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Friedrich Merz und die masochistische Lust des Verlierens

Die Bedeutungsumkehr eines Begriffs kann so vieles erleichtern, man muss sich nur ein wenig am Riemen reißen. Wir kennen das vom olympischen Gedanken: Dabei sein ist alles – eine Metapher, die selbst dem Totalversager noch das Gefühl gibt, etwas Besonderes geleistet zu haben. Man war dabei! Ehre hin - Ehre her.

Beim politischen Masochisten gibt es noch eine Steigerung. Er ist in der Lage, Glücksgefühle zu empfinden, wenn er sich mental vor dem Verlierer in den Staub wirft und winselnd um Gnade bettelt. Doch gerade erlebt ein Millionen-Publikum, das auf den Sieger mit dem Einsatz ihrer Wählerstimmen gewettet hat, eine völlig neue Form pathologischer Unterwürfigkeit. Friedrich Merz, der vermeintlich strahlende Champion aller Klassen erweist sich als parteipolitischer Sadomasochist. Damit konnte niemand rechnen.

Frustrierend für Millionen Bürger, die auf ihn gesetzt haben, befriedigend nur für einen, den Protagonisten. "Wenn man mich nicht lässt, beende ich meine Karriere", ließ er die Bürger in den Abendprogrammen der Nachrichtensender wissen. Lassen Sie mich es so ausdrücken. Dieses Statement ist die höchste Form sklavischer Ergebenheit und fühlt sich für Friedrich wie ein grandioser Sieg an. Endlich kann er in aller Öffentlichkeit  seine wahre Bestimmung richtig zur Geltung bringen.

Ich wills mal so sagen: Der Psychologe diagnostiziert beim Fetischisten eine sogenannte Präferenzstörung, mit der er nur dann wahre Glücksgefühle erfährt, wenn er seine Sadomaso-Fantasien ausleben kann. Im Falle des CDU-Vorsitzenden dürfen wir, medial schön aufbereitet, hautnah miterleben, wie er dem roten Marquis de Sade, Lars Klingbeil, zum Zwecke des Lustgewinns alle seine vollmundigen Ankündigungen opfert und seine hoffnungsvollen Anhänger bis ins Mark erschüttert. Sie haben erwartet, einen echten Showdown innerer Befriedigung miterleben zu dürfen.

Mit affektiver Breitbeinigkeit versprach er seinen Wählerfans die lückenlose Überwachung der Grenzen, die Überprüfung eines jeden Asylsuchenden und Wirtschaftsmigranten, den Erhalt der Schuldenbremse, das Einfrieren des Bürgergeldes, den Abbau der Bürokratie und die gnadenlose Rückführung krimineller Migranten in ihr Heimatland - selbstredend und wohlwissend, dass die Berufsverlierer der SPD alles daran setzen werden, seine politische Erfüllung mit sadistischer Wonne zu pulverisieren.

Im politischen Swingerclub trifft sich alles, was Rang und Namen hat. Egozentriker, Hochstapler, Blender, Windeier und Selbstverliebte. Gleich und gleich gesellt sich gerne - so sagt man, das trifft auch auf die intellektuell Impotenten zu, die nur zu gerne aktiv mitmischen würden. Die Rituale sind bekannt. Erst die Lage sondieren, Chancen ausloten, abtasten und Schnittmengen evaluieren. Wer mit wem, wann und auf welche Weise kooperieren darf – um den schlüpfrigen Terminus „kopulieren“ zu vermeiden, wird sich möglicherweise heute Abend herausstellen und ist bekanntermaßen ein zeitraubendes Unterfangen. 

Um es kurz zu machen: Friedrich hat das Ziel vor Augen. Wir dürfen davon ausgehen, dass sich Friedrich mit siegessicherer Wirkungslosigkeit in den ultimativen Kampf hineinwerfen wird. Immerhin hat er auf der sündigen Meile in Berlin das erste Etappenziel erreicht: das Billionen schwere Sondervermögen, für das die „Wett-Teilnehmer“, die mit ihrer Wahlstimmenquote den Weg bereitet haben. Im Etablissement der politischen Lüste erklingt derweil der nostalgische Song: Voulez vous coucher avec moi.

Jetzt gilt es noch einmal, alle Kräfte zu bündeln, um die nächsten Demütigungen zu genießen. Friedrich, der gewiefte Hund, kennt natürlich die Strategie des Gegners. SPD und Grüne wollen partout alle Migranten behalten. Selbstredend auch die Schwerstkriminellen. Da ist hohe Flexibilität und maximale Opferbereitschaft gefragt. Zweifellos gäbe es für Frieder noch den ultimativen Kick der Luststeigerung, wenn die SPD und die Grünen ihn dazu zwingen würden, alle bereits ausgewiesenen Flüchtlinge wieder zurück nach Deutschland zu holen. Selbst die ungeliebte Heißluftnummer des Ofenbauministers darf als Fanal des industriellen Gebläse-Aufschwungs bestehen bleiben und soll dem Bürger bei der Anschaffung den Angstschweiß auf die Stirn treiben. 

Auch bei den linken Themen der Höchststeuersätze ist noch Luft nach oben. 47 Prozent für Gutverdiener und 49 Prozent für die Spitzeneinkommen. Es sind weitere, linke Marksteine, die unserem Friedrich bei der Preisgabe seiner knallharten Ziele wohlige Erniedrigungsgefühle bescheren werden. Bondage heißt hier das Zauberwort. Friedrich wird von Saskia und Lars kunstvoll gefesselt und geknebelt und anschließend in die Knie gezwungen.

Jene Wähler, die hoffnungsvoll und mit großen Einsätzen auf ihren Favoriten Friedrich gesetzt hatten, sind angesichts der Entwicklung mehr und mehr ernüchtert, sehen sie doch angesichts völlig unerotischer Haushaltsknoten, Finanzfesseln und pekuniärer Handschellen ihre Felle davonschwimmen. 

Bleiben wir also hoffnungsvoll. Am Ende, so dürfte das voyeuristische Publikum inständig hoffen, wird die Party wegen mieser Stimmung aufgelöst. Dem Frieder bleibt die Kanzlerschaft erspart. Außer Spesen, nix gewesen! Immerhin bleibt den Wählern, die auf die falschen Pferde gewettet haben, noch eine „alternative Option“. Sie wurden auf Anweisung durch die Türsteher vom frivolen Tête-à-tête mittels einer "Brandmauer" abgehalten. Ich bin ziemlich sicher, dass die Türsteher demnächst arbeitslos werden und die hinderliche "Brandmauer" vom Publikum eingerissen wird.

                                             

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