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Kriegs-Euphoriker, Machtgier - und Voyeure auf dem heimischen Sofa

Die Nachrichten und die mediale Dauerbeschallung aus den Kriegsgebieten in der Ukraine oder Gaza scheinen hinsichtlich des Inhalts einer festen politischen Dramaturgie unterworfen zu sein. Man möchte sich inhaltlich und angesichts der unerträglichen Penetranz und der politischen Parteinahme nur noch angeekelt abwenden. 

Egal ob euphorische Fortschrittsmeldungen von Geländegewinnen, Liquidierungen von Hamasführern und Folterqualen entführter Opfer, das grauenvolle Schauspiel wiederholt sich und folgt nach festen Regeln und Regieanweisungen. Die Politik diskutiert und kommentiert mit technokratischer Distanz über Ursache und Wirkung, Schuld und Unschuld oder Recht und Unrecht. Den Bürgern und Zuschauern am Rande dagegen stockt beim Anblick von Tod, Leid und Zerstörung der Atem. Wem nutzen solche Bilder?

„Wir fühlen uns unseren Lesern und dem Publikum verpflichtet,“ so klingt es aus Journalistenmündern, so authentisch wie möglich aus Krisengebieten und über Killer-Operationen zu berichten. Wieder einmal sitzt das aufzuklärende Volk gebannt vor heimischen Bildschirmen und erlebt hautnah, wie Berichterstatter ihre ganz eigene Kriegs-Pflicht erfüllen. Bewaffnet mit Kameras, Videogerätschaften und hungrigen Objektiven übermitteln sie uns gestochen scharfe Bilder, unterstützt durch fachkundige Regieanweisungen vor Ort. Wir dürfen mitfiebern, wie Kinder im Sand verrecken, Frauen in Lugansk in Stücke gerissen oder Krankenhäuser in Cherson oder Donezk filetiert werden.

Immerhin, zum Sonntagsfrühstück gibt es Toast, Orangenmarmelade und Life-Beschuss in den Frühnachrichten. Grellen Explosionsblitzen folgen dumpfe Detonationen, während der "WELT-Reporter" vom Hoteldach aus die vernichtenden Einschläge der Drohnen kommentiert. Ein Feuersturm fegt über unseren morgendlichen Brunch hinweg. Stundenlanges verbissenes Scharmützel und wir sitzen in der ersten Reihe. Schweinebraten und Knödel werden hastig aufgetragen, während die hübsche Tagesschausprecherin mit sensationsintonierter Stimme die gelungene Bratensauce mit Blut, Angst und Leid verfeinert. Das Inferno brennender Ruinen garniert den Endiviensalat. Mit deutschen, französischen oder amerikanischen Präzisionswaffen begleitet uns der schauerliche Tod als Unterhaltungssendung ins verdiente Wochenende. Mal sehen, wie die Sache weitergeht. Vielleicht haben wir Glück, und es gibt am Montag die Fortsetzung mit einer Botschaftssprengung in Belarus oder einem Erfolgs-versprechenden Attentat auf den Papst.

Kaum hat sich der Rauch in Kiew verzogen, schwenken die Kameras hinüber nach Gaza auf ein paar palästinensische Chefterroristen, die sich blutüberströmt und in letzten Krämpfen am Boden winden. Es folgt die Diskussionsrunde mit Politikern und Friedens-Experten. Ernste, sachkundige Physiognomien erklären, dass dem Verteidiger sei Dank, eine mit hoher Genauigkeit abgeworfene Splitterbombe den Terroristen in den Unterleib getroffen habe und er geradezu lehrbuchmäßig ins Gras gebissen hat. Zum Beweis folgen Bilder aus der Zielerkennungskamera mit Fadenkreuz und der Einschlag.

Allah al Akbar grölen zwei Dutzend fundamentalistische Muselmane Gewehre und Macheten schwingend in die Kamera, während hundert Meter weiter unbeteiligte Bürger kollateral gemeuchelt aus den Sandalen kippen und ihren letzten Atemzug aushauchen. Gleich darauf der Einspieler, der uns hundert hungrige Palästinenser zeigt, die sich hinter einer Absperrung mit verzweifelten Mienen, mit Töpfen und Tellern dem Fotografen stellen. Die Schreckensbilder ermöglichen uns ein entspanntes Schauern auf dem kuschligen Fernsehsessel. Siegerposen bei den unmenschlichen Schlächtern, derweil unsere Kinder am Marsriegel kauen und das Massensterben wie ein Computerspiel verfolgen. Gleich darauf lässt uns unser Kanzler Friedrich Merz wissen, dass das Sterben endlich ein Ende haben muss und Deutschland daher neue Waffen liefert.

Wie läuft das doch gleich in Donezk und Lugansk? Interviews vor Ruinenkulissen. Der Fernsehteilnehmer hat Anspruch darauf, das ganze Ausmaß der Zerstörungskraft mehrer russischen Raketen zu würdigen, derweil Opa in der Abendzeitung liest, dass Procter & Gamble den Lieferwettbewerb für die ukrainischen Soldaten über 350.000 Rollen Klopapier gewonnen hat und Pepsi mit drei LKW-Ladungen eisgekühlter Getränke Selenskyjs Soldaten sponsert. Medialer Voyeurismus und politische Perversionen gehen Hand in Hand und kennen keine Grenzen.

Es wird abgelichtet, festgehalten und dokumentiert, was das Zeug hält. Blut, Tränen, Angstschreie, operettenhaft inszeniert, Gefangene, Verwundete und Fliehende in Großaufnahme, verängstigt, verunsichert und taufrisch auf deutsche Bildschirme. Leichtfüßig wird die blutige Berichts-Ethik auf die gleiche schamlose Art überwunden, wie die Russen Menschenrechte verletzen und ukrainische Drohnen mit westlicher Technik einen russischen Wohnblock mitsamt deren unschuldigen Bewohnern pulverisieren. Und natürlich sind immer, je nach Bedürfnis und Interessen der politischen Akteure, die Anderen die Schuldigen, die Bösewichte und die Aggressoren. Wir, die Guten, wir liefern nur die Munition für den Tod und Betroffenheitsfloskeln.

Die besten Einschaltquoten haben Sender, in denen am meisten gelitten, gestorben und verwüstet wird. Wem nützen solche Bilder? Haben sie noch etwas mit Aufklärung zu tun? Sollen sie gar der Abschreckung dienen? Soldaten, den Joystick in der Hand, löschen mit chirurgischer Präzision Leben aus und legen ganze Stadtteile in Schutt und Asche. Boris Pistorius wird nicht müde, die eigene Armee aufzurüsten und die Bundeswehr für Bewerber attraktiver zu machen. Dann gibt es militärische Gameboys für Erwachsene und Blut auf den Bildschirmen in den Leitständen, schon der ästhetischen Distanz wegen. Gleich darauf unterbricht uns der Pausenfüller. Werbung für unverwüstliche Fönwellen, Feuchtigkeitscremes und Schoko-Sahne-Pralinen. Auch der Spendenaufruf für ein erblindendes Kind in Somalia darf nicht fehlen, das mit großen Kulleraugen herzzerreißend in die Kameralinse blickt und uns zu Tränen rühren soll. 

Nach dem 30-Sekundenspot über eingesperrte Straßenhunde in China, folgen die Updates und Statements aus der Redaktion, die vom Trümmerfeld in Ramallah berichten. Es folgen Tunnelsprengungen im Gaza, zuvor finanziert mit deutschen Euromilliarden. Da bleibt kein Auge trocken! Fehlt nur, dass einer der Weizenbierhersteller den Abschuss eines palästinensischen Massenmörders mit dem Slogan ankündigt: „Diese Sendung wurde ihnen präsentiert von der Schöfferhofer Weizen. Es hat so schön geprickelt...!“ oder „mit dem Zweiten sehen Sie besser!“ 

Ich fürchte, die Leser und Zuschauer dieser fürchterlichen Blutbäder sind bereits so abgestumpft, ermüdet und desinteressiert, dass sie die Perversion der Inszenierungen auf den Bildschirmen kaum mehr wahrnehmen und noch viel weniger begreifen. Doch weshalb regen wir uns denn noch auf, wenn die gleichen Ignoranten auf der Fernsehcouch nicht einmal mehr nachfragen, wer die 10 Milliarden Euro teure Northstream II in die Luft gejagt hat.

Niemand will Krieg, hört man allenthalben aus den Mündern kriegsgeiler Biedermänner, und wenn er schon nicht zu vermeiden ist, dann soll er möglichst schnell beendet werden. Vernichtet wird im Namen der Menschlichkeit, der Demokratie und im Namen christlicher Nächstenliebe. Lippenbekenntnisse? Einhellige Meinung? Nein, es ist zum Kotzen, wenn sich Agnes Strack-Zimmermann unblutige Wortgefechte mit Kriegsgegnern liefert, die ein Ende der Waffenlieferungen in die Ukraine fordern, während Kiesewetter damit droht, dass übermorgen der Russe in Berlin einfallen wird. Es ist zum Kotzen, wenn unsere politischen Kriegstreiber den deutschen Zuschauern an den Bildschirmen Putins bevorstehenden Überfall auf Deutschland ankündigen und Wadephul schon mal vorsorglich 12 Bundeswehrkampfjets nach Polen verlegen lässt. 

Gegenseitige Schuldzuweisungen haben Hochkonjunktur und treiben uns gefährlich nah an einen dritten Weltkrieg heran. Und alle sehen zu. Besonders die Bürger. Politiker dagegen ergötzen sich mit feindseliger Demagogie an den Kampfhandlungen. Sie werden freilich mit Begriffen wie: Präzise Operation, defensiver Erstschlag, chirurgischer Eingriff oder störungsarmer Geländegewinn verharmlost. Mir fehlen die Worte bei solchen Formulierungen. Und im Falle des Ukrainekriegs? Mir scheint, da sieht man lieber dem Meuchelmord Tausender Soldaten hüben und drüben mit unseren friedensbringenden Panzern und Raketen zu, als die eigene Wirtschafts- und Politinteressen zu gefährden.

Aber egal, wie sich alles weiterentwickeln wird, Fernsehanstalten sind längst zu Selbstzweckeinrichtungen mutiert und richten ihre Aufmerksamkeit mit erbarmungsloser Penetranz auf das Kriegsgeschehen, wohl wissend, dass auf beiden Seiten der Kriegsgegner gelogen wird. Schließlich will der Zuschauer zu Hause unterhalten werden. Und stets schwingt die Frage der Fernsehmacher über den Köpfen der Redakteure: Sind unsere Berichte spannend genug und lassen sie sich noch steigern? Sicher! Wenn die Fernsehanstalten wüssten, an welcher Stelle des Mittelmeers gerade zweihundert Flüchtlinge absaufen, ließe sich das Gemetzel im Libanon und Syrien mit verzweifelten Hilferufen auf dem Wasser anreichern. 

Außer den Präsidenten der USA, Frankreichs, Englands, der Börse und den Fernsehgesellschaften wollte niemand den Einmarsch Afghanistan oder den Beschuss von Ghadafi. Die gleichen Mechanismen beobachten wir nun seit Jahren auch in der Ukraine. Im Namen der Humanität wird der nächste Einmarsch irgendwo auf dieser Welt nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie sonst wäre zu erklären, dass rund um die Uhr über nichts Anderes als über Gaza und Kiew berichtet wird. Helden sind entweder gesund oder tot. The show must go on. Der Krieg als politische Börsennotierung, Rheinmetall erlebt gerade Höhenflüge ungeahnten Ausmaßes.

Auf Deutschlands Mattscheiben findet Zynismus in Reinkultur statt und die Sender brauchen Sensationen. Was ist schon ein Unwetterschaden im Vergleich zu einer Schlacht an den Grenzen Russlands? Immerhin, es gibt ja auch noch alternative Schauplätze, wenn Paul Ronzheimer nichts zu berichten weiß. Dann allerdings rückt die Klima- und Hitzegefahr wieder in den Vordergrund, vollkommen gleichgültig, ob deutsche Bürger mitten im August die Heizung anschalten müssen oder wochenlanger Dauerregen jedes Sonnenbad verhindert. Dann wird das Klima zum gnadenlosen Kriegsgegner erhoben und der Bürger zur Kasse gebeten. So hat alles seinen Zweck. Zum Glück gibt es ja die Ukraine und den Gazastreifen.

Dem Humanisten dreht sich der Magen um, nicht nur wegen der abscheulichen Bilder, zerfetzter Leiber, erschossener Frauen, nicht nur wegen des unsäglichen Leides. Er dreht sich auch ob der Scheinheiligkeit der Reportagen wegen um. Die Filmsequenzen medienwirksam perfekt verarbeitet und aufgemotzt, übertreffen jeden Horrorfilm, - selbstredend im Namen journalistischer Pflichterfüllung und deutscher Kriegs-Euphoriker wie Kiesewetter und Strack-Zimmermann. Mir graut vor den Kriegstreibern in Berlin ebenso wie vor der Kaltschnäuzigkeit der Berichterstattung und den Medienmachern, die bei Bier, Chips und Erdnüsschen nur noch von der Gedankenlosigkeit angeblich zivilisierter TV-Konsumenten übertroffen wird.

                                           

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Kommentare

  1. Sie wollen die neuen Generationen und Migranten Deutschlands erneut und wieder mit einem Kriegs-Szenario des täglichen Sterbens und Krepierens gewöhnen wie es der Zeit in fernen Ländern abläuft und solch ein Kampf zur Verteidigung westliche Demokratie und Freiheit nicht nur für Deutschland sonder die gesamte Europäische Union bereits geplant ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit Europa in Blut, Feuer und Asche untergehen läßt. Unsere Kriegstreiber und Sippschaft wissen es und haben ihr Weiterleben bereits durch Fluchtpläne ins sichere Ausland abgesichert. Wir Bürger sind nur noch als als eventuelles zukünftiges Kanonenfutter oder nur noch als Kollateralschaden geeignet..

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  2. Leider beschreibt dieser Artikel die Medienrealität der MSM. Glücklicherweise gibt es Alternativen wie MANCINIS Scharfblick!

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