Ich wills mal so sagen: Schön, wenn der Kuss einen Ehrentag bekommen hat, immerhin glauben die meisten Menschen, dass so ein Kuss die zweitschönste Nebensache der Welt sei. Ich würde eher sagen. Ein Kuss ist ein vielschichtiges Lippenbekenntnis.
Aber
ich gebe zu bedenken, ein Kuss ist nicht immer Ausdruck der Liebe und
erregender Zuneigung, auch wenn er von verschmusten Damen angepriesen wird. In
Wirklichkeit ist so ein Kuss eine komplizierte Sache, weil man zunächst klären muss,
von wem und weshalb man eigentlich geküsst werden soll. Und wie kompliziert die
Sache mit dem Kuss ist, wird einem erst klar, wenn man darüber ein wenig mehr
nachdenkt.
Es gibt ein ganzes Kaleidoskop von Küssen. Bruderküsse, mütterliche Küsse, Küsse von Omas, von Opas, Tanten und Onkeln, Begrüßungsküsse, Abschiedsküsse, Internetküsse, Handküsse, Küsse aus Liebe und unanständige Küsse, auf die ich diskretionshalber nicht näher eingehen will. Nur so viel, bei Letzteren gibt es jede Menge Untergruppen. Freche, feuchte, erregende, frivole, unverschämte, einfühlsame, temperamentvolle oder gar aufreizende, nur um nur einige zu nennen. Allesamt ganz wundervoll.
Selbst
Hundeküsse können ganz bezaubernd, in manchen Fällen sogar unvergesslich sein,
vor allem, wenn man von einem 80-Kilo-Bernhardiner oder von einer deutschen
Dogge frenetisch geknutscht wird. Gewiss, gewiss, das mag einer Hundehasserin nicht als
übermäßig prickend empfunden werden, dennoch eine Hundezunge hat immer etwas
Beglückendes. Man weiß, man wird geliebt, was man von einer Frau nicht immer
behaupten kann, auch wenn man von ihr einen flüchtigen Kuss erhält.
Wollen wir doch einmal ehrliche sein und feststellen: Küsse vergehen, die Kochkunst bleibt. Damit will ich sagen, dass nach einer Langzeitbeziehung von mehr als 5 Jahren sich Küsse mehr und mehr in Richtung Kochtopf und verführerischen Dürften verlagern. Wie sagt das geflügelte Wort so treffend. Liebe geht durch den Magen, da können Heinrich Heine und Joseph von Eichendorff so viel dichten wie sie wollen.
Allerdings
kann ein Kuss durchaus auch dramatische Folgen haben. Bekommst du einen Kuss
von einer Frau, führt das in den schlimmsten Fällen zur Eheschließung, bekommst
du einen Kuss von einem Mafioso, lebst du vermutlich nicht mehr lange, um
einmal die Extreme zu nennen. Wie man sieht, sollte man auch bei der Auswahl
des oder der zu Küssenden genau überlegen.
Selbst politische Küsse, wie sie bei den Genossen gepflegt werden, können ernsthafte Auswirkungen haben, wie damals bei Gorbatschow und Honecker. Selbst in unserer SPD sind sie noch üblich. Er führte übrigens zur Vereinigung von Ost- und Westdeutschland, was weitreichende Folgen hatte, wie wir heute wissen. Wenn ein verdienter Genosse bei wichtigen Auftritten oder großen Veranstaltungen von einem Parteigenossen medienwirksam geküsst wird, weiß man, dass sein politisches Schicksal besiegelt ist.
Wie
man sieht, ist so ein Kuss nicht immer zwingend Ausdruck von Zuneigung,
Intimität und Nähe. Er dient oft auch einem Zweck. In der heutigen
Zeit – das ist zumindest meine Erfahrung, küssen immer mehr Frauen Frösche in
der Hoffnung, einen Prinzen mit Penthouse-Wohnung und Ferrari abzugreifen.
Einfach ekelhaft – sowas! Es gibt in dieser Hinsicht, zumindest für den Hetero und die Hetroteuse nur noch eine abstoßendere Steigerung:
Lesben- und Schwulenküsse.
Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch märchenhafte und herzzerreißende Küsse. Filmküsse zum Beispiel. Der berühmteste in dieser Kategorie war im Film „Vom Winde verweht“ zu sehen. Allerdings soll der auch nicht so prickelnd gewesen sein. Clark Gable hatte bekanntlich starken Mundgeruch. Scarlett O’Hara alias Vivian Leigh soll angeblich eine außervertragliche Überwindungszulage erhalten haben. Da wundert man sich, zu was sich Frauen für Geld alles hinreißen lassen.
Auch wenn die Zeitschrift STERN behauptet, man möge mehr küssen, weil er der Gesundheit dient, gebe ich zu bedenken, dass ich nicht nur bereits im fortgeschrittenen Alter bin, sondern auch anspruchsvoller. Damit fallen zumindest alle langweiligen, ermüdenden, hausbackenen, trostlosen und ereignislosen Küsse ersatzlos weg, obwohl grundsätzlich Küsse gesundheitsfördernd sein sollen. Ob die feuchten Schlabberküsse meines Hundes von Karl Lauterbach oder dem RKI empfohlen würden, wage ich zu bezweifeln, nichtsdestoweniger bliebt abzuwägen, ob man lieber von seinem Rottweiler oder von Karl geküsst werden wollte.
Natürlich
kann ich so einem Kuss natürlich auch sehr Positives abgewinnen. So ein Kuss
von einem Enkelkind…, das hat was … das sind die ganz und gar unschuldigen
Küsse...! So ganz ohne Motiv und Hintergedanken und die kleinen Glücksmomente
eines alten Mannes, der den letzten, den kalten Kuss in absehbarer Zeit
erwarten darf.
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