Die Erfahrung lehrt, dass einfache Botschaften von der Bevölkerung nicht nur leichter verstanden, sondern auch angenommen werden. Worte, besonders in „Expertensprache“ sind kompliziert – Bilder vereinfachen die meisten Sachverhalte. Mehr als ein vollkommener Satz bringt bereits viele an den Rand der geistigen Leistungsfähigkeit. Daher, - auf vielfachen Wunsch, - ein Märchen.
Machen wir uns nichts vor – Die Netzwerke werden mehr und mehr zum Eldorado für Kätzchenbilder und Welpen-Fotos, besonders für die massenhaft auftretenden „Schlicht-User", die es sich schon seit Jahren im intellektuellen Untergeschoss gemütlich gemacht haben. Auch deshalb, des besseren und leichteren Verständnisses wegen und auch, um die Brisanz des politischen Geschehens einfacher zu machen, heute mein Gleichnis in Bildersprache.
Jeder kennt die Situation aus seiner Jugendzeit, als „Discos“ noch "Sehnsuchtsorte“ waren und „wummernde Bässe“, die auf die Straße hinausdrangen, eine maximale Anziehungskraft aufs Leben hatten. Meistens jedoch versperrten zwei martialisch aussehende Türsteher, ach, was sag ich, zwei etwas über 1,90 Meter große, muskelbepackte Kassenschränke, – mit grimmiger Miene, den Eingang ins Paradies der Selbstdarstellung. Dieses Bild hat jeder von uns noch im Kopf, doch dieses Bild lässt sich auch exakt auf die politischen Ereignisse übertragen, die gerade in München, Berlin und Riad stattfinden.
Wolodymyr, der Ex-Eigentümer der dubiosen "Partylocation", hat einigen Freunden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ein heißes Wochenende versprochen. Jetzt aber stehen zwei „Spielverderber“ vor der Tür ins Glück und wollen partout nicht jeden in die „Disco“ hineinlassen. Bei den beiden Berserkern handelt sich um einen Russen und einen Amerikaner, die schon wegen ihrer gewaltigen Bizeps und furchterregenden Brustmuskulatur auf kleine, dümmliche, vorlaute Idioten abschreckend wirken. Doch zeichnen wir das Bild weiter. Denn die Disco wird neuerdings von reichen Arabern bewirtschaftet. Geschlossene Gesellschaft!
Vor dem "Vergnügungstempel", formiert sich in Begleitung dieses verschlagenen Wolodymyrs aus Kiew eine kleine Gruppe halbwüchsiger Großmäuler, die einen ultimativen Abend mit ihrem "Freund" aus der Ukraine erleben wollen. Es ist offensichtlich, dass die jämmerliche Truppe von der Evolution nicht nur hinsichtlich ihrer Körperkräfte sträflich vernachlässigt wurde, auch im Oberstübchen brennen bei ihnen nur trübe Funzeln. Und was die Finanzen angeht, sieht es auch nicht besonders vielversprechend aus. Für die meisten reicht es nur noch für ne Cola.
Aber für das, was man bei einem aufregenden Discoabend mit scharfen Mädels erleben will, brauchte man eben eine gewisse finanzielle und körperliche Reputation. Nichtsdestoweniger aber haben sie eine große Klappe und fühlen sich wie unwiderstehliche Gigolos aus Milano. Nennen wir die Spinner der Einfachheit halber Olaf, Robby, Frieder und Boris. Sie haben zwar zur Verstärkung ein paar Freunde aus benachbarten Ländern mitgebracht, um ihrer gespielten Potenz mehr Nachdruck zu verleihen. Aber das soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren, zumal sie sich alle im Hintergrund halten. Spannender ist, was sich nun entwickelt.
Diese pubertierenden und auf halbstark markierenden Schwachmaten glauben allen Ernstes, dass sie an dem russischen Bären Wladimir und am amerikanischen Super-Wrestler Donald ungeschoren vorbeikommen, um in der Disco eine Party nach ihren eigenen Regeln zu feiern. Klar ist, die zwei Kraftprotze lassen in den Musikschuppen nur Erwachsene und VIP's, aber auch nur dann, wenn aus Sicht des russischen und amerikanischen „Rausschmeißers“ die politische Kleiderordnung stimmt und wenn sie ausreichend Kohle dabeihaben. Undenkbar, dass man Typen wie Anton aus dem Bayerischen oder Robby, den Holsteiner über die Schwelle des Amüsierschuppens ließe.
Schwamm drüber: Jetzt ist guter Rat teuer. Wer macht den Vorstoß, um Einlass zu bitten? Olaf zählt sicherheitshalber noch einmal seine Moneten im Geldbeutel. Drei Euro fuffzich! Die anderen geben jeweils noch ein paar Euronen dazu. Doch damit kann Olaf auch keinen großen Staat machen. „Kann mir einer von euch ein paar Scheine pumpen?“ Die anderen schütteln kollektiv den Kopf. "Wir haben unseren ganzen Schotter schon als Provision beim Ukrainer abgedrückt", meint Frieder frustriert.
Wie stellt ihr euch das vor?, entgegnet Olaf weinerlich, nahm sich aber erneut ein Herz und startete den nächsten Versuch, um sich in die Partylocation zu mogeln. „Muscle-Donald“ macht ihm unmissverständlich klar: „Verschwinde, du Knirps. Du kommst hier nicht rein!“ Sichtlich genervt dreht der kleine Olaf ab, geht ein paar Schritte und brüllt aus sicherer Entfernung wütend den beiden Höllenhunden zu: „Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt! Wir sind 8 Mann! Wenn wir wiederkommen, hauen wir euch aufs Maul!“
Schallendes Gelächter aus der Richtung der Disco. Wladimir knurrt in Richtung seines Kumpels. "Bin mal gespannt, ob sie sich trauen. Wenn ja, gehen sie ohne Zähne nach Hause zu Mami. "Genau", grinst Donald. "Alle für einen und einer für alle!"
"Der Kindergarten, den du mitgebracht hast, kann seine Kohle hierlassen und verschwinden", ruft Donald von der Disco-Tür aus dem Schrumpfgermanen Olaf hinterher und lacht. Natürlich würde Olli nie ernsthaft den Mut aufbringen, sich mit Wladimir oder Donald anzulegen. Sicherheitshalber stellt er sich aber auf seine Zehenspitzen, bläst sich noch einmal auf, um gewaltig Eindruck zu schinden. Er fühlt sich verpflichtet, wenigstens zu zeigen, dass er mit der rüden Abweisung nicht einverstanden und mit ihm jederzeit zu rechnen ist. Und das alles nur, weil er bei der blonden Rädelsführerin Uschi, die ununterbrochen aus dem Hinterhalt stichelt und provoziert, nicht in Ungnade fallen will.
Doch jetzt fasst Boris Mut und versucht sein Glück bei den beiden Rambos an der Tür. „Es ist nicht akzeptabel, uns einfach draußen stehen zu lassen“, begehrt er auf. Vergebens. Auch er hört nur ein mitleidiges „Verpfeif dich, du Klappstuhl.“ Donald lässt für den aufdringlichen Schwätzer wortlos seinen angespannten Trizeps spielen. Boris rückt seine Brille zurecht. "So war es doch gar nicht gemeint", murmelt er kaum hörbar und versucht, sich mit entschlossenem Gang aus der Gefahrenzone zu bringen.
Den halbgaren und blutarmen Jugendlichen bleibt nur noch die Wahl, ihrem Freund Wolodymyr zu erklären, dass er bei der Party nicht mitmischen darf. Bedauerlicherweise gibt es eine Planänderung und wir dürfen bei den heißen Discoklängen nicht mitfeiern. Derweil bereiten sich die "Erwachsenen" im Foyer des Discotempels auf den langen Abend vor.
Wie sagt der Volksmund so treffend? Außer Spesen nix gewesen, denn Wolodymyr weigert sich, die vorab gezahlte Provision zurückzugeben. Da bleibt
nur noch, sich fürs nächste Mal Mut zu machen und mehr Geld mitzubringen.
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