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Der Bioladen – eine feindliche Welt für Normalos und Anhänger der schnellen Küche!

Sobald man einen Bioladen betritt, überkommt den Normalkonsumenten eine erdrückende Beklommenheit. Eben noch munter und guter Dinge, befindet man sich schlagartig in einem Paralleluniversum, von dem man nur eins weiß: Hier bist du umgeben von Bio, Öko, fairen Produkten aus Kolumbien, nachhaltigen Freiland-Eiern, alternativen Kartoffeln und glutenfreien Radieschen. Hier hast du keine Freunde, hier bist du allein.

Ich wills mal so sagen: Auch häufigere Besuche in den "Gotteshäusern" militanter Gesundheit tragen weder zur Gewöhnung bei, noch helfen sie bei der Planung für ein längeres Leben objektiv weiter. Auch was das Sortiment angeht, will einfach keine Abhärtung und schon gar keine Freude eintreten. Man fremdelt zwangsläufig mit den gesunden Produkten, von denen man zuvor niemals etwas gehört hat. Das bleibt einem in den Kleidern stecken.

Leberwurst, Schmelzkäse, Gummibärchen, Tiefkühlpizza oder auch Erdnuss-Chips, also Waren, von denen man sich gewöhnlich ernährt, sind hier ein Sakrileg. Schnelle Küche, wie beispielsweise eine cremige Pilzsuppe von Knorr, angereichert mit schmackhaften Fettpulvern, Konservierungsstoffen, Verdickungsmitteln und Farbstoffen, die dem Inhalt ein appetitliches Aussehen verleihen. Fehlanzeige!

Jeder hungrige Normalo, der einen Bioladen betritt, bemerkt es sofort. In der Luft liegt der staubige, leicht gammlige, zuweilen auch ins Faulige spielende Modergeruch. Man ist umgeben von einer Art sakralen Gesundheitsstimmung, der die eher banale Verrichtung eines Einkaufs zu einem Akt höheren Bewusstseins erhebt. Hinzu kommt das reflexartige Misstrauen der in Lohn stehenden Gesundheitsapostel gegenüber herkömmlichen Bürgern wie mich.

Die Mienen des Verkaufspersonals signalisieren mir, dass man den Reisschleim, die Tofu-Wurst, der handgerüttelte Bio-Kefir aus dem türkischen Hochland, die Hafermilch oder die linksdrehenden Jogurt-Produkte ausschließlich zwecks der Verbesserung des energetisch-ideologisierten Gesundheitsbewusstseins verkauft, nicht aber des Genusses wegen. Als modisch-sportlich gekleideter Single-Mann wird man im Bio-Laden gnadenlos mit abschätzigen Blicken, - sozusagen mit Röntgenaugen durchleuchtet. 

Ich wills mal so sagen: Als klassischer REWE- oder LIDL-Kunde mit Hang zum Leberkäse, zur Zwiebelmettwurst und zu knusprig gebratenen Fischstäbchen aus der Tiefkühltruhe ist man dem gesundheitsmilitanten Personal eines überzeugten Bioladens ausgeliefert und wird in Sekundenschnelle als menschlicher Fremdkörper identifiziert. Es sind diese „der-liebe-Gott-sieht-alles-Mienen“, die jeden Kunden in gepflegter Kleidung und gutem Geschmack scannen: „Ach…! Du willst hier also einkaufen? Bist du dafür qualifiziert? Und gehörst du dazu? Zu uns?“ Prüfende Blicke wandern von oben nach unten und verraten sofort das Ergebnis: "Du siehst nicht aus, als ob du dich richtig ernährst." Als würde man das meinen Schuhen oder den Socken ansehen.

Zwangsläufig schaut man an sich herunter, kritisch, schuldbewusst und sich selbst hinterfragend. Jetzt erkenne ich es auch! Natürlich wird es in diesem Laden jedem sofort klar: Ich gehöre zur Gattung Schweineschnitzel, Kalbsleberwurst und Tiefkühlkost, das erkennt man an meiner strahlenden Schnitzel-Aureole schon von weitem. Daher ist ein Bioladen per se vermintes Feindesland und es erfordert viel Mut und maximale Überwindung, einen interessierten Blick auf das Warensortiment zu werfen.

An Orten veganer Wokeness und verhunzter Geschmacksnerven, zwischen Schrotmühlen, Löwenzahnsalat und pflanzlichen Fleischprodukten aus Soja, sind vor allem die ehern geltenden Charakteristika der erwarteten Kleiderordnung gefragt, die mich schonungslos als Aussätzigen bloßstellen. Hier sind weite Beinkleider in trister Farblosigkeit aus authentisch verknitterndem Grobleinen aus Nepal angesagt, kombiniert mit schlabbernden geschlechts- und körperformneutralen Oberteilen, ebenfalls aus unverkennbar handgewirkten Naturfasern. Zwingend notwendige Accessoires sind Tragbehältnisse aus selbstgestrickten Sackleinen, die in der Regel schon seit einem halben Jahrhundert in Gebrauch sind. Nichts dergleichen kann ich vorweisen. Schlimmer noch, ich komme mit einer ALDI-Tüte aus Kunststoff, was mich natürlich sofort disqualifiziert, obwohl ich meinen Tragebeutel wiederverwende. Aber selbst das wird nicht goutiert.

Einkaufen im Bioladen ist wie Kommunionsunterricht eines genderaffinen Geistlichen, der in seiner Freizeit heimlich Frauenkleider trägt. Man fühlt sich von anwesenden Stammkunden permanent herablassend begutachtet und von Ablehnung verfolgt. Rein optisch betrachtet, handelt es sich zumeist um Repräsentanten geschlechtsverirrter Fortpflanzungsverweigerer, die aus Klimagründen mit Lastenfahrrädern ihre Einkäufe erledigen und dabei Soja-Milch mit einem Papierstrohhalm aus wieder verwendbaren Bechern zu sich nehmen. 

Und wenn sie dann einkaufen, diese Empörungsfetischisten, dann nur unter der Prämisse vorheriger Produkt-Prüfung, unter Vermeidung sämtlicher Geschmacksverstärker, Hefe-Extrakten, künstlicher Aromen und schädlicher Chemikalien, um ihr Gemüse-Leben zu verlängern. Selbst an den veganen Hund ist hier gedacht.

So überrascht es nicht, wenn man sich als Fleisch essender Normalo unmittelbar nach Betreten eines Bioladens als unerwünschter Eindringling fühlt und auch als solcher behandelt wird. Man atmet tief durch und stellt konsterniert fest: Der alternative Einkaufstempel müffelt nach modrigen Regalen, spröder Humorlosigkeit, geschrotetem Getreide und Bärlauch-Gemüse. Man befindet sich sozusagen im Zentrum der Ursuppe grüner Evolution. Vegane, Vegetarier, Tee-Trinker, Bachblüten-Aktivisten, die für die Unversehrtheit aller essbaren Tiere kämpfen, also eine Kundenspezies, die man normalerweise in der Öffentlichkeit meidet oder mindestens die Straßenseite wechselt.

Beim Personal handelt es sich grundsätzlich um mürrische, übellaunige, rechthaberische, zumeist geschlechtsneutrale und buntwoke Lebensformen, die eine Aura sauertöpfischer Verkniffenheit umgibt. "Prinz-Eisenherz-Ponys", Männer mit Dutt oder Rasta-Frisuren dominieren. Selbst die Zeugen Jehovas verströmen weit mehr Hedonismus und Daseinsfreude als die dogmatischen Gesundheitsjünger im Laden und an der Kasse. Überwiegend Gesundheits-Teetrinker – möchte ich hier hinzufügen.

Eilig schnappt man das für unsereiner Notwendigste, um sich zu ernähren und flieht sodann ins Freie. Durchatmen, wie früher nach dem Kirchgang, raus in die Welt, die zwar voller Schrecknisse, aber verglichen mit einem Bioladen immer ein Ort des Trostes ist, sofern man gleich um die Ecke einen MacDonalds findet. Draußen atme ich befreit auf und entdecke einen Obdachlosen mit einem Plastikbecher. Er trinkt schon am Morgen sein Bier. Ich gebe ihm spontan zwei Euro, denn er ist ein Verbündeter! Ich hoffe, er kauft sich dafür eine saftige Leberkäs-Semmel.

                                          

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