Vor meinem geistigen Auge laufen die Szenen der Rückkehr- und Urlaubsvorbereitungen unserer Edelkicker ab wie ein billiger Bollywoodstreifen aus dem Subkontinent Indien. In den Luxus-Suiten im Basislager des Graylyn Estate Hotels in Winston-Salem, zugegebenermaßen eine außergewöhnlich erlesene Herberge, in der normalerweise nur die internationale Geld-Dekadenz ihr müdes Haupt angemessen bettet, herrscht seit gestern eine merkwürdige Mischung von wehmütiger Betriebsamkeit und freudigem Hochgefühl.
Die "Pflicht-Niederlagen" unserer kickenden Halbgötter wurden erfolgreich und aus dem Blickwinkel der Spielerdamen erfreulicherweise vorzeitig abgeschlossen. Jetzt steht der lang ersehnte Urlaub mit der Familie an. Während die Spieler-Gattinnen, vom hektischen Reisefieber erfasst, ihre Gucci-Schmink-Köfferchen und Versace-Trolleys packen, lassen die Herren der deutschen Fußball-Schöpfung am Pool des ultrafeudalen Ressorts die letzten Stunden unter Sonnenschirmen mit eisgekühlten Drinks ausklingen. Freilich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Der eine oder andere unserer Fußball-Artisten wird mit der Ungerechtigkeit des Schicksals hadern, traf man bei den KO-Spielen nicht etwa auf die Wunschgegner des Vatikan, aus Monaco, San Marino oder Liechtenstein, sondern auf siegeshungrige Athleten, die sich verbissener wehrten, als man erwarten durfte. Natürlich konnte niemand damit rechnen, dass das schöne Tor unseres nationalstürmenden Jonathan Tah von der Elfenbeinküste beim Spiel gegen Paraguay vom marokkanischen Schiedsrichter Jalal Jayed wegen unüberbrückbarer gegenseitiger Abneigung aberkannt werden würde, bevor es zum Schlimmsten gekommen wäre.
Doch das sind nur die Randereignisse des selenlosen Spielgeschehens unserer Ballkünstler. Sprechen wir die Sache doch einmal offen an: Wäre es bei den Weltmeisterschaften fair zugegangen, würde die FIFA den deutschen Stars wenigstens einige Siege zugesprochen haben, auch wenn sie gar nicht mitgespielt hätten. Schwamm drüber. Nun gehören wir wieder einer Kicker-Nation an, deren Protagonisten mit geringstmöglichem Leistungswillen und Einsatz höchste Einkommen verzeichnen.
Aber es gibt natürlich auch den anderen Blickwinkel: Hätte nicht Julian Nagelsmann sondern beispielsweise Kanzler Fritz unsere Mannschaft unter seine Fittiche genommen, würden wir vermutlich, sogar, ohne an den Weltmeisterschaften teilgenommen zu haben, mithilfe einer milliardenschweren Subvention aus Steuergeldern bis ins Endspiel gekommen sein. So müssen wir uns aus Sparsamkeitsgründen mit einem kläglichen Gruppensieg in der Vorrunde zufriedengeben, was mich zu dem Fazit bringt:
Wenn unsere Regierung nicht einmal mehr die FIFA mit einer angemessenen Summe für eine deutsche Weltmeisterschaft unterstützen kann und sogar unsere Rentner gezwungen sind, ihre Flaschenpfand-Einnahmen in Form von Fernsehgebühren abführen müssen, damit sie am Weltmeisterschafts-Event zu Hause teilnehmen können, dann können wir von einer echten Schieflage in unserem Land sprechen. Wenden wir also lieber wieder den Blick auf erträglichere und weniger deprimierende Dramen unseres Lebens. Bei einem Monatseinkommen von reichlich mehr als 100.000 Euro sieht die Welt der Star-Fußballer im Vergleich zum anstrengenden bürgerlichen Dasein eines herkömmlichen Bürgers einfach unbeschwerter aus, auch dann, wenn sie seit Jahren ununterbrochen eins auf die Mütze bekommen.
Deutschlands Fans müssen trotzdem nicht die Köpfe hängen lassen, auch wenn sie Tausende von Dollars an Eintrittsgeldern berappen mussten. Man gönnt sich ja sonst nichts mehr in Deutschland. Dennoch können wir konstatieren: Was unseren Kickern fehlte, gleichen die Spielerdamen, allesamt nicht gerade edlen Geblüts, sondern eher dem Müller-Meier-Schulze-Milieu entstammend, in den sündhaft teuren Edel-Boutiquen in New York oder Phoenix aus.
Als ehemals quirlige Party-Hasen mit mühsam erworbenem Hauptschulabschluss, haben sie unter Einsatz all ihrer optischen Vorzüge und körperlichen Reize einen kickenden Geld-Parvenü ergattert. Fortan lassen sie es in High-Heels von Gucci, Prada-Fähnchen und hoher Affinität zur Kreditkartenleistung ihrer angeheirateten Disco-Trophäe in den Luxustempeln der Mode ordentlich krachen.
Selbstredend profitieren auch die angesagten Coiffeure Jean-Paule und der exaltierte Antoine, die sich noch kurz vor der unerwartet zügigen Abreise jauchzend und mit Verve über die Echthaar-Extensions der mitgereisten Gattinnen hermachen, verspricht doch der Dauerwellen-Einsatz am hübschen weiblichen Vorzeigepüppchen erkleckliche Umsatzzuwächse. Ein deutsches geflügeltes Wort sagt es treffend: Gleich und gleich gesellt sich gerne. Oder Geld macht aus schlichten Abkömmlingen der Müller-Meier-Schulze-Fraktion strahlende Glamour-Girls, die nichts weiter bieten müssen, als ihre Silikon und Botox optimierte Schönheit.
Wie sang doch Liza Minelli einst so schön: Money makes the world go arround. In einer Welt, in der der Inhalt eines Fußballs hoch mit dem Inhalt der Oberstübchen kickender Gladiatoren und ihren angeheirateten Accessoires korreliert, haben sich die Maßstäbe signifikant verschoben. Das Maß der Dinge sind für die kickenden Gladiatoren der Neuzeit nicht etwa Stolz, Leidenschaft, Kampfgeist, Disziplin oder Herzblut, sondern der Aston Martin, der Ferrari oder der Maserati vor der Haustür ihrer schicken Villa in den gediegenen Wohngegenden. Nicht besser ist es um die Spielerfrauen bestellt, deren Horizont spätestens bei der Yves-Saint-Laurent-Boutique in München oder Paris und dem medial gehypten Super-Image des geheirateten Fußball-Gottes endet.
Wie sehr das heile Weltbild einer gekünstelten Samariter-Ideologie ins Wanken gekommen ist, zeigte uns bei dem letzten großen Fußball-Event die ehemalige Ministerin Nancy Faser, die das bunte Fußballzeitalter in unseren Stadien endgültig etabliert und seelenlose Weicheier zu unseren Helden aufgewertet hat. Immerhin bin ich einigermaßen beruhigt, dass die Kicker, denen man jedweden Nationalstolz aberzogen hat, nicht mit rosa Plissee-Röckchen oder strammen Regenbogen-Höschen in die heimischen Stadien einlaufen.
Doch wie wir jetzt alle von den Rängen der
Stadien, auf den Bildschirmen und an den Ergebnissen ablesen können, in den
Köpfen der Nationalmannschaft geht es woke zu. Hauptsache, die Kasse stimmt. Jetzt wird unsere aller Nagelsmann mit 14 Millionen Euro abgefunden und verabschiedet. Aber wer weiß, vielleicht übernimmt Fridrich Merz den Job und wird unsere aller Bundestrainer, auch wenn er jedes wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Spiel versemmelt. Wer braucht in unserem Land schon noch den Erfolg? Avanti Dilletanti!
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Unicredit Santo Stefano



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