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Anne Will und ihre Gäste – Zumutung oder Heimsuchung

Wieder einmal hat Anne Will eine illustre Runde von Propagandisten, Weltuntergangspropheten und Notstandsfetischisten versammelt. Und wieder einmal grüßte das Corona-Murmeltier in Gestalt von Markus Söder, der gewohnheitsgemäß voll des Lobes über die eigenen Leistungen war. Dann schob er nach: Es sei derzeit sinnlos, irgendetwas zu öffnen. Bis jetzt hätten nur 8 Prozent der Impflinge ihre zweite Dröhnung erhalten, das lohne sich eh nicht für die Gastronomen.

 


Christine Lambrecht, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz (SPD) dagegen erläuterte dem Publikum, dass Grundrechte für manche gelten sollen, für andere aber nicht und sorgte mit ihrer juristisch spitzfindigen Interpretation von Lockerungen und Freiheitsgraden für Geimpfte eher für gedämpfte Stimmung im Saal. Das dürfte insbesondere die Senioren in den Alternsheimen freuen, die seit einem halben Jahr durchgeimpft sind, dennoch in Isolationshaft dahindämmern, ohne zu wissen wie ihnen geschieht.

Wir müssten uns nur noch für eine ganz kurze Zeit in pandemischer Selbstkasteiung üben. Was aber ganz kurz bedeutet, verschwieg sie geflissentlich. Auf die Frage, weshalb man nicht schon längst wenigstens den Senioren in den Altenheimen Besuche und gemeinsames Essen im Speisesaal erlaubt, meinte die Justizministerin, man müsse noch auf Testergebnisse warten. Ja, es sei eine schwere Entscheidung für sie gewesen, aber man müsse da noch dicke Bretter bohren. Ginge es nach mir, würde ich diese Dame unter Kuratel stellen, ihr ein Einzelzimmer mit 8 Quadratmetern im Altersheim zuweisen und ihr für die nächsten 6 Monate einen luftdichten Nasenlappen verpassen. 

Nun ja, uns Bürgern wird seit einem Jahr wöchentlich erzählt, man könne das Licht am Ende des Tunnels sehen. Aber keiner dieser gnadenlos effektiven und erfolgreichen Politiker verrät uns, wie lang der Tunnel ist. Wir dürfen befürchten, dass die ganze Impf-Arie sich noch jahrelang fortsetzt, weil man ähnlich, wie bei einer Grippeimpfung, jedes Jahr neuen Stoff für irgendeine daher schwirrende Mutante benötigt.

Überhaupt, da man war sich in der Runde einig, sei man nach der kompletten Impfung ohnehin nur ein halbes Jahr immun, was ja im Umkehrschluss heißt, dass viele Alte in ihren betreuten Internierungslagern in Einsamkeit sterben und wir, die jüngeren Bürger, uns weiter von machtbesoffenen Politikern schikanieren lassen. Angesichts der atemberaubenden Geschwindigkeit, mit der die Testbürger der Pharmaindustrie mit Vakzinen beglückt werden, könnte man den Vergleich ziehen: 

Es ist in etwa so, als würde ein Malermeister seinem Gesellen einen Eimer mit roter Farbe und einen Pinsel in die Hand drücken und ihn beauftragen, die Golden-Gate-Brücke mit dem Hinweis neu zu streichen: Du machst erst Feierabend, wenn du fertig bist. Und wenn der aufmuckt, weil ein Eimer nicht reicht, wird er sich sagen lassen müssen, dass der Meister nachbestellen will, wenn der Eimer leer ist.

Zu allem Überfluss war wieder ein virologischer Bedenkenträger mit von der Partie. Martin Stürmer, einer dieser Dauer-Experten mit Schwulenbrilli im Ohr, der mit ziemlich dämlichen Risikogeschwurbel gesellschaftliche Hoffnungslosigkeit verbreitete. Das Privileg, ohne vorherigen Test draußen spazieren zu gehen, könne sich „jeder verdienen“, wenn man sich das zweite Mal impfen lässt. Aha… verdienen also! 

Zusammengefasst informierte dieser Ersatz-Nosferatu die Gesprächsrunde über die Gefahren des Lebens. Ein Nicht-Geimpfter sei ähnlich gefährlich wie ein Geimpfter, mundnasengeschütztes Vegetieren sei normal und Grundrechte aus Sicht des Virologen aufgrund der Ansteckungsgefahr überflüssig. Weshalb dann überhaupt impfen, fragt sich ein normal denkender Fernsehzuschauer. Im Anschluss warnte er eindringlich vor multiresistenten Mutanten, die uns demnächst heimsuchen werden und der Menschheit ohnehin den Garaus machen. 

Überhaupt diskutierten die Gäste über die Erteilung von Freiheiten, als handle es sich um Gnadenerlasse und Sonder-Privilegien und nicht über Grundrechte. Und nur, wer sich zwei Mal impfen und sich drei Zäpfchen in den Hintern schieben lässt, wer sich überdies einen elektronischen QR-Code in die Venen spritzt und sich täglich 9 neun Mal testet, der darf mit vorheriger Anmeldung mit dem Hund zum Friseur, wenn er drei Tage vorher einen Termin vereinbart hat. 

Lediglich Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats übte so etwas wie Kritik an der Politik. Sie sah erhebliche Versäumnisse der Verantwortlichen, die vor einem Jahr die Entwicklung hätte absehen können. Ihr Vorwurf:  die Politik reagiere stets zu langsam. Das wiederum quittierte Markus der Allwissende und über allem stehende mit missbilligendem Kopfschütteln. Dann fielen Begriffe wie Impfneid, beengte Wohnverhältnisse, Migranten und vulnerable Gruppen, was der Debatte den Anstrich völlig sinnbefreiten Geschwätzes profilgeiler Selbstdarsteller gab.

Nur Markus Söder machte uns vor dem TV-Gerät so richtig Hoffnung:  der Prozess des Impfens wird „der Alltag der nächsten Jahre.“ Und das werte ich als massive Drohung und dabei den Gedanken nicht los: Ich werde morgen oder übermorgen aufwachen und mir sagen: Das ist nicht mehr das Land, in dem ich wohnen will.

 

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