Das war zu erwarten. Nachdem für die Dauersieger der CDU die Wahlen erst in Sachsen-Anhalt krachend verloren gingen und nun der altehrwürdigen Partei auch in Mecklenburg-Vorpommern ein nie dagewesenes Schreckensszenario droht, hat man sich in der Parteispitze zum ultimativen Gegenschlag formiert, um die AfD zu pulverisieren. Philipp muss es richten und die CDU zur alten Stärke zurückführen.
Um den Einsatz dieser personellen Vernichtungswaffe zu verstehen, muss man zweifellos einen Blick auf den Lebensweg des aller letzten Heilsbringers der einstmals christlichen Partei werfen. Begonnen hatte alles am 10. November 1992 in der vorwinterlichen Nacht der pommerschen Kleinstadt Ueckermünde. Noch bevor der kleine Erdenbürger von der Nabelschnur getrennt war, fiel er durch einige Merkwürdigkeiten auf.
Das brüllende Wesen unterschied sich signifikant von allen
anderen Babys, die in Ueckermünde und auch anderswo jemals entbunden worden waren.
Der Kleine erblickte mit einer übergroßen Hornbrille und einem blütenweißen
Einstecktuch das Licht der Welt. Die äußerst selten vorkommende Besonderheit
jedoch tat der Mutterliebe und der aufopfernden Fürsorge keinen Abbruch.
Denn der muntere Racker fiel bereits nach wenigen Monaten mit seiner phänomenalen Sprachentwicklung auf. Manche nannten ihn frühreif, andere wiederum altklug. Eingehegt im hölzernen Laufgitter im Küchenflur brüllte er in seinem himmelblauen Strampelhöschen sämtliche Bewohner in der Nachbarschaft aus dem Schlaf. Stopfte Mama ihrem Liebling nicht mit dem Schnuller den Mund, brabbelte und plapperte er den leiben langen Tag. Und dann geschah das Unvermeidliche. Man schrieb den 4. Februar 1993. Der gerade einmal 3 Monate alte Philipp sprach laut und deutlich sein allererstes Wort. „Doppelbesteuerungsabkommen.“
So überrascht es nicht, dass das nimmermüde Hosenscheißerchen auch bei den Verwandten, Opa und Oma, Tanten und Onkels mit seiner frühkindlichen rhetorischen Gabe für atemloses Staunen sorgte. Bei Kinderwagen-Ausfahrten durch den Park zeigte sich der muntere Strampler maximal interessiert an der Umwelt und plapperte unablässig, - außer, wenn seine Windeln prall gefüllt und er sichtliches Unbehagen zeigte.
Bereits als Säugling sprach er in ganzen Sätzen, bildete endlose Genitivketten und redundanzlose Begriffe wie beispielsweise „Pflegeleistungsergänzungsgesetz“ oder „Zwangsmittelvollstreckung“. Er brabbelte nicht etwa „mammam“ oder „babbabbab“, wie es Kleinkinder zu tun pflegen, wenn sie sich wohlfühlen und mit der Außenwelt kommunizieren. "Bedarfsgesteuerte Fußgängerfurt" war eines seiner Lieblingsworte, wenn Mama ihn mit dem Kinderwagen über den schmalen Steg zum Weiher schob. Philipp lehnte sich aus seinem Buggy, deutete beispielsweise auf einen Busch und stellte spontan fest: „Da…! Raumübergreifendes Großgrün.“ Damit bewies er schon zu jener Zeit, dass sein Weg in die Politik vorbestimmt war.
Philipp Amthor ist mit Blick auf seine Vergangenheit, bis heute der einzige lebende Beweis, dass man schon als Abgeordneter mit Einstecktuch auf die Welt kommen kann. Natürlich verlief die Weiterentwicklung des kleinen Philipp nicht ganz störungsfrei, auch wenn er nach seinem Abitur das Studium der Rechtswissenschaften in Angriff nahm und nach der ersten Prüfung und 2008 Mitglied der CDU wurde.
Der damals gerade 16jährige und gerade der Pubertät entronnene Philipp zog als Fleisch gewordene Verkörperung eines pseudo-akademischen Vielschwätzers knapp 10 Jahre später in den Bundestag ein. Er machte den Jagdschein, dem ihm sogar seine Neider zugetraut hatten. Er trug die Aktentasche des Kanzlers, sorgte mit aufgespanntem Schirm, dass Fritz bei Regen auch nicht nass wurde, geriet CDU-adäquat im Jahr 2020 unter Korruptionsverdacht und verkroch sich bei der kleinsten Gefahr metertief im Enddarm seines Fürsprechers.
Immerhin kann Philipp schon frühkindliche Erfolge zurückblicken. So wurde als 2-jähriger Pimpf vom Optikerverband in Uekermünde, - und -, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen -, sieben Jahre in Folge zur Brille des Jahres gekürt. Doch das ist lange her. Jetzt, mit der wohlwollenden Zuwendung, die er von seinem großen Führer erhielt, wuchs er nicht nur mental, sondern mit ihm auch die Brille, und was früher sein Sabberlätzchen war, verwandelte sich mit der Zeit zum Einstecktuch im Jackett. Und da Bäume bekanntlich nicht in den Himmel wachsen, sind naturgemäß auch den Brillengestellen hinsichtlich ihrer Größe gewisse Grenzen gesetzt. Schwamm drüber.
Nun ist er Staatsminister und fast der einzige, der unserem Fritz - zumindest in der Öffentlichkeit - noch uneingeschränkte Bewunderung zollt. So hat er sich klammheimlich zur CDU-Geheimwaffe entwickelt. Die Zeit für eine Neugeburt, dieses Mal aus des Kanzlers Enddarm steht unmittelbar bevor. Wir dürfen
gespannt sein, wie er das Land zurechtrückt, wenn man ihn inthronisiert haben wird. Ja, Philipp wird’s richten, davon bin ich überzeugt.
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