Auch an mir geht
gelegentlich der Kelch nicht vorbei, hin und wieder zu einem der berüchtigten
Münchner Events nach Schwabing eingeladen zu werden. Zugegeben, nur der Not
gehorchend sage ich zu, mich dort für ein Weilchen sehen zu lassen, meist, wenn
es für den Beruf unvermeidlich ist.
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Süddeutsche Zeitung |
Die Kaviar-Häppchen-Turniere werden meist von Journalisten und Fotografen
frequentiert, die entweder zu Hause nichts zu essen haben oder im Dunstkreis
der scheinbar großen Welt im Gespräch bleiben müssen. Meist fallen beide
Bedingungen zusammen. Und dort treffen sie dann auf schwule Schönlinge, alte
Geldsäcke und magersüchtige Lipgloss-Barbies, die mit maximaler Blasiertheit ihre
wichtige und einzige Botschaft verbreiten: Wir sind der Mittelpunkt des Orbits.
It-Girls aus der Retorte, mit dem erklärten Ziel, entweder vom Film entdeckt
oder von einem Industriellen geschwängert zu werden. Alternativ von dessen
Sohn. Zähigkeit, Ausdauer und chirurgisch optimierte Figur sind der Schlüssel,
"in" zu sein.
Der einzig wahre Luxus der Damen der Münchner Schickeria besteht darin, auf eigenes Hirn vollständig zu verzichten. Zum Ausgleich fehlender Hirnmasse beschäftigen die blondierten Bohnenstangen zwei Mal die Woche einen muskulösen Personal-Trainer. Auf 20 cm hohen Highheels und hautengem Stoff-Fähnchen schwärmen sie von ihrem Food-Instructor, um den parasitären Konkurrentinnen mit ihren neuesten, spektakulären Ernährungsinnovationen den Neid ins Gesicht zu treiben. Kleidergröße 34 bis 36 ist Pflicht, was darüberliegt, wird mit zuckersüßer Gehässigkeit oder hinterhältiger Häme kommentiert.
Auch wenn diese auf Luxus getrimmten Flitscherln nicht unbedingt wissen
müssen, an welchen Sträuchern die Möhren wachsen oder ob man den Spargel mit dem
Traktor erntet, plappern sie völlig schmerzbefreit über sensationelle
Lifestyle-Trends und die Einrichtung ihrer neuen Villa in Grünwald oder
Kitzbühel. Dabei stehen so wichtige Themen im Vordergrund, auf welche Weise man
in einer 70-Tausend-Euro-Küche mit handgeschmiedeten Yanagiba-Sashimi Messern
von Master Keijiro Doi kleine Gewürzgürkchen schneidet oder ein Filetiermesser
aus dem Messerblock entnimmt, ohne sich dabei zu verwunden.
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Münchner Merkur |
Sodann tauscht man sich in kleinen Grüppchen über die
unnachahmliche Fingerfertigkeit des schwulen Antoine aus, der als Star-Coiffeur
in Schwabing der weiblichen Hautevolee beim Schnippeln der Haarspitzen außerordentliche
Endorphine-Ausschüttungen bereitet. Frisch gestylt geht’s dann zum Shoppen in
Münchens Edelboutiquen, in denen die goldenen Kreditkarten der Ehemänner
extremen Belastungsproben ausgesetzt werden. Je nach Familienstand kommen auch alternativ
die Scheidungsmillionen zum Einsatz. Gegen Nachmittag trifft man sich zu einem
Gläschen Schampus und zwei bis drei Tartar-Häppchen bei Käfer. Abends rotten
sie sich auf jedem nur denkbaren Münchner Event zusammen und mischen sich unter
die an chronischem Geldmangel leidenden C-Klasse Promis. (Die Drinks sind
kostenlos - man ist schließlich wer)
Selbstverständlich glänzen diese gertenschlanken,
dauergewellten Grünwald-Schädlinge unter all den selbstverliebten C-Promis,
Halbweltgrößen, Baulöwen und exaltierten Schwuletten mit eigenen Karrieren.
Derzeit liegen in der Rangreihe überflüssiger Pseudokarrieren die Berufsbilder
wie Schmuckdesign, PR-Agentur, Innenarchitektin und Wedding-Consulter ganz
vorn, auch wenn jene Kanarienvögel in ihrem Leben noch nie etwas Vernünftiges
zustande gebracht haben. Ich wette, diese gestylten Püppchen können nicht einmal gut vögeln, was die Frage aufwirft, wozu sie überhaupt nutzen.
Irgendwie gleichen sich die blondmähnigen
Plappermäulchen - groß gewachsen, schlank, schick, anämisch und deppert - ganz
so, als seien sie aus der Standard-Produktion bei General Motors vom Fließband
gefallen. Beim Stelldichein der strunzdummen Belanglosigkeiten schlägt die
Stunde der gut gestylten Münchner Schadorganismen. Mit einem Minimum an Hirnsubstanz,
unterentwickeltem Vokabular und himmellangen Beinen nehmen sie biedere
Langweiler mit Geld, Bauch und Porsche ins Visier, während man die Nichtigkeit
des Party-Anlasses als unverzichtbares "Must" einstuft (…weil sie ja
selber auch da sind).
Und dann geht’s ab ins P1 - Münchens angesagte
Promi-Disco oder zu H’ugo’s Pizzabar. Dort mischen sich die vielversprechenden
Schönheiten vom Nachmittag unter jene Damen, die es durch lukrative Scheidungen
oder vorzeitiges Ableben der Ehegatten bereits geschafft haben. Die Jagd auf
coole und virile Typen, solargebräunt, mit offenem Hemd, Designerjeans und
dicken Eiern in der Hose - sie ist eröffnet. Grüne Nebelschwaden wabern über
die Tanzfläche und lässt der geifernd-freizügigen Promiskuität der Gäste freien
Lauf.
Psysedelische Klänge kriechen unter die Haut und
Lichtblitze hageln wie explodierende Halluzinogene in die Arena. Unwirkliches
Halbdunkel taucht auf jung getrimmte, schaurige Blunzen und geliftete Matronen,
goldbehängte Scharteken, multikaratbestückte Fregatten und alternde
Millionenerbinnen in gnädiges Licht. Runzelhälse, Lippen wie aufgepumpte
Gummischläuche und silikonoptimierte Brüste, mürbes Fleisch und Südseebräune
verschmelzen zu einer Symbiose modernen Lifestyle-Feelings.
Der ratlose Normalbürger erkennt diese dekadenten
Parasiten sofort, weil sie sich beim allabendlichen Zusammentreffen mit
enthusiastischem Jauchzen maximaler Verlogenheit und hinterhältig-süßem Lächeln
in die Arme fallen und sich genau zwei Mal gegenseitig busseln - links -
rechts. Kaum hat man sich geküsst, beginnt die Konversation. Mit Sätzen wie:
"guuut schaugst aus..." oder „…i gfrei mi so, dassd a widder do bist…“
bewegen sich die Damen mit gebleachten Zähnen und Haifisch-Lächeln am äußersten
Rande ihres intellektuellen Leistungsvermögens.
Erschöpft vom eigenen Anspruch wendet man sich den Smoothies
oder dem ultimativen Detox-Drink zu. Im Hintergrund wechseln die
"Haiti-Taities" gefährliche Sätze: "Mein Goooott, hosst den
Oarsch von Nastassia gseng? Need hischaung...! Glai plotzen die Näht vun dera
Hosn..." Nur gut, dass man als Normalsterblicher diesen Hyänen nicht in
die Hände fällt.
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