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Das ultimative Frühstück am Wahltag

Heute, am Tag der Wahlen und der ultimativen Entscheidung präpariere ich mich für den Countdown. Es gilt, unbelehrbare Schwarze, traumtänzerische Grüne, geldgierige Sozialisten und anderes Gesindel abzuwählen. Dazu gehört selbstredend ein kräftigendes Frühstück. Kaffee, frisch gebackene und herrlich duftende Semmeln, Wurst, Käse, Spiegeleier – eben deftige Zutaten, die einen Mann wie mich, hungrig, viril und mit beiden Beinen im Leben stehend, dringend benötigt. Das macht gute Laune und lässt den Fritz, Lars, Felix und seine Vasallen vergessen.

Doch ohne Semmel kein Sonntag – so siehts mal aus. Ich also los, springe in die Klamotten, zack - rein ins Auto und ab zum Bäcker meines Vertrauens.

Ich stehe im Bäckerladen, um meine Semmel -, frisch aus dem Ofen-,  zu erstehen. Elke, eine rassige Brünette lächelt mich erwartungsvoll an, während ich die Auslagen in den in den zwei Dutzend gut gefüllten Brotkörben studiere.

»Wie üblich…?«, haucht sie über den Tresen.

»Guten Morgen«, begrüße ich meine Lieblingsbäckerin  mit einem unwiderstehlichen Charme-Timbre im Bass. »Ich hätte gerne fünf Kürbiskernbrötchen und zwei Joghurtsemmel.«

»Aber gerne«, zwitschert sie. »Übrigens, kennen Sie unser neues Bonus-System?«

Ich schüttle überrascht den Kopf. »Nein, noch nicht…«, erwidere ich irritiert, während meine Augen wohlwollend auf ihren topographischen Attraktionen lagen.

»Wenn sie heute zwei Mini-Dreispitz-Leinsamen-Blätterteig-Eckchen und vier abgeflämmte Bio-Mohn-Knusper-Baguettes nehmen, bekommen sie zwei Brötchen-Bonus-Punkte mehr als für die fünf Kürbiskernbrötchen und dazu noch zwei Franzosen.«

»Ach....!« Vermutlich müssen die Franzosen weg, bevor sie knochenhart werden, denke ich. Aber einem geschenkten Gaul… »Ja dann...«, murmle ich unentschlossen und blicke mich nach Alternativen um.


Ich gestehe, früher war alles leichter. Da konnte man zwischen Milch-, Wasser- und Salzbrötchen wählen, heute braucht man enorm viel Fantasie, um sich vorzustellen, auf was man gerade Appetit haben könnte.

»Oder nehmen sie doch zwei Dreikorn-Kümmel-Laugenschrot-Knacker...«, unterstützt mich Elke bei meiner Entscheidungsfindung, »und wenn sie dazu noch fünf Roggen-Käse-Feinschmecker-Stangen aus Winzerbrot-Teig kaufen, dann bekommen sie sogar drei Brötchen-Bonus-Punkte mehr.«

»Klingt nicht schlecht...! Und was passiert mit den Punkten?«, frage ich interessiert.

»Ab fünfundzwanzig Punkte bekommen sie sieben Fitness-Sesam-Backstuben-Schnitten für nur einen Euro.«

»Wunderbar« entfährt es mir. »Aber Weizen-Mohn-Zöpfchen esse ich lieber«, wende ich mit gerunzelter Stirn ein.

»Die gibt es nur in Verbindung mit zwei Laugenbrezeln ohne Bonuspunkte!«

»Und was ist mit dem Ciabatta«, erkundige ich mich weiter.

»Die sind heute im Angebot!«, höre ich sie sagen. »Mit Oliven, Paprika, oder Bio?«

Ich überlege, wie wohl Semmeln ohne Bio hergestellt würden und welche Materialien zum Einsatz kämen, während mich die schöne Bäckerin mit einem grandiosen Augenaufschlag betört.


»Die sind aber von gestern«, bemerkt Fräulein Elke beiläufig und greift nach einer größeren Tüte.

»Nein, dann möchte ich doch lieber Frische! Ich mag‘s gern knusprig«, und bewundere ihre einladenden Rundungen.

»Welche Sorte?«, flötet sie und wirft mir einen glühenden Blick zu, der mehr zur Kundenbindung beiträgt als jedes Pünktchen auf meinem Rabattkonto.

Die Schlange hinter mir staut sich bereits auf dem Bürgersteig und es wird Zeit für eine rasche Entscheidung.

»Wollen sie heiraten oder Brot kaufen«, knurrt eine Stimme hinter mir.

Ich beachte den Drängler hinter mir nicht. »Geben Sie mir acht doppelseitig gebackene Malz-Mehrkorn-Krüstchen und fünf Bio-Sesam-Spitzen.«

»Sieben Euro zwanzig! Haben sie schon ein Kärtchen, damit ich die Punkte drauf buchen kann?«

»Nein«, antwortete ich und überlege, ob der Preis angesichts der rassigen Bedienung eine Vergnügungssteuer beinhaltete.

Die Brünette reichte mir mit strahlenden Augen ein Heftchen und einen Kugelschreiber über die Theke. »Sie müssen das ausfüllen!«

Für Elke würde ich sogar noch meine Telefonnummer draufschreiben und wann sie mich heute Abend besuchen könnte. Brav notiere ich meinen Namen und Adresse auf den neuen Kundenausweis und nehme meine Tüte entgegen.

 »Ach..., eh ich‘s vergesse...!« Ich wende mich erneut dem Tresen zu. »Sind Sie sicher, dass meine Daten nur bei Ihnen und nicht beim Verfassungsschutz landen?«, und verleihe meiner Stimme einen basswarmen Unterton, bei dem die Damen gewöhnlich in die Knie gehen, mindestens aber nervös werden.

Elke, die schöne Bäckerin dagegen ist perplex. »Äh...«, meint sie und errötet. Ich bemerke mit Wohlwollen, dass sich auch ihr Atem ein wenig beschleunigt.

»Sie müssen verstehen«, erwidere ich mit charmantem Unterton, mit dem ich ihr den sanften Todesstoß versetzen will. »Mit den Daten wird heutzutage allerhand Unfug angestellt. Es wäre mir unangenehm, wenn der Verfassungsschutz meine Vorliebe für schöne Bäckereigehilfinnen eines Tages gegen mich verwendet.« 

Elke schaut mich konsterniert an. Der Scherz war ihr wohl zu intellektuell.

»Ich bin verlobt«, flüstert sie und erhebt ihren beringten Finger. Dennoch, wie es scheint, klingt ihr Hinweis wie ein Bedauern.

Enttäuscht verlasse ich den Laden. Irgendwie muss ich jetzt meine Frustration loswerden. Ich werde mich an der Wahlurne rächen, denke ich und den Grünen, Roten und Schwarzen eine empfindliche Niederlage bereiten. Aber vorher noch schnell zum Friseur. Es wäre in diesem Monat mein 10.ter Besuch bei Marion mit den sanften Händen. Das schwarzhaarige Luder mit ihren Glutaugen ist mit Abstand die aufregendste Friseuse in der Stadt. Ich würde dieses Mal kostenlos von ihr geschoren werden! 

Was tut man nicht alles, um in diesen Zeiten ein Schnäppchen zu ergattern... Und dann ab ins Wahllokal und ein dickes Kreuz bei der AfD setzen, - schon des guten Gefühls wegen!

                                       

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