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Fritz aus dem Sauerland und die Bürde des Amtes.

Was ließ unser aller Worthülsen-Fritz gestern in der Schützenhalle zu Arnsberg sein Publikum wissen? „Ich spüre die Verantwortung des Amtes!“ Mein lieber Scholli! Da fragt sich doch jeder sofort: Wo zwickt sie ihn denn, die Verantwortung?  In der Hüftgegend? Am Hosenbund? Oder vielleicht am Hals, weil er den Krawattenknoten gestern am frühen Morgen zu fest zugezogen hatte? Im Oberstübchen jedenfalls gibt es nichts, was kneifen könnte, so viel steht fest.

Ich möchte das jetzt nicht weiter vertiefen, aber nur so viel: Auch die Wähler spüren die Verantwortung, vor allem an der Tankstelle, bei der Lohnabrechnung, bei den Klimarettungsabgaben, dem ultimativen "Solidaritätsbeitrag" für die Ukraine und natürlich auch, wenn sie die Nebenkosten für ihre Häuser und Wohnungen berappen müssen. 

Und während nicht nur über 40 Prozent aller Wähler ernsthaft darüber nachdenken, wie sie ihrer Verantwortung beim nächsten Urnengang gerecht werden, frischen einige seiner engsten „Parteifreunde“ heimlich ihre Geschichtskenntnisse auf und machen sich kundig, auf welche Weise Marcus Iunius Brutus, damals in den „Iden des Merz“, den großen Cäsar um die Ecke brachte. Gut, gut, das ist jetzt 2.000 Jahre her, nichtsdestoweniger ist die Methode immer noch bewährt und wird neuerdings wieder auf unseren nächtlichen Straßen zelebriert.

Dann setzte Fritz im vollbesetzten Schützensaal mit dramaturgisch gesenkter Stimme seinen Satz fort mit: „Wir müssen trotz Krisenstimmung den Aufbruch wagen!“ Im Anschluss griff er rhetorisch und semantisch noch einmal tief in die CDU-Metaphernkiste und bediente sich einiger bewährter Floskeln. „Warum trauen wir uns eigentlich heute keine guten Zukunftspläne zu?“ Ein rethorischer Appell wie in Granit gemeißelt, der dem jammernden Volk signalisieren soll, sich verdammt noch mal endlich am Riemen zu reißen und ein paar Jahre länger am Brutto-Sozialproduckt mitzuwirken.  

Immerhin rufen ihm in Sälen und bei Großveranstaltungen einige seiner versklavten (versklavt = Parteiraison) CDU-Vasallen immer noch regelmäßig zu: „Ave Fritz – morituri te salutant.“ Doch wo er auch auftritt, die euphorischen Jubelstimmen werden immer dünner. In diesem Wissen rückte der „Imperator aus dem Sauerland“ seinen Lorbeerkranz – genauer gesagt, die „corona triumphalis“ über dem dürftigen Haarbürzel ein wenig zurecht und quittierte die Ovationen seiner suizidalen Parteikämpfer mit huldvollem und geschmeicheltem Lächeln.

Manchmal erinnert mich der Mann auch an den egomanen Kaiser Nero, der sein geliebtes Rom komplett reformieren wollte. Nun ja, der Begriff Reform traf es dann doch nicht so genau, wenn man bedenkt , was Nero anrichtete. Er fackelte die ganze Stadt ab und machte "tabula rasa", wie man damals sagte. Aber wenn ich es so recht bedenke, gibt es zwischen den beiden doch gewisse Parallelen, wenn man den Zustand unseres Landes betrachtet. Aber nun zurück zu Sauerland-Cäsar. 

Zunächst zog er die Lehren aus der Vergangenheit, denn über seinem Kopf prangte am Veranstaltungsort im Sauerländischen das Bekenntnis der Schützen. „Glaube, Sitte, Heimat?“ Bei diesem Slogan der Bruderschaften drängt sich unvermeidlich der anheimelnd-patriotische Duktus der AfD auf. Nachdem der Kanzler, um eventuelle Missverständnisse oder Parallelen zu vermeiden, kurzerhand die NSDAP mit der AfD verglich, waren die Brandmauerfronten wieder geklärt.

Dann nahm er seine Partei-Mitglieder in Neheim-Hüsten fest in den Blick und schmetterte ihnen mit energischer Stimme die Kanzler-Vision entgegen: „Und ich bin persönlich mit aller Kraft entschlossen, den Aufbruch mit meiner Regierung auch zu ermöglichen.“Uff! Da dürften sich bei so manchem „Gladiator“ an der Werkbank und an der Großbaustelle gewisse Zweifel breitmachen.

Offen gestanden, das wäre ja beinahe so, als hätte Fritz angekündigt, höchstselbst als römischer Terminator, - mit Wattebällchen bewaffnet – versteht sich, in die Kampfarena hinabzusteigen. Das tut er natürlich nicht. Denn dort warten die martialische Bärbel und der heimtückische Lars mit Keulen, Kurzschwertern und scharf geschliffenen Lanzen, um ihn nach einem kurzen Gemetzel seinen Parteifreunden als Opfer zu präsentieren.

Machen wir es doch einmal deutlich. Fritz formulierte, wie eigentlich immer, die fulminante Vision maximaler Entschlossenheit, nicht etwa, weil er vorhaben würde, sich persönlich den Herausforderungen zu stellen. Nein, „in Zeiten eines so tiefgreifenden Wandels und großen Umbruchs“, wie unser 1,98 großer Cäsar im Ortsteil Neheim-Hüsten ausführte, würde er wie immer den Hinterausgang der Arena wählen, um sich nicht die Schmährufe des enttäuschten Publikums wegen entgangener Freuden anhören zu müssen.

Nach meinem Geschmack hätte man ruhig ein Dutzend hungriger Partei-Löwen ins sauerländische Forum reinlassen sollen. Das wäre dann wenigstens spektakulärer, mindestens aber aufregender gewesen und hätte die Kanzlerfrage, die im Raum steht, ein wenig abgekürzt. 

Ich wills mal so sagen: Der "tiefgreifende Wandel" in der Wahlarena und im Kanzleramt steht unmittelbar bevor. Damit hat Fritz, der Bundes-Caesar, natürlich recht, auch wenn er es nicht wahrhaben will. Ob es sich nun um „Wüst(e) Gerüchte“ handelt, oder ob man Jens Spahn infame Königsmörder-Ambitionen nachsagt, Fritz scheint zu ahnen, dass die Messer auch intern gewetzt sind, um ihn endlich von der Bürde seiner Last zu befreien. Aber jetzt kommen zum Glück ja erst einmal Sitzungsferien und die Fußballweltmeisterschaft.

Auch wenn Fritz bei jedem seiner Auftritte den Eindruck vermitteln will, er wisse genau, was zu tun ist und ohne ihn würde sowieso nichts gehen, hat sich nach einem Jahr eine übergreifende Volksfrustration eingestellt. In der CDU-Arena tut sich einfach nichts. Wer zahlt uns eigentlich die Eintrittsgelder zurück?

                                       

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