Gillamoos, nicht zu verwechseln mit dem sagenumwobenen Gilgamesch zu Babel, ist wieder einmal traditioneller Schauplatz des bayerischen „summum officium“, das Hochamt des Brachialpolitikers Marcus aus Franken. Und wie bei jedem seiner berüchtigten Bierzeltauftritte, ob nun auf der Wiesn in München, in Chieming oder am Tegernsee, durfte der Landesvater auch beim Paulanerwirt in Gillamoos erwarten, dass er wie stets, im Hopfen geschwängerten Bierdunst durstiger Voralpenbewohner die ihm gebührenden Ovationen entgegennehmen könnte.
Marcus, der „Selbstbeweihräucherte“, weiß zu kalkulieren und abzuwägen, welcher Zeitpunkt der Günstigste für seine Auftritte ist und wann er die „Kampfarena betritt. Denn erst wenn der durchschnittliche Alkoholisierungspegel das Niveau von zwei Promille überstiegen hat, steigern sich bekanntermaßen nicht nur die Stimmungs- und Gemütslagen an den Biertischen, sondern auch die allgemeinen Sympathiewerte für die Heimat und die CSU. Dann ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, den Landsleuten noch entgegenzuschmettern, dass jeder, der außerhalb des bayerischen Weißwurstäquators lebt, arbeitet und atmet, hessisch, schwäbisch, pfälzisch oder sächsisch spricht, der geborene Loser und Bayern das Maß der Dinge ist.
Und dann lederte er los! In der Postkartenidylle Bayerns, inmitten lieblicher Landschaften, dort wo die Berge am schönsten, die Seen am blauesten, die Wiesen am saftigsten, die Blumenkästen auf den Balkonen die üppigsten und die Bayern am bayrischsten sind, dort trat er heute wieder auf dem Podium des riesigen Bierzeltes vor das Mikrofon, um den Gamsbart und Haferlschuhe tragenden Ureinwohnern einzuimpfen, was er von den politischen Gegnern, insbesondere den Grünen, der SPD und natürlich von der AfD hält.
Doch halt: Irgendetwas war gestern anders! Das Bierzelt halb leer, das Publikum halb so besoffen, die Blasmusik halb so laut und die Stimmung halb so ausgelassen und bierselig wie sonst. Das ließ nichts Gutes ahnen. Nicht etwa, weil in Sachsen-Anhalt Siegmund, der Prächtige, einen Kantersieg für die AfD eingefahren hat, sondern weil die düsteren Gewitterwolken der Berliner Weltpolitiker, ähnlich unverschämt wie die Migranten aus südlichen oder östlichen Hemisphären, ungebremst ins schöne Bayernland hineinschwappen, idiotische Versprechen, schlechte Laune und ansonsten Chaos verbreiten.
So mancher Fremdling, der glaubte, man könne einen Bayern mit ein paar lockeren Sprüchen hinter die Fichte führen, nur weil er sich volkstümlich gibt und eine Lederhose trägt oder einen schwer verständlichen Berliner Dialekt spricht, unterschätzt dessen Blick fürs Wesentliche und Realistische. Journalistische Dampfplauderer und „moderierende Zipflklatscher“ der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten sowie linksgedrallte Pressevertreter haben bei ihm ganz schlechte Karten, besonders wenn sie aus der Bundeshauptstadt kommen und sich im Trachtenlook anscharwanzen.
Und da stand er nun, der verhinderte „Franken-Kinni“ aus der bayerischen Staatskanzlei. Nicht breitbeinig, kraftstrotzend und selbstbewusst wie bei Tausenden Auftritten zuvor, vielmehr schwang im Timbre seiner Stimme so etwas wie verzweifelter Trotz gepaart mit der Wut eines nicht mehr ernst zu nehmenden Bierzelt-Grantlers. Auch wenn der „Söder-Maggus“ auf dem Festgelände von Gillamoos sichtlich erschüttert versuchte, angesichts des CDU-Desasters in Sachsen-Anhalt, mit schäumender Polemik und platten Sprüchen sein ernüchtertes Publikum mitzureißen, der Applaus kam nur noch aus der Ecke seiner Entourage und einigen verirrten Hochleistungsanhängern.
Ausgerechnet dort, wo der trinkbare Inhalt mit dem „Maß“ des Steinkrugs und der Höhe der Schaumkrone hoch korreliert, dort wo „oans, zwoa, gsuffa" die Leichtigkeit des bayerischen Seins gefeiert wird, ausgerechnet dort überwogen heute Misstrauen, Skepsis, Ärger und Ablehnung. Ob nun Xaver Lechleitner, Korbinian Niederhuber oder Magda Hofbauer, allesamt Großbauern mit mächtigen Höfen und 300 Kühen im Stall, auch sie haben überrissen, dass sie mit den heutigen Dieselpreisen und Energiekosten nicht einfach auf ihren Prachtochsen Aloisius zurückgreifen können, um mit ihm und einer Pflugschar die Ackerfurchen ins Feld zu ziehen, damit sie Kosten einsparen. Längst tanken sie statt Diesel billigeres Heizöl, das ihre verzweifelte Lage auch nicht viel besser macht.
Der ehemals mächtige Marcus Söder mit seiner CSU kann seit spätestens gestern in Bayern kaum noch einen Blumentopf gewinnen. Die 45-Prozent-Zeiten der CSU gehören ohnehin schon längst der Vergangenheit an, sie nähern sich auch allmählich der 30-Prozent-Marke, während die AfD stetig wächst, mittlerweile sogar die bislang undenkbare 20-Prozent-Marke überschritten hat und inzwischen zweitstärkste Kraft in Bayern geworden ist. Doch denken wir einen Schritt weiter – denken wir an den jetzt stattfindenden dramatischen Selbstauflösungsprozess der CDU in ganz Deutschland.
Welche Motivation kann ein bayerischer Ministerpräsident noch haben, mit der „Schwesterpartei“, möglicherweise auf Gedeih und Verderb weiter zusammenzuarbeiten, wenn Merz über kurz oder lang die Vertrauensfrage stellen muss? Welchen Sinn oder welchen Nutzen soll es für die CSU ergeben, weiter mit einer CDU zusammenzuarbeiten, die sich sehenden Auges in eine irrelevante Splitterpartei entwickelt? Auch wenn Markus Söder in einem letzten, verzweifelten Aufbäumen im Bierzelt von Gillamoos seinen Bürgern versichert, dass er sein Bayern vor der AfD bis zum letzten Blutstropfen verteidigen wird, sieht man an den Biertischen nur noch skeptische, ja ungläubige und wütende Minen. Die Leute haben Söder abgeschrieben und Dobrindt liegt auf der Lauer.
Sachsen-Anhalt
und Mecklenburg-Vorpommern sind zweifellos die ersten und die letzten Sargnägel
für Friedrich Merz, der Regierungskoalition und möglicherweise auch die der CSU. Der
Drops jedenfalls ist weitgehend gelutscht. Die Deutschen Bürger müssen nur noch wenige
Wochen Geduld aufbringen. Noch befinden sich unsere dilettierenden Polit-Simulanten in der
Trauer-Phase. Doch nach den Wahlen in Meckpom beginnt die Selbstzerfleischungs-
und Schuldzuweisungsphase, bei dem kein Stein mehr auf dem anderen bleiben wird. Die Parteigranden werden übereinander herfallen und die Königsmörder auf eine gute Gelegenheit warten. Nicht nur intern. Die SPD, CDU, die CSU und die GRÜNE werden sich wie räudige Hunde von den Futternäpfen wegbeißen. Das steht fest. Am Ende stehen Neuwahlen und Aufbruch, - mit der AfD! So oder so. Da beißt die Maus den Faden nicht
ab.
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