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Das Märchen mit dem Gas, der EU und Putin

Die Gebrüder Grimm muss man aus heutiger Sicht als seriöse und glaubwürdige Berichterstatter einstufen. Deren damalige Meldungen über Hänsel und Gretel oder Rotkäppchen darf man im Vergleich zu den aktuellen Reportagen und Informationen über EU-Gas-Deals, als verlässliche Tatsachen einstufen.

Während Politiker den deutschen Bürgern mit gewaltigem Medienaufwand und dramatisierten Schuldzuweisungsargumenten in Richtung Osten mittels Brainwashing einhämmern, weshalb sie nicht nur Energie einsparen, sondern das Doppelte bezahlen müssen, werden gleichzeitig in unseren deutschen Ministerstuben mithilfe gut dotierter Sprachwissenschaftler und ausgebufften Framing-Experten an dialektisch anspruchsvollen Ampelmärchen getüftelt.  

Kurz gefasst heißt die Botschaft: Der Russe hat uns das Gas hinterücks und vorsätzlich zugedreht. Aufgrund dessen benötigen wir Alternativen, um Deutschland durch den Winter zu bringen, "whatever it takes". Irmgard und Horst atmen stellvertretend für Deutschlands Bürger auf, akzeptieren seufzend und mit einem Quäntchen Dankbarkeit in Richtung Habeck. Deshlab vertrauen sie ihm und wählen ihn wieder. Denn: Was hat er nicht alles auf sich genommen, der Gute, um uns vor 20 Minusgraden zu retten.

Er ist sogar in die Wüste gejettet, hat sich vor Scheichs und den Emiren in den Sand geworfen und um Öl und Gas gebettelt. Und weil bei den dortigen Despoten Menschenverachtung zum guten Ton gehört, haben sie unseren Wirtschaftsminister angemessen verachtet und ihn im Anschluss wieder nachhause geschickt. Doch Habeck wäre nicht Habeck, würde er nicht sofort den nächsten Gang nach Canossa angetreten haben. Aber auch in den restlichen Golfstaaten gabs anstatt Gas und Öl nur Tee, Gebäck und schadenfrohes Grinsen.  

Derweil werden Bundesbürger mit optimistischen Perspektiven rund um die Uhr medial zugedröhnt und auf Kurs gehalten, damit sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen, kritisch nachzufragen, woher Habeck derzeit tatsächlich unser Gas bezieht. Was solls auch, unsere Bäcker wollem wenigstens die ganz kleinen Brötchen backen und Horst und Irmgard endlich wieder warm duschen. Und was unsere beiden Musterdeutschen unter keinen Umständen wissen dürfen, ist die Tatsache, dass die adrette Ursula zusammen mit dem Olaf und anderen verzichtbaren politischen Lebensformen klammheimlich unsere Gasprobleme auf Grimm'sche Weise gelöst haben.

Uschi hat mit Aserbeidschans Präsidenten İlham Əliyev, ein ganz und gar hinterfotziger Bursche, im Juli 2022 einen Mega-Liefer-Deal eingefädelt, und damit die Gas-Einfuhr aus dem Land, in dem es weder eine ernstzunehmende Judikative, noch irgendwelche Oppositionelle gibt, mehr als verdoppelt. Was Horst und Irmgard auch nicht wissen: Das Gasunternehmen im aserbeidschanischen Shah Deniz im kaspischen Meer, mit dem weltweit zweitgrößten Gasfeld dieser Erde, verteilt sich auf 5 fragwürdige Anteilseigner.

Demnach besitzen die britische BP 29,99 Prozent, etwas über 21 Prozent gehören den aserbeidschanischen Unternehmen SOCAR und SGC. Jetzt wird es vogelwild. 19 Prozent Anteile hält eine türkische, russenaffine Privat-Firma und 10 Prozent hält die iranische Firma NICO. Die restlichen 20 Prozent gehören den Russen – genauer gesagt LUK-Oil. Mit anderen Worten: Mit jedem Kubikmeter Gas, das wir von dort beziehen, finanziert die EU vier „völkerechtswidrige Kriege“. Ukraine, Armenien, Syrien und Iraq. Dass bei dem "tricky-Deal" ein Teil des EU-Geldes auch nach England fließt – also einem „Nicht-mehr Mitglied“, ist in diesem Zusammenhang weniger bedenklich.

Aber wer erklärt nun Irmgard und Horst, dass es sich bei den anderen Teilhabern und Ländern um vier lupenreine Autokratien handelt, deren Werte mit denen der EU oder gar Deutschlands so gar nichts zu tun haben? Schon gar nicht mit den Werten der Grünen und unserem Robert. Was den Deutschen Bürgern auch unbedingt vorenthalten werden muss, sind die freundschaftlichen, ja intimen Verbindungen von Aserbeidaschan zu Russland. Aserbeidschan hat nicht nur einen höchst lukrative Verträge mit der EU, sondern auch einen gigantischen Liefer-und Importvertrag mit Putin abgeschlossen. 

Nachtigal, ick höhr dir trapsen, würde man in Berlin sagen. So gesehen müsste auch das Wutgebrüll von unseren Wirtschaftsmanagern und Mittelständlern meilenweit zu hören sein. Denn der deutsche Gas-Wahnsinn ist damit längst nicht zu Ende. Er gipfelt in einer kaum zu übertreffenden Posse: Dieselbe EU, die Russland kein billiges Gas mehr abkaufen will, kauft jetzt dasselbe, billige Gas, das sie nicht mehr in Russland kaufen will, jetzt von den aserbeidschanischen Familien, die das billige Gas aus Russland bezieht. Zum „Ausgleich“ zahlt Deutschland dafür den viereinhalbfach höheren Preis als zuvor. Überdies treiben wir durch die weitere Beschaffung von schmutzigem und extrem teurem Fracking-Gas aus den USA die Energiepreise noch weiter nach oben.

Nebeneffekt des Deals: Putin finanziert mit dem aserbeidschanischen Gas-Deal einerseits seine eigene, andererseits auch die aserbeidschanische und britische Wirtschaft, während die EU gerade das Gegenteil vollzieht und die europäische Wirtschaft ruiniert. Ein solches Märchen wäre selbst den Gebrüder Grimm nicht eingefallen. Die Brüder wären noch nicht einmal auf die Idee gekommen, eine Pipeline in die Luft zu sprengen, ohne dafür ein  versöhnliches Happy End bei der Hand zu haben.

                                           

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