Wie lange haben sich Deutschland und seine Bürger danach gesehnt, endlich, nach knapp 400 Jahren, wieder bis auf Augenhöhe mit Frankreichs Monarchie aufzusteigen. "Philipp der Erste", mühsam dem Enddarm seines Gönners Fritz entschlüpft und als Staatsminister von Kanzlers Gnaden in Ueckermünde reinkarniert, vereinigt in sich alle Merkmale, den höfischen Glanz in Berlin auferstehen zu lassen.
Auch wenn sich Philipp, dem Lichtumflossenen, in einigen Attributen vom Prinzen aus dem Hause Bourbon unterscheidet, lässt er keinen Zweifel an der Freude seines glanzvollen Machtaufstiegs, an dem er das Volk nicht nur medial teilnehmen lässt, sondern sich gleichzeitig anschickt, vom Balkon des Kanzleramtsbüros in einem bequemen Strandkorb sitzend seine künftigen Regierungsaufgaben zu zelebrieren.
Zugegeben, der Strandkorb der Marke „Hansa Ostsee de Luxe“ aus feinem, weiß gestrichenen Mahagonigeflecht, lässt sich nicht ganz mit dem Versailler Thron der „Galerie des Glaces“ vergleichen. Auch das Kanzleramt in Berlin müsste noch ein wenig erweitert werden, um mit der Dimension des Versailler Schlosses mithalten zu können, nichtsdestoweniger präsentiert sich unser „Sunnyboy“ jetzt schon mimisch mit absolutistischem Regierungswillen und dem Habitus eines unumschränkten Herrschers der jubelnden Öffentlichkeit.
Auch wenn der Vergleich des Sonnenkönigs Ludwig mit Philipp aus Ueckermünde weit hergeholt erscheint, gleichen sich in einigen Belangen die Lebenswege und Philipps Hang zu Pomp, Luxus und Status. Blicken wir zurück in die Jugendzeit unserer zwei Protagonisten. Während Ludwig der XIV bis zu seinem 23-jährigen Geburtstag noch unter der Vormundschaft seiner Mutter Anna von Österreich stand und nichts zu melden hatte, wuchs Philipp nahezu ebenso lang unter der strengen Fuchtel seiner alleinerziehenden Mutter in einem Mecklenburg-Vorpommerschen Kaff auf. Dann bekam der frühreife Philipp seine erste Monsterbrille, wurde auf die Menschheit losgelassen und wurde vorlaut.
Jetzt, nach vielen demütigenden Jahren auf dem Schulhof, auf dem er andauernd Dresche von seinen Schulkameraden bekam, hat er es geschafft. Voller Stolz führt „Sunny-Philipp“ Deutschlands loyalste Hoftrompeter und angepasste Systemschranzen in sein luxuriöses „Büro“ und gibt ihnen erste Eindrücke seiner Wirkungsstätte, immerhin ein Arbeitsplatz von der Größe einer Edeka-Filiale, während Ludwig der XIV in der Zeit des „Grand Siècle“ sein neues Schloss von Versailles bezog. Nun ja, der royale Herrscher in Frankreich musste sich noch mit lächerlichen 6 Pferden und einer ungefederten Kutsche bescheiden und sich von den Dienern vors Portal ziehen lassen. Der dekadente Philipp lässt es dagegen mit einem 450 Pferdestärken und geschmeidigen Lederpolstern aus feinstem Nappa krachen. Tempora mutantur.
Doch wirft man einen vergleichenden Blick zurück in die Monarchie, stand der Sonnenkönig alsbald vor einem ähnlichen Dilemma wie der heutige „Hofadel“ in Berlin. Denn Ludwig stand wegen des Erbfolgekrieges mit Spanien und der Vertreibung der Hugenotten kurz vor dem Staatsbankrott, konnte sich jedoch mit einer radikalen Finanzreform aus der wirtschaftlich Schieflage befreien. Diese Perspektive jedoch dürfte sich unserem Philipp nicht bieten, zumal er mit Verve und Kadavergehorsam seinem Protegé Fritz hinsichtlich des ruinösen Ukrainekrieges mit Treueschwüren überhäuft, stets den Blick nach oben auf das rettende Rektum seines Gönners gerichtet.
Phillipps alles überstrahlende Herrlichkeit überflügelt bei weitem die eigenen intellektuellen Fähigkeiten. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die beiden "Monarchen", denn bei Ludwig war es umgekehrt. Immerhin genoss Ludwig der XIV die harte Schule von Kardinal Armand Richelieu und hat bei ihm den Geist und die Hirnzellen gestärkt. Er markierte während seiner Herrschaft die Blütezeit der Kunst, der Literatur, der Architektur und der Musik und war somit auch ein Kind von Molière, Couperin, Corneille, La Fontaine, Racine und Boileau. Philipp dagegen erleuchtet unserer Jahrhundert lediglich mit seiner großen Klappe und hat außer einer riesigen Brille nichts Bemerkenswertes vorzuweisen.
Ich wills mal so sagen: Während Philipp vom Balkon-Strandkorb seinen Blick über den Kanzleramtsgarten schweifen lässt, von seiner Inthronisierung und allen Kanzler-Macht-Insignien träumt, im Geiste die Ovationen seiner Untertanen entgegennimmt und sich in sphärischen Glücksgefühlen suhlt, werden deutsche Bürger „Kuchen“ essen müssen, weil sie ihr täglich Brot nicht mehr bezahlen können. Aber spielt das eine Rolle? Ich denke schon, denn der Kuchen im Land ist bald vollständig aufgegessen.
Philipp
wird sich vorsehen müssen, dass sich das Jahr 1793 nicht wiederholt, als das
französische Revolutionstribunal am 16. Juli des gleichen Jahres das Todesurteil
von Marie Antoinette mit der Guillotine vollstrecken ließ. Die Anklagepunkte
gegen sie waren u. a. Hochverrat am französischen Staat, exorbitante Verschwendungssucht und Unzucht. Nun ja, Letzteres können wir bei Philipp schon
seiner ungünstigen Ausstrahlung und seines fehlenden Charms wegen ausschließen.
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