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Was scheren Politiker 134 Tote im Ahrtal, wenn Urlaub angesagt ist

Die Unverfrorenheit und Schamlosigkeit einiger Spitzenpolitiker werden nur noch durch die Schamlosigkeit ihrer empörten Kollegen übertroffen, sofern sie der generischen Partei zugehören. Während es die mittlerweile zurückgetretene Umweltministerin von NRW Ursula Heinen-Esser (CDU) bei der Geburtstagsparty ihres Mannes mit Freunden aus dem Staatsministerium und ihrem Ressort in Mallorca so richtig krachen ließ, starben, wie man heute weiß, sogar 180 Menschen im Ahrtal.

 


Aber auch die grüne Bundesfamilienministerin Anne Spiegel ließ sich nicht von ihren Urlaubsplänen abbringen. Was geht mich das an, wird sie sich gesagt haben. Nur weil man knapp 200 tödliche Flutopfer an irgendeinem unbedeutenden Fluss – weiß der Geier, wie er heißt – beklagen muss, ändert man als grüner Politiker doch keine Pläne. Immerhin waren 4 Wochen Urlaub in Frankreich gebucht.  

Anne Spiegel, Umweltministerin in Rheinland-Pfalz und damit verantwortlich für Hochwasservorsorge und Voraussage für Pegelstände hatte angesichts der meteorologischen Warnungen anderes zu tun, als sich ausgerechnet um Hochwasser oder dergleichen zu kümmern. Noch dazu an der Ahr, die ohnehin kaum einer kennt. Alles nicht so tragisch, so klang es noch wenige Stunden vor der Katastrophe aus ihrem Telefon zuhause. Nun ja, es kam ganz anders.

Freilich musste nach dem Inferno eine plausible Begründung her, eine, die sich nur schwer widerlegen lässt. Schließlich geht es auch ums Image. So rechtfertigte sie sich: „Sie habe sich wegen hunderter E-Mails, die bei ihr eingetroffen seien, nur flüchtig mit der Meldung beschäftigt.“ Man weiß inzwischen, was Frau Spiegel in den entscheidenden Stunden stattdessen beschäftigt hat: Die Sorge um die richtige Wortwahl einer Pressverlautbarung für die Campingplätze an der Ahr. Alles nicht so dramatisch! Man möge aber das Wort „Campingplatzbetreiber“ auf den politisch korrekten Stand bringen. „Bitte noch "gendern", ansonsten Freigabe“, lautete ihr Hinweis.

Als sich die Fluten ins Ahrtal ergossen, war Frau Spiegel nicht mehr erreichbar. Ihr Staatssekretär versuchte verzweifelt zu ihr durchzukommen, bekam die Ministerin aber nicht ans Telefon. Kann man ja verstehen, zumal Kofferpacken für die ganze Familie anstanden und man für die Urlaubsvorbereitungen alle Sinne beisammen haben muss. Wie schnell vergisst man das Beautycase einzupacken, oder die schicken Schuhe, die man braucht, wenn man beim Franzosen speist. Rund 750 Menschen wurden verletzt und große Teile der Infrastruktur sowie Tausende Häuser zerstört. Viele Menschen leben noch immer in Not- oder Ausweichquartieren.

Wie gut, dass solche „Menschen“ wie Frau Spiegel Regierungssprecher haben, die mit rhetorischem Geschick, Halbwahrheiten und positivem Framing den dringenden Urlaubsbedarf kommentierte. „Sie habe ihren Urlaub einmal unterbrochen, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen, berichtete der stellvertretende Regierungssprecher Kusche. Sie sei zudem ständig erreichbar und per Video bei den Kabinettssitzungen dabei gewesen. Die 41-Jährige, die wegen ihrer vier Kinder auf die Sommerferien angewiesen sei, sei erst gefahren, nachdem ein Krisenstab im Ministerium für die Trinkwasser- und Abwasserversorgung sowie die Müllentsorgung eingerichtet worden sei.

Saudumm gelogen, muss man nun konstatieren. Aber was will so ein Staatssekretär machen, wenn seine Chefin einen extrem miesen Charakter hat und möglicherweise die eigene Karriere in Frage gestellt wird, wenn man wahrheitsgemäß Stellung nehmen würde. Überhaupt, wo kämen Politiker, wenn sie ununterbrochen die Wahrheit sagen würden und mit ihrer Ehrlichkeit ganze Bevölkerungsschichten verunsichern würden. Sie wären schlichtweg nicht mehr tragbar. 

Beste Beispiele für erfundene Todesprognosen unseres Herrn Professors, der mindestens 30 Millionen deutschen suizidale Neigungen unterstellt, nur weil sie sich gegen fragwürdige medizinische Behandlungen wehren. Nun ja, das ist Gott sei Dank vom Tisch. Fehlt nur noch sein Rücktritt, aber da sehe ich persönlich schwarz.

Nimmt man die Stellungnahmen aus dem "grünen" Ministerium unserer Frau Spiegel zur Kenntnis, beschleicht einen das Gefühl, gerade an einem Workshop für „praktisch angewendeten Zynismus“ teilzunehmen. „Unsere Mitarbeiter arbeiten über das Maß der Erschöpfung hinaus“, so beklagt man sich aus den ministerialen Büros. Alter Falter! Kein Wunder, dass man als Grüne und verantwortliche Ministerin einfach mal 4 Wochen abschalten muss, während Tausende Freiwillige Tag und Nacht versuchen zu retten, was zu retten ist. Wahrscheinlich – das bleibt zu hoffen -, darf Frau Spiegel ab nächsten Monat einen weit längeren Urlaub antreten, vermutlich bei voller Versorgung. Es ist zum Kotzen.

 

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