Direkt zum Hauptbereich

Der böse Mann in Russland oder: Wie sich deutsche Politiker der Lächerlichkeit preisgeben.

Alles begann mit der Vergiftung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, der aus einem russischen Krankenhaus in Omsk auf Bitten der Familie nach Deutschland in die Berliner Charité verlegt wurde. Es beißt die Maus keinen Faden, mit der Verlegung des Russen nach Deutschland hat man einen Skandal ohne Not zur „unserer Sache“ gemacht. Weshalb? Das weiß niemand so genau.


Wie man weiß, irren sich deutsche Forscher nie, was man an den wissenschaftlichen Erkenntnissen beim Robert-Koch-Institutes mit einem Tierarzt an der Spitze täglich nachvollziehen kann. Vom Neutrallitätsgebot will man erst gar nicht reden, zumal wissenschaftlich Labors in anderen Ländern aus deutscher Sicht eher dilettantisch arbeiten. Und da die Bundeswehrforscher sozusagen die Creme der Wissenschaft darstellen, können die Ergebnisse hinsichtlich Nawalnys Vergiftung zwangsläufig nicht angezweifelt werden.

Jetzt muss Deutschland handeln, so tönt es auf allen deutschen Ministerfluren. Sanktionen sind unerlässlich, blubbert es aus der zweiten und dritten Reihe. Und jeder Abgeordnete, mag er noch so schlicht im Oberstübchen sein, faselt dumpf und völlig unreflektiert über empfindliche Strafen. Putin muss in die Knie gezwungen werden. Selbst unsere Medien haben sich empört und unisono darauf eingestimmt: Dem Russen muss ein empfindlicher Schlag versetzt werden, damit er endlich begreift, dass wir Deutsche das Sagen haben.

Angesichts militärischer und wirtschaftlicher Überlegenheit unserer Republik wird Vladimir der Große sein Höschen einnässen, zumal Angela schon aufgrund ihrer rhetorischen Strahlkraft und ihrer furchterregenden Aura den Kreml erzittern lässt. Auch Heiko Maas und Jens Spahn haben sich mit unmissverständlichen Drohungen in Richtung Osten zu Wort gemeldet, was die Parlamentarier der Föderationsversammlung DUMA in Angst und Schrecken versetzt haben dürfte. Spahns und Massens Drohkulisse wird in Russland nicht überhört werden, daran herrscht kein Zweifel.

Vorsorglich behaupteten russischen Mediziner, Nawalny sei mit einer schweren Stoffwechselkrankheit ins Hospital in Omsk eingeliefert worden und man hätte keine Vergiftung feststellen können. An diesem Statement kann man ablesen, dass die Panik vor einem möglichen, deutschen Einmarsch Wirkung zeigt. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Speziallabors der Bundeswehr anscheinend festgestellt haben, dass der oppositionelle Russe mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok vergiftet wurde. Allerdings möchte die deutsche Regierung die Bundeswehr-Analysen nicht an Russland weiterleiten, zumal man nicht wissen kann, was der Russe damit anstellt. 

Aufgrund der messerscharfen Argumente kann's nur der Russe gewesen sein, der den Regimekritiker loswerden wollte. Und womit niemand rechnen konnte, ist nun eingetreten. Jetzt greift Deutschland zum Äußersten. Immerhin handelte es sich um einen in Russland entwickelten chemischen Kampfstoff, mit dem Nawalny der Garaus gemacht werden sollte. Verwirrend allerdings ist, dass die Chemiekeule Nowitschok von jedem einigermaßen begabten Chemiker in jedem beliebigen Land in der eigenen Laborküche nachgebaut werden könnte. 

Nun wird unter unseren intellektuellen High-Potentials der deutschen Politik wegen der unumstößlichen Beweiskraft des vermuteten Tatgeschehens darüber diskutiert, ob man als geeignete Vergeltungsmaßnahme das Projekt „Northstream 2“ einstellt und damit den Herren im Kreml den nachhaltigen Todesstoß versetzt. Dass man mit der Einstellung des nahezu fertiggestellten 20-Milliardenprojektes etwa 100 Deutsche Firmen in die Pleite treiben würde, sich überdies milliardenschwere Schadensersatzklagen an den Hals bindet und einige tausend deutsche Arbeitslose in Kauf nähme, übersteigt vermutlich den geistigen Horizont staatlich subventionierter Topschwätzer in Berlin.

Während einige Mitstreiter von Alexej Nawalny einen Anschlag durch staatliche Stellen lediglich vermuten, steht für die deutsche Regierung fest, dass für den Mordversuch der Kreml und damit Putin persönlich verantwortlich ist. Belastbare Beweise, Zeugen, unwiderlegbare Indizien – Fehlanzeige. Bislang sprechen unsere Politiker nur von „naheliegenden“ Hinweisen oder stützen sich auf „logische Schlussfolgerungen „Es ist schwer vorstellbar, dass der FSB nicht weiß, wer für die Vergiftung verantwortlich ist.“

Aber das ist eigentlich nebensächlich, wenn man sich auf alternative Gedankenspiele einlässt. Könnte es sein, dass Donald der US-Zampano und ausgewiesener Marginaldenker seine Finger im Spiel und die CIA um einen Gefallen gebeten hat? Immerhin erpresst er schon seit geraumer Zeit beteiligte deutsche Unternehmen, die federführend am Northstream-Projekt mitarbeiten. Und immerhin würde er liebend gerne sein teures, amerikanisches Flüssiggas an die Deutschen verhökern. Nichts wäre diesem Trump lieber, als Putin das Gasgeschäft zu versauen. Motiv hin, Motiv her, Trump würde so ziemlich alles aus niederen Beweggründen tun, um sein Amerika nach vorn zu bringen.

Man könnte in diesem Zusammenhang auch auf den Gedanken kommen, dass so ein raffinierter CIA-Agent diesem Störenfried Nawalny das russische Kampfmittel in den Teebeutel untergemischt hat. Und clever, wie so ein Ami eben ist, hat er gemutmaßt, dass Kanzlerin Merkel beim Ableben des Regimekritikers sofort auf den Gedanken käme: Der Russe war’s. Und zack… schon kann man Putin des Mordversuchs bezichtigen und mit Strafmaßnahmen belegen. Und selbstredend wäre dem CIA-Agenten klar gewesen, dass man sich auf dämliche deutsche Politiker verlassen kann. Dieser Nawalny würde sofort nach Berlin ausgeflogen, dort behandelt, während deutsche Politnasen im Chor nach Vergeltung rufen.

Denn aus Mutmaßung eines russischen Nordanschlages wird wundersamerweise ein Faktum, der mit dem Satz gipfelt: „Der Fall zeigt, dass der Kreml immer unverfrorener agiert.“ Sogleich fühlt sich unsere allwissende Kanzlerin bemüßigt, vor die Mikrofone zu treten und in ungewöhnlich scharfer Form, das Regime öffentlich vor den Kadi zu ziehen. Der Kreml weißt die die Schuldzuweisung natürlich vehement zurück und die russische Generalstaatsanwaltschaft verlangt klare und eindeutige Beweise eines von Putin veranlassten oder geduldeten Mordanschlags.

Die allerdings können nicht geliefert werden. Schlimmer noch, Russland mutmaßt nun seinerseits, Nawalny könne auf deutschem Boden vergiftet worden sein, was die These bestätigen würde, dass die verschiedensten Geheimdienste mit den unterschiedlichsten Interessen Geheimdienste ihre ganz eigene Wurstbrühe kochen. Genauso gut könnten Regenten der Anrainerstaaten im Baltikum ein paar Gramm Nowitschok in Teebeutel abgefüllt haben, weil sie an den Erträgen der Gaslieferungen nach Deutschland leer ausgehen. Die Empörung über die Alleingänge Russlands und Deutschlands hätten Sprengkraft genug. 

Fest steht jedenfalls: Nichts Genaues weiß man nicht! Und das muss aus deutscher Sicht sanktioniert werden, koste es, was es wolle. Aber es soll ja sogar sehr soziale Bürger geben, die der Meinung sind, Deutschland könne sich nicht von Putin erpressen lassen, weil er unser Land in die Abhängigkeit stürze. Klar, man kann natürlich das 6 Mal teurere US-Gas kaufen, das sich 15 Millionen Sozialhilfe-Empfänger und bedürftige Rentner in Deutschland nicht leisten können. Aber was soll's, wenn ein Fünftel der Deutschen im Winter frieren. Allein der soziale Gedanke zählt und der Rentner kann blau gefroren wieder in den Spiegel schauen.

Während unser Superminister Heiko von Nebelkerzen spricht, die Putin gezündet habe und deshalb als empfindliche Vergeltungsmaßnahme mit der Versenkung von 13 Milliarden Euro Steuergelder deutscher Bürger in der Ostsee droht, erzittern in Russland die Kremlmauern. Nun ja, inzwischen ist es Bürger hierzulande gewöhnt, dass unsere Polit-Eliten immer wieder von gefürchteten Geistesblitzen heimgesucht werden. Welch ein Schmierentheater.


Kommentare

  1. Danke Claudio, DU sprichst mir aus der Seele. Bestimnt nicht nur mir. Dieses Maasmännchen legt sich ja mit Amerika und Russland an. Klasse Kerl.......oder????

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

ich freue mich auf jeden Kommentar

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Obermessdiener und Chefopportunist in Mainz ist alles andere, nur nicht lustig.

Der Sitzungspräsident des Mainzer Karnevalsvereins Andreas Schmitt, physiognomisch gesehen einem drall gefütterten Hausschwein näher als einem frommen Betbruder, hat in der Bütt wieder einmal nachhaltig bewiesen, dass die Mainzer Fasnacht so viel mit Humor zu tun hat, wie der dümmliche Kampf der Omas gegen rechts. Nein ..., bei diesem Herrn vergeht einem das Lachen. Da hilft nur noch ein Stoßgebet gen Himmel. "Mainz wie es singt und lacht" ist für ihn und die humorbefreiten Berufskarnevalisten an seiner Seite eine todernste Angelegenheit. Ich wills mal so sagen: Das, was Schmitt als Büttenredner zelebriert, ist weder komisch, oder humoresk, noch witzig oder auch nur anasatzweise amüsant. Noch nicht einmal intelligent.  Mir drängt sich bei dem "närrischen Vortrag" Schmitts inhaltlich wie optisch unwillkürlich die Karikatur der „Reformation und Totenfresser“ von Pamphilus Gengenbach aus dem Jahr 1620 auf. Das Bild zeigt Bischöfe und Mönche, die sich an einer festli...

Politische Schwurbelfachkräfte, Fake-News-Meister und ideologische Leistungsträger

Alter Falter – in diesen Tagen kommt man bei der Berichterstattung politischer Paukenschläge kaum hinterher. Wenn der unschuldige Bürger bei seinem morgendlichen Informationsanliegen versehentlich auf den Kanälen unserer Qualitätsmedien landet, erhält er gegen eine bescheidene Monatsgebühr weit mehr, als er mental jemals verkraften kann. So ging es mir heute Morgen. Kaum hatte ich die Fernbedienung meines TV-Gerätes betätigt, erreichten mich die neuesten Verbal-Pläne unseres Kanzlers. Ja, man kann sagen, Friedrich Merz hatte wieder einmal als intimer Kenner seiner eigenen Gedanken vor einem großen Publikum den großen Auftritt beim „politischen Aschermittwoch“ in Trier. Erlauben Sie mir, liebe Leser, dass ich zu diesem Anlass kurz in die Antike abschweife. Alle kennen ja das berühmte geflügelte Wort der alten Römer, - so um die Zeit von Kaiser Nero -, das sich bei Fritz als verlässliche Verhaltensnorm tief verankert hat und uns regelmäßig zum Staunen bringt. 𝐐𝐮𝐢𝐝𝐪𝐮𝐢𝐝 𝐚𝐠𝐢...

Unsere Annalena mit Völkerrechtshintergrund verschiebt Grönlands Grenzen.

Annalena hat in ihrem glanzvollen Talk-Auftritt bei Maischberger wieder einmal einen ihrer weltpolitischen Rohrkrepierer gelandet. Man könnte auch sagen: Wir und Dänemark sind haarscharf an einer bearbock‘schen Eingemeindung Grönlands vorbei geschreddert. Immerhin, wie die "Diplom-Volksrechtlerin" (WIKIPEDIA) und Präsidentin der UN-Generalversammlung messerscharf und unmissverständlich feststellte, sind Grönländer auch Bürger. Nur wohin sie genau gehören, das ist unserer Vorzeigepolitikerin nicht so ganz geläufig. Politische Landesgrenzen jedenfalls spielen in einem grünenbunten Weltbild keine große Rolle. Was Annalena sagt, ist in Stein gemeißelt. Basta! Die gefährlichsten Potentaten und gewieftesten Staatsführer wie Putin, Xi Ping, Trump, Netanjahu oder Orban können ein Lied von den Begegnungen mit unserer EX-Außenministerin singen. Wenn sie vom Leder zieht, bleibt kein Auge trocken.. Wenn man es genau nimmt, hat hierzulande das Publikum des beliebten Polit-Talks von San...