Himmel, welch eine Aufregung! Die Nachrichtensender des ZDF und ARD haben die letzten Gläubigen unter ihrer "Fernsehkundschaft" wieder einmal mit einer Horror-Story in Angst und Schrecken versetzt, - freilich unter Vermeidung wesentlicher und vor allem aufklärender Fakten. "Deutsche Sicherheitsbehörden haben in einem Berliner Waldstück ein Waffenlager fremder Mächte entdeckt." Das wirkt wie eine Bombe!
Angelegt worden sein soll das Erdloch von russischen Geheimagenten, die, so zumindest unsere eifrigen Kommentatoreren der zuverlässigen Staatssender, die mutmaßlich einen schweren Anschlag auf Deutschland geplant haben. BILD titelt gar reißerisch: "Putins langer Arm in Deutschland!" Zum schaurigen Entsetzen aller intellektuell schlichter BILD-Leser entnimmt jene Zielgruppe dem gestrigen Artikel: "Immer neue Spionage-, Sabotage- und Anschlagsvorwürfe."
Gleich darauf tritt Alexander Dobrindt (CSU) vor die Kameras und spricht von einer hohen Gefährdungslage. Im Anschluss schwadroniert der schreibende Märchenonkel der BILD-Zeitung über 3.ooo schlafende Agenten, russische Geheimdienstler und Staatszersetzer in Deutschland, in deren Fokus Banken, Versicherungen, Werften, Kraftwerke und sensible Infrastrukturen stünden. Und wie wir weiter lesen, warnen Experten dringend vor der Unterwanderung unseres Landes durch russische Paramilitärs. Nun ja, wenns die Experten sagen ...!
Ich wills mal so sagen: Unsereiner denkt ja bei einer solch atemberaubenden Meldung, dass Putins Schlapphut-Armee in geheimen Kommando-Aktionen riesige Arsenale von Panzerfäusten, Sprengbomben, Tretminen, Maschinengewehren und kistenweise Munition in unsere Land geschmuggelt und im Schutze der Dunkelheit in deutschen Waldlichtungen verbuddelt haben. Doch dann, ganz am Ende des Schmierenartikels, darf der Leser zum Glück wieder aufatmen. So steht am Ende des Artikels zu lesen: "Nach dem Waffenfund nahe Berlin hat Innenminister Dobrindt darauf verwiesen, dass in der "Vergangenheit" zahlreicher Festnahmen russischer Agenten erfolgt seien." Details bleiben dem deutschen Minimaldenker erspart.
Anderenfalls könnte ein kritischer Zeitgenosse die Frage stellen: "Aha, so ist das also! Und in wieweit stehen die Verhaftungen im Zusammenhang mit dem heutigen Erdloch?" Ich will die Antwort vorweg nehmen. Suggeriert werden soll eine Gefahrenlage, mit der man einerseits den Todfeind ettiketiert und andererseits die dringende Notwenigkeit der eigenen Aufrüstung zur inneren Sicherheit erklärt und gleichzeitig die Handlungsfähigkeit unserer Sicherheitsbehörden beweihräuchert. Framing in seiner dümmlichsten Perfektion! Wer, um Himmels Willen, denkt sich so etwas aus?
Dass es sich im aktuellen Fall des "russischen Waffenbunkers" in Berlin in Wahrheit um ein unscheinbares Erdloch handelte, in dem jemand zwei Pistolen unsachgemäß einfach verbuddelt hatte, will ich hier wahrlich nicht bagatelisieren, auch wenn es sich bei der einen Waffe um eine Schreckschusspistole handelte. Jeder Idiot weiß, dass man Pistolen nur in einem öligen Plastikumschlag in den deutschen Humus versenken kann, wenn man damit jemals noch einmal schießen will. Schwamm drüber!
Wenn man weiter bedenkt, dass man in den Autos arabischer Klanmitglieder von Neukölln, Duisburg Marxloh, Bremen oder auch Dortmund in den Handschuhfächern ausreichend expolisive Sprengkraft finden würde, mit der man beispielsweise den Berliner Hauptbahnhof in die Luft jagen könnte, nimmt sich im Vergleich zu dem "spektakulären" Fund in einer popeligen Grube geradezu als Lachnummer aus. Ich nehme an, dass in den Kinderwagen arabischer Mütter mehr scharfe Schnellfeuerpistolen verborgen sind, als unsereiner annimmt.
Irgendwie erinnert mich diese neuerliche Schauergeschichte an unseren Heinrich III. Prinz Reuß, der mit seiner senilen Rollator-Kampftruppe mithilfe eines ungeladenen Luftgewehrs, einem Küchengrill und zwei Küchenmesser unsere Regierung umstürzen wollte. Seit drei Jahren sitzt der arme Kerl ohne Prozess in Haft und schmort vor sich hin. Doch die eigentliche Gefahr in unserem Land wird uns Bürgern immer deutlicher. Es ist die unfassbare Arroganz und anmaßende Überheblichkeit einer Politikerklique, die die Wählerschaft offenkundig für dermaßen verblödet hält, dass sie davon ausgeht, ihnen würde irgendjemand solche Horrormärchen abnehmen.
Wie billig die Systempresse mit ihrem Publikum umgeht, zeigt mein weiteres bildhaftes Beispiel. Die Medien "beweisen" mit diesem Foto eindeutig, wie eine russische Spionin unseren Kanzler bei einem seiner öffentlichen Auftritte fotografiert (warum auch immer) und die verruchte Agentin nun überführt ist. Wer genau hinsieht, entdeckt die Spionin aus Moskau im Hinterhalt der 7. Reihe links zwischen all den anderen Fotografen (Ironie). Eine solch idiotischer Suggestionsversuch ist mit nichts zu überbieten.
Was hat uns in den letzten Tagen alles in Atem gehalten! Russische Drohnen mit defekten Zündern und versehentlich angefallenen Sprengsätzen, ukrainische Antonow-Großraum-Flugzeugen in Leipzig, die nach ersten Meldungen vollgeladen mit Raketen auf dem Airport herumstanden und von fremden Mächten angegriffen worden sind. Allerdings ist die dilettantisch konstruierte Kampf-Drohne wegen eines "Bastelfehlers" der russischen Waffen-Konstrukteure nicht so richtig zum Einsatz gekommen. Natürlich könnten es auch die Ukrainer gewesen sein, aber der Bürger soll schließlich nicht alles wissen. Wenn die Dummheit der Berichterstatter und unserer politischen Akteure nicht schon tragisch genug wäre, müsste man diesen Hooro-Stories als Sketsche unserem linken Dieter Hallervorden anbieten.
Noch schlimmer allerdings ist die Tatsache, dass die Herrschaften, die mit ihren plumpen Panik-Szenarien, propagandistischen Skandal-Parolen und diskriminierenden Attaken auf Parteigegner ernsthaft annehmen, sie könnten noch im Letzten Augenblick vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt ihre eigene politische Ablösung abwenden. Der Drops ist gelutscht, vollkommen gleichgültig, ob plötzlich russische Drohnen über den Leipziger Flughafen schwirren, in einer Erdkuhle zufällig zwei angerostete Pistolen gefunden werden, der Ministerpräsident Mario Voigt wegen böswilliger Aberkennung seines Doktorgrades gegen die Erfurter Universität klagt oder über inflationäre Plakatwerbung vor der Höcke oder Weidel gewarnt wird.
Die politischen "Pseudo-Gutsherren" heben mit jedem künstlich aufgebauschten und dramtisierten Vorfall, der mit sensationellem Getöse dem Publikum serviert wird, Schaufel für Schaufel die Gräber aus, in denen sie sich in Kürze selbst bestatten werden. Unser aller Fritz hat sich vermutlich für seinen Heimgang eine lauschige Anhöhe unter schattenspenden Bäumen im Grunewald ausgesucht, gleich neben dem besagten Erdloch voller russischer Waffen...
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