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Hessenwahl - Die roten Hessen werden grün

Da bahnt sich wieder etwas an. Kaum haben sich die treuen Gefolgsleute der CSU von ihrem Wahldebakel erholt, deuten sie in Richtung Wiesbaden, um ihre eigene Schlappe vergessen zu machen. Volker Bouffier (CDU) will sein Amt als Ministerpräsident verteidigen und präsentiert sich derzeit mit altväterlichem Habitus in allen Medien mit der epochalen Nachricht: Es geht um Hessen. Er irrt. Es geht um seinen Kopf, und damit auch um den Stuhl der Kanzlerin.




Schon vor hundertfünfzig Jahren war es in der Politik nicht immer ganz einfach, hohen Staatsbeamten den Laufpass zu geben. Otto Fürst von Bismarck behauptete deshalb: „Für das ordnungsgemäße Funktionieren eines Staates muss man turnusgemäß einige Minister und Staatsräte füsilieren.“ Offen gestanden, ich kann diesem Gedanken angesichts unserer derzeitigen Polit-Elite gewisse Sympathien abgewinnen. Nun ja, im Jahr 2018 versucht man über Wahlen Politiker loszuwerden, die während ihrer Amtszeit nichts Substantielles zustande gebracht haben.

So gesehen wäre man versucht, nicht nur die Mitglieder des Bundestages komplett auszutauschen, sondern auch das gesamte Führungspersonal der Alt-Parteien, völlig gleichgültig, welcher Farbe sie angehören. Die Umfragen der führenden Demoskopen lassen die Hoffnung aufkeimen, dass die SPD ihre Vorsitzende nach dem Wahlergebnis eiskalt abserviert. Das dürfte den Genossen nicht schwerfallen, immerhin haben sie als berüchtigte Königsmörder profunde Erfahrung. Innerhalb von 20 Jahren – also seit Oskar Lafontaine -, insgesamt 11 Parteivorsitzende zu verschleißen, ist mehr als nur Nachweis für gnadenlosen Kannibalismus, er ist auch Beleg eines primitiven Führungsstils.

Welche Übungsfortschritte man sich bei der SPD hinsichtlich der Eliminierung ihrer Parteivorsitzenden erarbeitet hat, zeigt sich in den immer kürzer werdenden „Ablöse-Zyklen“. Sigmar Gabriel (2014) – Martin Schulz (2017/18) – Olaf Scholz (2018) – Andrea Nahles (2018). Selbst ein genialer Geist wäre in solch kurzen Arbeitszeiträumen nicht in der Lage, positive Arbeitsergebnisse zu erzielen. Um wie viel illusorischer ist ein signifikanter Fortschritt mit dämlichem Führungspersonal an der Spitze? Und dann fragen sich die Genossen, weshalb sich der Wähler mit Grausen abwendet?

Jetzt wird sich Schäfer-Gümbel mit Verve in die Wahlschlacht begeben und mit hoher Kompetenz den weiteren Niedergang der SPD vorantreiben. Auch er hat noch nicht bemerkt, dass seine Partei nichts zu bieten hat außer überflüssige Floskeln. Sie hat sich selbst überflüssig gemacht. Arbeiterpartei? Das war mal. Engagement für die kleinen Leute? Lippenbekenntnisse. Und das schon seit mehr als 100 Jahren. Die ehemals rote Hochburg wird sich rächen. Ob die SPD die 14-Prozent-Marke überspringen wird, ist fraglich. Ich bin sicher, die Partei macht nach der Auszählung mit Andrea Nahles kurzen Prozess, da kennen die Genossen nichts…!

Die Grünen dagegen avancierten klammheimlich von einem antiautoritären Haufen mit selbstgestrickten Pullovern zur elitären Milieupartei. Allerdings sind sie mit einer kaum zu überbietenden Inkompetenz auf dem Vormarsch. Für deren Zielgruppe spielt das allerdings keine Rolle, zumal die selbstgefällige Arroganz grüner Vertreter keiner Fähigkeiten und keiner Leistungen bedarf. Nun dürfen sich die Hessen auf einen Siegeszug der ignoranten Weltverbesserer einstellen.

Die GRÜNEN werden in ihren „sozialen Ghettos“ missionarische Wähler gewinnen, die die eigenen Wertvorstellungen und gehobenen Lebensumständen zur Norm erhoben haben und keine Abweichung zulassen. Sei es in der naiv-verklärten Flüchtlingspolitik, in sozialen Bereichen, im Umweltschutz und besonders beim Autofahrer. Am liebsten würden diese lebensfernen Sozialschwärmer sofort sämtliche Autos in den Innenstädten verbannen. Schließlich gibt es bereits E-Autos, mit deren Strombedarf die Co2-Belastung mindestens ein Drittel höher sein dürfte.  

In Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Fulda oder Gießen hat sich eine „Bionade Bourgeoisie“ breitgemacht, eine militant-grüne Wählerschicht, die in sündhaft teuren Stadtteilen in Innenstadt-Luxusaltbauwohnungen lebt und ihre eigene Welt mit totalitärer Attitude verteidigen. Bioläden, schwule Ökofriseure, Bio-Weinhandlungen, ökologisch unbedenkliche Spielplätze für die Kleinen, Bio-Gastronomie, Waldorfschulen oder Öko-Kindergarten, alles zu Fuß erreichbar, Einrichtungen, die sich kaum ein Normalverdiener leisten kann. Gott sei den einfachen Leuten mit geringem Einkommen gnädig, denn in ihren Augen haben sie einfach nur Pech gehabt.

Die Ausgegrenzten jedoch werden auch nicht ersatzweise die CDU wählen. Sie werden bei den kleinen Parteien landen. Prognosen zufolge dürfte die AfD knapp 16 Prozent erreichen und aus dem Stand in den Landtag einziehen. Möglicherweise sogar die dritte Kraft im Land werden - FDP und LINKE wahrscheinlich ein paar Pünktchen hinzugewinnen und bei 7 bis 8 Prozent herumdümpeln. Es wird verdammt windig in Berlin. Das Koalieren in Hessen dürfte keinem der Parteien besonderen Spaß machen, zumal in Berlin und Hessen nach der Wahl das große Stühlerücken ansteht.

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