wird in Zukunft ohne lästige Umwege über den Verbraucher.

Zeigen wir es den anderen, westlichen Nationen und verzichten auf Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall oder völlig überflüssigem Zahnersatz. Deutschland braucht keine Zahnärzte, sondern eine größere Bereitschaft zur Ausbeutung. Lasst uns auf dem Zahnfleisch zur Arbeit kriechen und beweisen wir unseren erfolgreichen Nachbarländern, dass wir die Sahelzone, den Tschad und die Elfenbeinküste mit Kaffeemaschinen, Kühlschränke und Handys aus heimischer Fertigung zu überschwemmen in der Lage sind. Längst wäre das deutsche Volk imstande, mit Hilfe von Bundeswehr-Kampfjets über Burkina Faso solche Mengen von Verfallsdatum betroffene Medikamente abzuwerfen, dass von dem Land nichts mehr zu sehen wäre.

Liefern wir endlich Mercedes, Porsche und andere Luxuskarossen zum halben Preis an Dritte-Welt-Länder und in Krisengebiete, damit Verfolgte, Unterdrückte und Ausgebeutete effektiver ihren Peinigern entkommen. Statt Auffanglager und unwürdige Zeltunterkünfte entstünden riesige Parkplätze. Parkhausfirmen würden sich in den Wüsten und Savannen ansiedeln und mit ihnen Tankstellenpächter, Fast-Food-Läden und Reparaturwerkstätten. Enorme Gelder für Blauhelme und Nato-Einsatztruppen würden eingespart. So beweisen wir dem Rest der Welt, wie wir mit geringem Aufwand ein Maximum an aktiver Wirtschaftshilfe leisten.

Was hält uns zurück, bei unseren Finanzämtern Anträge auf Abtretung all unserer Einkünfte zu stellen? Wer wollte uns daran hindern, Zweitwagen und Ferienwohnungen an bedürftige Asylanten zu verschenken? Was spräche dagegen, wenn wir unsere gehorteten Schwarzgelder in der Schweiz notleidenden Lehrern und unterbezahlten Kabinettsmitgliedern zu Verfügung stellten? In unserer wirtschaftlichen Situation ist geradezu grotesk, Erbschaften anzutreten oder gar von Omi einen Zweihundert-Euro-Schein anzunehmen, wenn uns gleichzeitig bewusst wird, dass die mageren Diäten unserer Politiker kaum ausreichen, um deren bejammernswerten Lebensstandard zu sichern. Es ist ohnehin eine Schande, wenn wir Vorständen und Wirtschaftsführern Gehälter und Ablösesummen neiden, oder gar Prozesse gegen Bankmanager führen, obwohl sie sich unermüdlich für ihr eigenes Wohl eingesetzt haben. In diesem Sinne appelliere ich an den Stolz aller Bürger mit dem Satz: Arbeit nehmen ist seliger als Arbeit geben - packen wir’s an!

Wie sagte doch schon Voltaire: Arbeit befreit uns von drei Übeln: Langeweile, Laster und Not. Welch ein großartiger Philosoph! Aber wie es scheint, nutzen uns weder Philosophen noch Wirtschaftweisen, solange wir nicht begriffen haben: Wir liegen nicht im Wettbewerb mit anderen, sondern mit unseren Irrtümern! Mögen auch manche Vorschläge übertrieben erscheinen, immerhin beweist unsere Polit-Elite Flexibilität hinsichtlich neuer Denkansätze. Motto: Eine entsagende Nation zeigt Flagge! Wir sind wieder wer!