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Corona-Spaziergänger – wer nicht spurt, wird erschossen

Im Rathaus von Ostfildern scheint neuerdings ein Revolverheld vom Schlage Wyatt Earp zu sitzen, bei dem alle Sicherungen durchgebrannt sind. Wenn man nicht wüsste, dass der Oberbürgermeister Christoph Boley gleichzeitig ein Mitglied der Sozialdemokraten ist, man könnte sich bei der Anordnung seiner Allgemeinverfügung gegen die sogenannten "Montagsspaziergänge" in die Wildwestzeiten von Gunsmoke in Dodge City zurückversetzt fühlen.

 


Nein, wir schreiben nicht das Jahr 1860. Ostfildern liegt auch nicht in Kansas. Es handelt sich um eine schwäbische Kleinstadt, in der friedliche Spaziergänger in der Innenstadt damit rechnen müssen, sich ein paar Kugeln beim Schaufensterbummeln mit Freunden einzufangen, wenn es nach dem Willen des dortigen Ortssheriffs geht. Er hat seine Verfügung freilich im neudeutschen Beamten-Framing verkünden lassen. 

Dort heißt es: "Um sicherzustellen, dass das Versammlungsverbot eingehalten wird, wird die Anwendung unmittelbaren Zwangs, also die Einwirkung auf Personen durch einfache körperliche Gewalt, Hilfsmittel der körperlichen Gewalt oder Waffengebrauch angedroht." Denn mehr als drei zusammenstehende sind eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung und das geht diesem Kleingeist auf den Senkel.

Doch wer da glaubt, dass ein kollektiver Aufschrei der kleinstädtischen Zentralschwaben vor den Toren Stuttgarts erfolgt wäre, der irrt. Offenkundig hat das Duckmäusertum in Deutschland Dimensionen erreicht, dass selbst ein Provinzbürgermeister glaubt, er könne folgenlos den Hard-Core-Terminator geben. Dieser machtbesoffene Gesetzeshüter im „Westernformat“ scheint Ostfildern in seiner maßlosen Selbstüberschätzung zum persönlichen Herrschaftsbereich ausgerufen zu haben, in dem er im Notfall die Colts seiner Deputies rauchen lassen kann.

Seit Wochen gehen deutschlandweit Zehntausende Menschen auf die Straße, protestieren bei "Spaziergängen" gegen die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern.  Aber dass sich diese Leute auch in Baden-Württemberg zu Zehntausenden auf den Straßen und insbesondere auch in seiner Stadt herumtreiben, das war dem Kerl im Rathaus einfach zu viel. Sein Kommentar dazu: „Es geht nicht mehr anders! Ab 28.01. sind nicht angemeldete Spaziergänge, die sich gegen die geltenden Corona-Regeln wenden, in Ostfildern verboten - egal an welchem Wochentag.“

Wie es scheint, werden die Bürger nicht nur von tödlichen Viren an jeder Ecke belauert, sondern sie werden nun auch von Politiken mit Allmachtsphantasien, Herrschaftsgebaren und neurotischen Gewaltvorstellungen bedroht. Es ist beinahe mit dem Rückfall ins Jahr 1865 des wilden Westens zu vergleichen, in dem Doc Hollyday, Bat Masterson und Sheriff Waytt Earp in Dodge City im Saloon erst den vermeintlichen Viehdieb vom Barhocker schossen, bevor sie sich erkundigten, ob es den gestohlen Rindern gut geht.

Nun ja, die Bürger von Filderstadt -, sie stimmen in der Meinung ihres Oberbürgermeisters vollkommen überein. Wenn ein Politiker geistig Amok läuft, dann geht es wirklich nicht mehr anders. Beamte, die sich berufen fühlen, mit willkürlichen Coronabestimmungen und hirnrissigen Verfügungen ihre Bürger bedrohen, sie sind wirklich nicht mehr ganz bei Trost. Es scheint mir jedoch weit gesünder zu sein, diesen Christoph aus der Stadt zu jagen. Bevormundung, Disziplinierung, Meinungsdiktat oder Sanktionierung, wie sie derzeit in einer völlig unangemessenen Behördenwillkür durchgezogen werden, sind so weit von der Demokratie entfernt, wie seinrzeit die gesetzlose Stadt Dodge City.

Aber scheinbar gehen die Uhren im Schwabenland doch anders als anderswo. Ob nun der schwäbische Ministerpräsident Kretschmann, der in einem Anfall medizinischer Hellsichtigkeit sämtlichen Virologen Deutschlands den Mund verbietet und sie auffordert, sich aus der Politik herauszuhalten, oder ob es um Tübingens Oberbürgermeister Palmer geht, der auch gerne aus der Hüfte schießt und am liebsten mit Polizeikräften sämtliche Ungeimpfte mit Handschellen aufs Impfschafott Impfzelte schleifen lassen würde.

Man wird das Gefühl nicht los, dass insbesondere chwäbische Politiker dank der ihnen verliehenen, pandemischen Machtbefugnisse am liebsten in Cowboystiefeln und leise klimpernden Sporen an den Absätzen durch ihre Städte streifen, um dort mit der Hand am Holster für die Einhaltung des Gesetzes sorgen möchten. Denn neuerdings gibt es sogar Schnellrichter im Land, die den harmlos daherschlendernden Stadtbummler auf der Stelle aburteilen, weil er nach Freiheit ruft. Fehlen nur noch ein paar Galgenbäume. Der Herr sei uns gnädig.

 

 

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