Direkt zum Hauptbereich

NRW hat gewählt – die „Nicht-Wähler“ sind auf dem Vormarsch

NRW hat gewählt. Angesichts des Ergebnisses könnte man konstatieren: Die Wähler werden von Beschiss zu Beschiss allmählich klüger. Denn die Fraktion der Wahlverweigerer könnten sich mit 44 Prozent den Sieg auf ihre Fahne schreiben. Doch abgesehen von der Wahlbeteiligung traue ich dem Wahl-Ergebnis nicht im entferntesten und kann es nur noch satirisch kommentieren.

Leider meldete sich kein autorisierter Vertreter der PDW (Partei demokratischer Wahlverweigerer) für die Interviews bei den öffentlich-rechtlichen, die ihren Sieg hätten adäquat kommentieren können. Immerhin, und das ist außergewöhnlich, haben die Nichtwähler ohne Parteiprogramm, ohne jegliche Versprechungen und ohne Wahlhelfer oder staatliche Zuschüsse 44 Prozent aller wahlberechtigten Bürger motivieren können, zuhause zu bleiben. Das hat nicht einmal Lauterbach mit Covid geschafft.

Man darf also mit Fug und Recht behaupten, dass die Partei der organisierten  Wahlvermeider ein Ergebnis eingefahren haben, wie die bayerische CSU in ihren besten Zeiten. Dagegen stürzten die Volksparteien – prozentbereinigt – versteht sich, auf ein geradezu lächerliches Niveau ab. Denn wären die Nichtwähler eine anerkannte Partei, käme die CDU auf 20 Prozent, die SPD auf 15 Prozent und die Grünen dorthin, wo sie hingehören – bei 10 Prozent. Alle anderen wären weg vom Fenster. Selbst Lindner und seine FDP hätte das Schicksal ereilt, das ihm angemessen wäre. Durchgefallen. Braucht auch niemand.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Denn man muss dann  ehrlicherweise auch feststellen, dass bei diesem Ergebnis 80 Prozent der Wähler und Nichtwähler keine CDU und 85 Prozent keine SPD haben wollen. Von den Grünen will ich erst gar nicht reden. Und so gesehen wäre das einerseits ein befriedigender Wahlausgang, andererseits haben aber die Parteien kaum noch irgendeine ernst zu nehmende Akzeptanz. Wer also regiert uns dann? Und mit welcher Berechtigung?

Man kann es drehen und wenden wie man will, echte und verlässliche Wahlergebnisse, die man als Bürger respektieren könnten, wären nur dann möglich, wenn man wenigstens für Wahlberechtigte einen Quotienten zur Festlegung der Mindestintelligenz erarbeiten würde, der einen Wähler zur Teilnahme an einem Wahlgang berechtigt. Man müsste, so meine feste Überzeugung, die Hürden nicht nur beim herkömmlichen Wähler, sondern auch bei Politiker höher legen. Dieses Problem nimmt man in den Parteizentralen allerdings noch ernst genug.

Immerhin - Markus Söder wagte unlängst den Vorstoß. Seine Vorstellung: Dumme Wähler soll es in Zukunft nicht mehr geben. Damit würden sich die Wahlberechtigten von etwa 45 Millionen in Deutschland auf etwa zehn Prozent auf 4 Millionen reduzieren und könnte erhebliche Kosten bei der Herstellung von Wahlzetteln und der Auszählung einsparen. Dann würden die Nichtwähler seiner Meinung nach auch keine Rolle spielen. Im Übrigen seien Wahlprognosen weniger aufwändig und leichter zu erstellen. Über diese wegweisende Wahlstrategie der CSU sollte eigentlich nächste Woche im Bundestag abgestimmt werden. Sie sickerte aber durch eine Indiskretion einer Sachbearbeiterin an die Öffentlichkeit und provozierte heftige Auseinandersetzungen unter den Parteien.

Ricarda Lang (Grüne) kritisierte die Idee mit den Worten: Wir lassen uns mit solch schäbigen Methoden nicht an die Wand drängen. Genauso gut könne man auch Rentner von den Wahlen fernhalten, da sie dem grünen Gedanken weniger nahe stünden als arbeitslose Biologen und Sozialarbeiter. Markus Söder (CSU) dagegen quittierte den Vorstoß der grünen Fraktionsvorsitzenden spontan als verständlich und nachvollziehbar, zumal weder Anton Hofreiter und Claudia Roth, noch Annalena Baerbock und Robert Habeck wegen signifikanter Unterschreitung des geforderten Intelligenzquotienten als Parteilenker zugelassen würden. Baerbock und Roth müssen gar ein Partei-Ausschluss-Verfahren aufgrund ausgeprägter Schlichtheit und massiver Kompetenzdefizite befürchten.

Olaf Scholz ließ durch seinen Sprecher mitteilen, dass er sich an Diskussionen über Bildung und Qualifikation in den eigenen Reihen schon deshalb nicht beteiligen würde, da er prinzipiell nie zu irgendetwas eindeutig Stellung nehmen würde. Er kommentierte aber auf Anfrage der SZ Söders Vorschlag mit dem Begriff „nachdenkenswert“. „Man sollte guten Vorschlägen aufgeschlossen gegenüberstehen, obwohl die CDU ständig Wahlen gewinnen will.

Wir müssen darüber nachdenken, ob wir auch Flüchtlinge mit überdurchschnittlicher Bildung zulassen wollen.“ Jedoch käme ein Ausgrenzungsgedanke bei Refugees oder Sozialgästen ohne jegliche Schulbildung aus Diskriminierungsgründen für die SPD nicht in Frage. Man müsse Dummheit auch dann ertragen, wenn dadurch der deutsche Bildungsdurchschnitt um zwei Drittel sinken würde.

Die SPD reagierte prompt. Sasika Esken forderte ein Mitspracherecht bei der Ausgestaltung der neuen Wahlvoraussetzungen, obwohl sie selbst wegen eingeschränkten Denkvermögens und fehlender Qualifikation eigentlich gar nicht teilnehmen dürfte. Dennoch - Ihrer Meinung nach müssten Wahlplakate der gegnerischen Parteien erst 6 Wochen nach der Wahl bundesweit erlaubt sein, um eine unzulässige Wähler-Beeinflussung der oberen Bildungsschichten zu verhindern. Immerhin gehe es auch um den Fortbestand der FDP.

Lars Klingbeil meldete sich aufgrund der überraschenden Zulassungs-Bedingungen ebenfalls zu Wort. Man müsse die Beteiligung gut ausgebildeter Wähler nach oben deckeln und Akademiker sowie Hochschulabsolventen der Fairness wegen von Wahlen vollkommen ausschließen. Denn je größer Anteil bildungsferner Wähler, desto sicherer der Wahlsieg. Deshalb stünden auch Abiturienten in der Diskussion.

Auch Kevin Kühnert, der minutenlang Klingbeils Argumente unterstützte, stieß auf heftige Gegenwehr bei der AFD. Die gesamte AfD-Führungsriege verwahrte sich entschieden gegen die Bildungs-Abschottung der SPD. Auch Alice Weidel ließ wenig schmeichelhaft durchblicken, was sie von Klingbeils und Kühnerts Fairness-Argument hält, gebildete Menschen von Wahlen auszuschließen. Die SPD habe aufgrund der desaströsen Wahlprognosen ohnehin vor, nach der Wahl mit den GRÜNEN und den LINKEN ins Bett zu steigen. Dafür brauche man Koalitionspartner, die geforderte Intelligenz- und Bildungsvorgaben nachhaltig unterschreiten.

Christian Lindner (FDP) stimmte Weidel (AFD) prinzipiell zu, forderte jedoch, dass zukünftig die SPD ihre Wahlplakate erst 6 Wochen nach der Wahl und der Auszählung der Stimmen aufstellen dürften. SPD-Versprechen seien ohnehin besser in einer Tonne aufgehoben. Im Übrigen würden miltante SPD-Wähler ohnehin jeden anspruchslosen Werbeslogan ihrer Partei bejubeln. Da sei es doch vollkommen egal, ob und wann die SPD Wahlwerbung mache. Insofern wäre es auch nicht von Relevanz, ob die SPD irgendwelche Wähler verliert oder nicht.

Auch Ricarda Lang (GRÜNE) mischte sich in die hitzige Wortgefechte ein, beklagte sie doch die ständige Diskriminierung ihrer Person in den Netzwerken und auf der Straße. Sie bestand darauf, dass in Zukunft die Fotos auf den eigenen Wahlplakate mit Fotoshop bearbeitet werden müssten, um mit einer Sympathie-Offensive ihre optischen Nachteile auszugleichen. Es könne nicht akzeptiert werden, dass der Anteil der Nichtwähler immer größer werde, nur weil sie ein paar Kilo zu viel auf die Waage brächte.

Söders Vorstoß stieß deshalb bei den Abgeordneten der Grünen und den Linken auf massiven Widerstand. Sollte es nach dem Willen Söders gehen, würde sich aufgrund der neuen Kriterien der Bundestag halbieren. Das IFI-Institut geht sogar davon aus, dass nur noch ein Drittel aller Abgeordneten im Bundestag zugelassen würden.

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wer ist der große Energie-Gatsby? Was steckt hinter dem 3-Euro-Dieselpreis?

Immer mehr Autofahrer bezweifeln, dass es an den Tankstellen mit rechten Dingen zugeht, ja, nicht zugehen kann, erinnert sich das mobile Volk noch zu genau an die vergangenen Corona-Zeiten, als man von Merkel, Spahn, Lauterbach und Konsorten mit täglichen Seuchenwarnungen und Corona-Inzidenz-Märchen in Schach gehalten wurde.  Jetzt erfolgt wohl der zweite Anlauf. Wie es scheint, ist die Politik mit uns noch nicht ganz fertig! Das jedenfalls werden sich Millionen Bürger denken, zumal sich unsere gewählten Politiker in den letzten Jahren redlich und erfolgreich bemüht haben, ihre Glaubwürdigkeit vollkommen zu verspielen. Eines ist klar: Bei dauerhaften 3 Euro für einen Liter Dieselkraftstoff wird Deutschland endgültig zum Dritte-Welt-Land. Wir erinnern uns: Mit Maskenzwang, Abstandsregeln, Versammlungs- und Feierverboten bis hin zu "bundesweiten Hausarresten" (Lockdown) legten vor 4 Jahren unsere Regierungspolitiker nicht nur die Republik lahm, sie beraubten die Bürger auc...

Ein Ruck muss durchs Land gehen – Friedrich Merz macht ernst!

„Diejenigen, die arbeiten, die fleißig sind, die sogar vielleicht bereit sind, ein bisschen mehr zu tun, für die wird am Ende des Monats auch etwas mehr übrigbleiben.“ Das waren die Ostereier, die “Worthülsen-Fritz“ den Bürgern ins Nest gelegt hat. Während sich aufgrund der grassierenden Pleitewelle  mehr und mehr Bürger fragen, ob sie morgen noch einen Arbeitsplatz haben, die Energie- und Spritpreise durch die Decke gehen, die CO2-Abgaben demnächst explodieren und damit zehntausende Existenzen vernichtet werden, möchte Merz, dass am Monatsende für Fleißige mehr rausspringt. Etwa mit Entlastungen oder Steuersenkungen? So weit käme es noch. Jetzt heißt es: „Ärmel hochkrempeln.“  Schon unser ehemaliger Bundespräsident Roman Herzog sagte einst: Es muss ein Ruck durch Land gehen. Fritz hat diesen Apell von damals aufgegriffen und ihn mit allerlei  Ankündigungen und Versprechungen verknüpft. Friedrich Merz hat überdies mehrfach den Aufschwung angekündigt und nun soll er wahr...

Wir haben ihn gewählt – jetzt müssen wir ihn ertragen!

... Oder sollte ich sagen: Wir haben ihn nicht gewählt und dennoch haben wir ihn am Hals? Kaum anzunehmen, dass Paul Mustermann, 52 Jahre alt, subalterner Cheflagerist bei Müller & Co, nicht besonders helle im Oberstübchen, aber mit einer großen Klappe gesegnet und daher bei seinen Kumpels in der Firma beliebt, dass man ausgerechnet ihn in die Führungsspitze als Vorstandsvorsitzender eines deutschen Autokonzerns berufen würde. Iris, Mathilde und Rosi, Sachbearbeiterinnen bei Müller & Co allerdings lieben „ihren“ Paul, weil er mit seinen 1,95 etwas hermacht, immer einen guten Spruch auf Lager hat, stets Erwartungsfreude vermittelt und bei Betriebsversammlungen gerne das große Wort führt, was auch einige "helle" Mitarbeiter am Band und in den Büros beeindruckt. Was also lag näher, dass Iris, Mathilde, Rosi und einige andere den unbelehrbaren aber unverdrossenen Pausenclown bei den Wahlen zum Betriebsratsvorsitzenden gekürt und ihn gar zum Chef ernannt haben, auch wen...