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Beim Fußball wird’s immer bunter

Seit einiger Zeit habe ich enorme Schwierigkeiten, mich bei europäischen Liga-Spielen noch zurecht zu finden. Neulich, beim letzten Spiel gegen Schalke 04 rannte einer auf dem Platz herum, bei dem mir angesichts der Optik echte Bedenken kamen.

Mit seinem Bart und den dunklen Gesichtszügen hätte man vermuten dürfen, dass er ein Verbündeter Osama Bin Ladens war und den nächsten Anschlag plant, sobald er den sportlichen Acker verlassen würde. Aber unsereiner denkt ja an so etwas nicht. Wir kleben lieber einen Sticker an unser Auto, wonach alle Rassisten unter die Kategorie Arschlöcher fallen, obwohl in der "Mannschaft" kaum noch ein Zeitgenosse dabei ist, der die deutsche Nationalhymne mit trällert. Weshalb auch.

Ich wills mal so sagen: Inzwischen kann man den Eindruck gewinnen, dass auf unsere deutschen Fußball-Arenen nur noch "bunte" Fremdarbeiter kicken, auf den Rängen und in den Fankurven jedoch ausnahmslos bio-deutsches Publikum sitzt. Man fühlt sich im Stadion zwischen 50.000 grölenden Fußballfans, die den Bayernstürmer Mohamed Salah anfeuern, ins Jahr 2015 zurückversetzt, als enthusiastische blonde Grünanhängerinnen die dunkelhäutigen Leistungsträger aus fremden Ländern frenetisch auf Bahnhöfen feierten und mit Plüschbärchen bewarf. 

Auch wenn uns auf dem Fußballfeld Namen wie Mbele Owambo, Zlatan Bajramovic oder Demba Ba inzwischen flüssiger über die Lippen gehen als beispielsweise Nico Schlotterbeck oder die legendären Paul Breitner und Franzl Beckenbauer. Bei mir jedenfalls entsteht irgendwie immer ein leises Fremdeln, wenn es heißt: Der deutsche Trainer Tolgay Schmeba-Arslan oder ein Vincent Jean Mpoy Kompany will Deutschlands Fußball-Ehre mit Lubambo Musonda aus Lusaka, Iwisewitsch und Persic Kroatien oder Barumbajele aus Kamerun retten!

Man möge mir verzeihen, wenn ich sage, dass ich mich bei den Rodelweltmeisterschaften, Hockey, der Tour de France, dem Schie-Abfahrtslauf oder auch bei Schwimmsportarten in olympischen Becken noch einigermaßen heimisch fühle. Denn bei jenen Wettkämpfen kommt bei mir noch so etwas wie zarter Nationalstolz auf, sollte beispielsweise eine Emma Eicher oder Lena Dürr die Slalomstangen als Schnellste umkurven. In jenen Verbänden bedient man sich nur höchst selten eines dunkelhäutigen Gastsportlers aus Nigeria oder Eritrea. Könnte es sein, dass in diesen Sportdisziplinen für "Buntkämpfer", "Fremd-Olympioniken" und "Gastsportler" keine großen Gehälter bezahlt werden und sie sich aufgrunddessen lieber in deutschen Fußballvereinen verdingen?

Vielleicht bin ich ja nur ungerecht, weil ich mit bunter Vielfalt nicht viel anfangen kann. Kann gut sein, dass ich vollkommen falsch liege, kann aber auch sein, dass ich die Sprachkompetenz hochrangiger Fußballtrainer, die vor ihrer Karriere Slawistik und Semitistik studiert haben, vollkommen unterschätze, da die Fußballschleifer heutzutage ja auch mindestens 6 Sprachen und 29 afrikanische Dialekte beherrschen müssen. Wie anders soll es denn funktionieren, wenn sie ihren Kickern wie beispielsweise Mohamed Amoura aus Algerien beim Training erklären müssen, wie ein "hängender Libero" - auch "Sechser" genannt," erfolgreich agieren oder was ein unbeteiligtes Abseits sein soll.

Wie ist das eigentlich, wenn unsere Lieblingsmannschaft in der Bundesliga einen Sieg davonträgt? Schmücken wir uns da nicht mit fremden Federn? Oder sprechen wir dann etwa von kultureller Fußball-Aneignung? Man kennt sich kaum noch mit seinen Gefühlen aus, wenn Jay-Jay Okocha einen Freistoß verwandelt oder Pierre-Emerick Aubameyang einen Elfer versenkt. Dürfen wir dann noch reinen Herzens unseren Verein hochleben lassen? Immerhin bin ich einigermaßen beruhigt, dass die Fremdkicker nicht mit rosa Plissee-Röckchen oder strammen Regenbogen-Höschen in die heimischen Stadien einlaufen.

                                          

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