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…wenn Bevormundungsfetischisten das Singen verbieten oder: Der bigotte Erlanger Stadtrat schlägt unbarmherzig zu.

Ich wills mal so sagen: Von der Verwaltung zur Vergewaltigung ist es nur ein Schritt. Wie klein dieser Schritt ist, belegen so manche übereifrigen Stadt- und Gemeinderäte. Wenn sich kommunale Kleingeister und subalterne Beamte bemüßigt fühlen, Sitte, Moral und gesellschaftliche Ordnung nach ihren eigenen Vorstellungen zu definieren und über deren strikte Einhaltung zu wachen, dann befinden wir uns endgültig in den Klauen totalitärer Psychopathen.

Welche abstrusen Konsequenzen das Regelwerk engstirniger Krämerseelen hat, die in der Erlanger Gemeinderatssitzung eine Verbotsliste für volksschädliche Partysongs und staatszersetzende Musikstücke erarbeitet und verabschiedet hat, wäre für jede Satiresendung ein Highlight. Und wer sich angesichts behördlicher Befindlichkeitsmimosen und krankhaft-ideologisierter Demagogen fragen sollte, in welchem Land man sich wohl gerade befindet, in dem Meinungen, Begriffe und jetzt sogar Lieder nach Gutdünken verboten werden, dann antworte ich: Du bist in Deutschland!

Im Frankenland scheinen die kommunalen Tugendwächter noch feinfühliger zu sein, wenn es um destabilisierendes Liedgut auf Volksfesten oder öffentlichen Veranstaltungen geht. Wir erinnern uns: Die Anfänge subversiver Gesangsgruppen haben wir im Frühsommer 2024 erlebt, als unsere Demokratie mit dem Lied „L’amour toujours“ schweren Bewährungsproben ausgesetzt war. Ich habe inzwischen den leisen Verdacht, dass die Politik in Kürze eine allgemeine Denkverbots-Verordnung verhängt, um uns vor uns selbst zu schützen.

Während die Stadtverordneten Würzburgs bereits 2022 bei dem Partyschlager „Layla“ politische Zersetzungstendenzen erkannten und den Song kurzerhand verboten, folgte jetzt die Stadt Erlangen mit einem langen Unterlassungskatalog. Ab sofort stehen die beliebten „Mit-Gröl-Songs“ auf dem Verbots-Index. Die Stadt schickte den Wirten des Volksfestes „Bergkirchweih“ eine Liste mit Liedern, die wegen „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ nicht mehr abgespielt werden dürfen. Nun ja, unsereiner weiß ja nie, was sich so alles in einem Beamtenhirn abspielt. 

Damit wir uns nicht falsch verstehen, bei dem CSU-GRÜN-dominierten und somit besonders engagierten Gemeinderat versteht man absolut keinen Spaß, wenn es um die Sangesfreuden feiernder Menschen geht. Selbstredend werden auf der Bergkirchweih zu Erlangen an allen Eingängen zum Festgelände strenge Taschen- und „selektive Personenkontrollen“ durchgeführt, um die Bevölkerung vor übergriffigen Afghanen, Tunesiern, Syrern oder Marokkanern zu schützen, die möglicherweise subversive Notenblätter und verbotene Liedertexte ins Volksfest-Gelände einschleusen, um endlich angemessen diskriminiert zu werden. 

Hier die Verbotsliste:

- „Layla“ – DJ Robin & Schürze (2022)

- „Nein heißt ja“ – G.G. Anderson (2000)

- „Donaulied“ – Volkslied / Mickie Krause (2012)

- „Baby Bell“ – Breitner (2025)

- „Joana (du geile Sau)“ - Peter Wackel (2007)

- „Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona“ - Mickie Krause (1999)

- „20 Zentimeter“ - Mirja Boes (2000)

- „Die Glöcknerin von Dingolfing“ - Dorfrocker (2015)

- „Skandal im Sperrbezirk“ - Spider Murphy Gang (1981)

- „Geh mal Bier hol'n“ - Mickie Krause (2014)

- „Deine Freundin“ - SDP (2015)

- „10 nackte Friseusen“ - Mickie Krause (1999)

- „L’Amour toujours“ - Gigi D’Agostino (2001)

Sogar vor einem Erlanger Urgestein macht die Regulierungswut der Stadt keinen Halt: Schlagerstar Peter Wackel (49) steht mit „Joana“ auf der Schwarzen Liste. Begründung des Bürgermeisters: „Problematische Zwischenrufe“, weil das Publikum auf den Namen „Joana“ traditionell mit „Du geile Sau“ antwortet, obwohl in den Liedversen nicht einmal ansatzweise die AfD vorkommt.

Wir erinnern uns an den Vorfall in Sylt: Olaf Scholz fühlte sich damals genötigt, öffentlich seinen Ekel über den gesungenen Italo-Hit von Gigi D’Agostino auszudrücken. Natürlich nicht nur wegen der rhythmischen Tonfolge „Döp-dödö-Döp“, sondern wegen des von subversivem Gesindel eingetexteten Inhaltes. Zwar enthält der Text weder erotische noch koitale Aufforderungen, stattdessen implizieren die zumeist ausgelassen feiernden Jugendlichen auf Schützenfesten, in Bierzelten, Dorffesten und Partyveranstaltungen mit ihrem Gegröle eine ablehnende Komponente gegenüber Fremden, die sich in ihrem Land aufhalten.  

Ich will ja grundsätzlich nichts gesagt haben, aber ich vermute, dass es unter den fränkischen Philistern und Verteidigern der Demokratie, des Anstands und des Anti-Rassismus das eine oder andere Mitglied mit unkeuschem und amoralischem Gedankengut gibt, das nachts und im Schutze der Dunkelheit das „Puppenhaus“, die Top-Adresse für Männer aufsucht. Dort warten auf ihn Natascha aus Kiew, Lin-Chiu aus Vietnam, Milena aus Polen und ganz sicher auch die heiße Moni aus Graz. Rassistische Berührungsängste entfallen hier vollkommen, sondern man zeigt sich völkerverständigend.

Selbstredend ist sich der Erlanger Bürgermeister mitsamt seinem Gemeinderat darüber einig, dass das bekannte Etablissement der Stadt unverzichtbar für die gesunde Sexualhygiene einsamer Männer ist und der Besuch internationaler Damen überdies ein wichtiges Signal gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit darstellt. Dennoch erschließt sich dem Leser nicht, weshalb dann der Songtext „Skandal im Sperrbezirk“ von der „Spider Murphy Gang“ auf dem Waldfest in Erlangen nicht gemeinschaftlich geträllert werden darf. Aber wir müssen ja nicht alles verstehen.

Sprechen wir es doch einmal offen aus: Die staatlichen und kommunalen Bevormundungskartelle scheinen unfassbar sensibel zu sein, wenn es um populäre Unterhaltungsmusik geht, die einen Regierungsumsturz befürchten lassen. 750.000-mal ging die Single-CD „L’amour toujours“ über den Ladentisch, 450 Millionen Mal wurde der Song bei Spotify und YouTube abgerufen, da hat die schiere Verkaufsmasse natürlich Potenzial für einen herbei gesungenen Staatsputsch. Armes Deutschland!


                                        

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