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Eine profilneurotische, politische Kaste kämpft ums Überleben

Jeder Manager, jede mittlere Führungskraft in der Industrie, jeder Mitarbeiter, der eine Abteilung oder ein Ressort zu verantworten hat, kennt die Regel: Macht ohne Führung ist schon blöde genug. Führen ohne Macht ist allerdings an Dämlichkeit nicht zu überbieten. Das gilt für den Staat genauso wie für Parteien. Wie eine solche Situation enden könnte, kann man an jedem zweiten Unternehmen ablesen, das Pleite gegangen ist.



Nirgendwo in unserer Gesellschaft kann man diese Situation besser mitverfolgen, wie gerade bei der CDU und den Sozialdemokraten. Derzeit beschäftigen sich die Parteien in sogenannten Selbstzerfleischungsorgien mit Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblemen, weil ihnen nicht nur die Wähler abhandengekommen sind, sondern weil ihnen jetzt auch noch die Felle in Sachsen, Brandenburg und Thüringen davonschwimmen. Derzeit sind beide Parteien ohne echte, führende Kraft. AKK kanns nicht, Merkel will nicht, Nahles ist nicht (mehr). Man sieht es den Mienen unserer Elite an, dass das Damoklesschwert über ihren Köpfen schwebt. Und dennoch tut jeder Beteiligte im Politgeschäft so, als sei man selbst Erfinder des Steins der Weisen.

Ich gebe zu, Schadenfreude kommt auf, wenn man die hyperaktiven Wortschöpfer und Metaphernklemptner im Plenarsaal bei ihrer Arbeit beobachtet. Profilneurotische Minister und Staatssekretäre sogenannter Volksparteien versuchen nach den letzten Wahlschlappen panisch ihre Pfründe zu sichern, indem sie aus sicherer Deckung heraus nicht nur die Konkurrenten anderer Parteien in Hinterhalte locken. Auch für die eigenen Parteifreunde sind die Messer gewetzt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hinter jedem Busch hinterfotzige Sophisten lauern und zum Zwecke des klammheimlichen Meuchelmordes übelste Gerüchte in Umlauf bringen. Manchmal auch prophylaktisch. Zunächst gilt es natürlich, Populisten – und das sind stets die anderen – mit Vorwürfen, Versäumnissen und Unterstellungen zu überziehen oder wahlweise, wenn eigene Argumente obsolet sind, das Fehlverhalten der anderen anzuprangern.

Ich will ganz offen sein. Ob Frau Nahles im Nirwana der Hocheifel verschwunden ist, Merkel verbissen schweigt, Kevin Kühnert Präsident werden will oder Friedrich März politische Tretminen auslegt, ob Stegner über Seehofer herzieht oder Julia Klöckner Werbefilme mit Nestlé dreht, löst weder Rentenfragen noch Mietprobleme – erledigt weder die Flüchtlingskrise noch die arabische Clankriminalität. Auch die Frage, ob AKK Kanzlerin kann oder Ursula von der Leyen ihre eigene Verwandtschaft mit Beratermandaten versorgt, verbessert kaum die Kampfbereitschaft des uniformierten Bundeskinderhortes oder gar den Notstand in der Pflege.

Und während die Genossen und die christlichen Parteivorturner das politische Klima in den eigenen Parteizentralen verhunzen, gehen Greta und ihre Anhänger unter Hinterlassung von tonnenweise Fast-Food-Müll auf Freitagskundgebungen und retten die Erde. Immerhin hat unsere Umweltministerin mit einer bahnbrechenden Entscheidung Strohhalme und Q-Tips verboten und den Export von Plastiktüten nach Afrika unterbunden. Jetzt geht es dem Wetter an den Kragen. Ich bin gespannt, wann Hagelschlag und Tornados auf die Boykottliste gesetzt werden, zumal sie das beschissene Weltklima bestätigen.

Nun ja, ich bin kein Experte und muss mich daher auf die überzeugenden Argumente von Annalena Baerbock verlassen, die mich kürzlich - und ohne rot zu werden -, in einer Fernsehsendung aufklärte, dass jeder Deutsche jährlich 9 Gigatonnen Plastikmüll produziert. Dass es nur 9 Tonnen je Einwohner sind, mag an ihrem mathematischen Unvermögen liegen oder auch an ihrer geringen Vorstellungskraft, um wie viele Nullen es sich bei dem Terminus "Giga" handelt. Trotzdem sind 9 Tonnen ne Menge Holz, aber gleich 9 Milliarden Kilogramm pro Kopf…? Mit dieser Menge könnten die 70 Millionen Deutschen halb Afrika zuschütten. Schwamm drüber - wie ich bereits sagte – Experten der Grünen wissen eben mehr als ein herkömmlicher Bürger.

Denn beinahe stündlich schleicht sich irgendein Mandatsträger in einen Sender oder zu einer Zeitung, um seine eigene Sicht der Dinge selbstlos und mit dem Nimbus höchstmöglicher Seriosität unters Volk zu bringen. Andere wieder bevorzugen TV-Sender, schon deshalb, weil sie wissen, dass immer mehr Menschen der FAZ, dem SPIEGEL oder der WELT misstrauen. Regierung und Parteien reagieren auf Kritiker mit aus Steuermitteln gut bezahlten Experten und Wissenschaftlern, um in unterhaltsamen Fernsehsendungen dem misstrauischen Zuschauer das Gegenteil dessen zu beweisen, was sie selbst verbockt haben.

Und damit man gut gerüstet ist und in den Zirkusnummern bei Anne Will oder Maybritt Illner kompetent rüberkommt, bringt jeder noch so schlichte politische Selbstbeweihräucherer eine große, mentale Lostrommel mit, aus der er sich, gleich welche Fragen auch immer gestellt werden, eloquent bedienen kann. Neben den gängigen Konjunktiven wie: wir könnten, müssten, hätten, sollten schon längst…, aber unsere politischen Gegner verschleppen, verhindern, blockierten oder torpedieren dringend nötige Maßnahmen. Spätestens, wenn ein Journalist hartnäckig insistiert, erfolgt der Griff in die Lostrommel, aus der man eine der Standardweisheiten entnimmt und dann mit staatstragender Miene vorträgt.

Die zurzeit beliebtesten Antworten bei den omnipräsenten Parteigrößen lautet: „Es ist kontraproduktiv, zu diesem Zeitpunkt Personaldebatten zu führen“, dicht gefolgt von der Einlassung: „Lassen Sie uns über Sachthemen sprechen.“ Gerne genommen wird auch der Hinweis: „Wir müssen über Inhalte sprechen.“ Danach folgen semantische Highlights wie: „Wir haben schon immer gesagt…“, oder „…wir sind auf einem guten Weg.“ Ein Politiker ist also stets in der Lage, mit fünf Floskeln und unter Zuhilfenahme nichtssagender Füllwörter alle aktuellen, politischen Fragen zu beantworten.

Wenn ich einmal davon absehe, dass mir bis heute noch niemand erklären konnte, was, bitteschön ein Sachthema sein soll, oder in einer Talkshow mir noch niemals ein Politiker verraten hat, worum es sich bei dem Hinweis auf Inhalte handelt, die so ziemlich jeder dringlichst einfordert, bringt keiner der politischen Karrieristen den Mut auf, vertiefend auf Inhalte und Sachthemen einzugehen. Es könnte ja ein Fehler sein, etwas Substantielles zu sagen.

Unterstellen wir einmal, dass die Känguru-Nummer von Heiko Maas in Teheran – also große Sprünge mit leerem Beutel – ein interessantes "Sachthema" gewesen wäre, dann stellt sich doch mit Recht die Frage, weshalb der Kerl überhaupt dorthin gereist ist. Man darf aber sicher davon ausgehen, dass er mit der Antwort aus der Lostrommel aufgewartet hätte: „Wir sind mit unseren Vermittlungsversuchen bei den Atomverhandlungen auf einem guten Weg“. Ach Gott…, Hauptsache, wir waren wieder einmal 5 Minuten wichtig und trotzdem hat ihn niemand nach dem Erfolg gefragt.

Als Bürger möchte man verzweifelt seufzen angesichts eines nie gekannten politischen Dilettantismus, der überdies auch noch von Raffgier, Selbstversorgung und taktischer Machtgeilheit geprägt ist. Ich bin ehrlich, wenn ich behaupte, dass es den derzeitigen Akteuren bald gelingen wird, unser Land vollends zu ruinieren.


Kommentare

  1. Zum Weiterlesen bietet sich folgendes Buch an
    Widerworte: Warum mit Phrasen Schluss sein muss
    von Alexander Kissler

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  2. wenn man Jahrzehnte lang einen Staat von Lobbyisten regieren lässt, kommt gerne mal die daraus resultierende Tragweite zum Vorschein. Da ja die Großmogule unser Land "erfolgreich" regieren, kann man ja ruhig Hilfsschüler auf Ministerposten setzen, ist ja lange genug gut gegangen. Jetzt, Surprise-Surprise, kippt die Stimmung allmählich und der Mob erdreistet sich doch tatsächlich Kritik an der Regierung zu üben. Ok, dann regieren wir jetzt halt erst einmal wieder selber, bis sich die Lage beruhigt hat . Shit.....wir brauchen kompetente Mitarbeiter, was tun? Beim Jobcenter anfragen, Indeed beauftragen? Viel zu kompliziert, wir versuchen es erstmal mit dem, was wir haben. Hat Uschi vorgeschlagen, klappt beim Militär seit Jahren schon prima, die Referenzen sind hervorragend. Wenn alle Stricke reißen betreiben wir Entwicklungshilfe halt umgekehrt und holen uns Rat in Uganda & Co. Wie es nicht geht, das können die ja perfekt. Außerdem muß die Chose ja nur noch eine begrenzte Zeit halten, dann übernehmen das die Chinesen. Sarkastisch? Schön wär`s...….

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